Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

LAG Mainz billigt befristete Arbeitsverträge im Profifußball

Rechtstipp vom 01.05.2016
(2)
Rechtstipp vom 01.05.2016
(2)

Profifußballer dürfen befristet beschäftigt werden. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz in Mainz entschieden und dazu nun am Donnerstag, 28. April 2016, auch seine schriftlichen Urteilsgründe veröffentlicht (AZ: 4 Sa 202/15). Die Befristung sei durch „die Eigenart der Arbeitsleistung“ gerechtfertigt.

Geklagt hatte Heinz Müller, Torwart des 1. FSV Mainz 05. Er war dort zunächst für drei Jahre als Lizenzspieler beschäftigt und schloss dann im Sommer 2012 einen auf zwei Jahre befristeten Vertrag ab. Abgesehen von einem Krankheitstag wurde er in den ersten elf Bundesligaspielen der Saison 2013/14 durchgehend eingesetzt, danach aber nicht mehr. Stattdessen wurde er der in der Regionalliga spielenden zweiten Mannschaft zugewiesen. Dadurch blieb Müller auch eine Punkteprämie für die Rückrunde 2014 verwehrt.

Nach Auslaufen des Vertrags klagte Müller daher auf Festeinstellung und Schadenersatz für die entgangene Prämie. Die Befristung und auch der Verweis auf die Regionalliga seien unwirksam gewesen.

Generell erlaubt das Gesetz Befristungen ohne sachlichen Grund nur für die Dauer von höchstens zwei Jahren. Diese Zeit war hier bereits ausgeschöpft. Danach gelten als sachlicher Grund beispielsweise Vertretungsfälle oder ein anderweitiger nur vorübergehender Bedarf des Arbeitgebers. Weiter erlaubt das Gesetz Befristungen, wenn „die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt“. Darauf hatte sich der FSV Mainz gestützt.

Mit Urteil vom 16. Februar 2016 hat das LAG Mainz die Befristung bestätigt. Nunmehr liegt auch das schriftliche Urteil mit den genauen Gründen vor.

Darin betont das LAG, dass Fußballprofis jedenfalls ohne entsprechende vertragliche Regelung keine regelmäßigen Einsätze verlangen können. „Die Entscheidung darüber, ob der Spieler in Bundesligaspielen eingesetzt wird, unterliegt dem freien Ermessen des Trainers“, so einer der Leitsätze des Gerichts.

Ausführlich befassen sich die Mainzer Richter mit der „Eigenart der Arbeitsleistung“. Diese gesetzliche Formulierung ziele zwar vorrangig auf die Bühnenkunst und den Rundfunk ab, könne aber durchaus auch auf andere Berufe zutreffen. Auch im Profifußball sei danach die Befristung der Arbeitsverhältnisse gerechtfertigt.

So sei – auch wegen des Verletzungsrisikos – die Entwicklung der Leistungsfähigkeit eines Fußballers extrem unsicher. Seine Leistung und Einsetzbarkeit hänge auch vom „gruppendynamischen Prozess“ des Teams sowie vom Spielkonzept des Trainers ab, das sich ständig ändern könne.

Bereits dies begründe „ein berechtigtes Interesse des Vereins, die Arbeitsverträge seiner Lizenzspieler zu befristen“, heißt es in dem Mainzer Urteil. „Dem Verein wäre es nämlich bei Bestehen unbefristeter Verträge regelmäßig nicht möglich, sich von einem Spieler, der aus einem der beschriebenen Gründe nicht mehr erfolgversprechend im Spielbetrieb eingesetzt werden kann, im Wege einer ordentlichen Kündigung zu trennen.“

Weiter verwies das LAG auf das berechtigte Interesse des Vereins an „einer ausgewogenen, der sportlichen Zielsetzung gerecht werdenden Altersstruktur des Spielerkaders“. Mit Blick auf „die zunehmende Kommerzialisierung des Profifußballs“ gelte zudem auch hier der bei Bühnenberufen anerkannte „Gesichtspunkt des Abwechslungsbedürfnisses des Publikums“.

Weil die Befristung der Spielerverträge bei allen Vereinen gängige Praxis sei, hätten Spieler, deren Vertrag auslaufe, in der Regel auch gute Chancen, einen neuen Verein zu finden.

Nicht unberücksichtigt bleiben dürfe schließlich auch die oft „außergewöhnliche Höhe“ der Vergütung – in der Ersten Bundesliga durchschnittlich 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Die gesetzlichen Grenzen für befristete Arbeitsverträge seien aber auf „die Situation schwacher und damit sozial schutzbedürftiger Arbeitnehmer“ ausgerichtet.

„Die Gesamtbetrachtung all dieser Umstände ergibt, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien durch eine tätigkeitsbezogene und branchenspezifische Eigenart der Arbeitsleistung gekennzeichnet ist, aufgrund derer die Befristung des Arbeitsvertrages der Auffassung verständiger und verantwortungsvoller Vertragspartner entspricht“, heißt es abschließend in dem Urteil. „Dies wird auch durch die im Bereich des Profifußballs ausnahmslos gehandhabte Praxis, mit Lizenzspielern ausschließlich befristete Arbeitsverträge abzuschließen, bestätigt.“

Rechtsanwalt Thorsten Blaufelder

Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mediator, Wirtschaftsmediator

Kanzlei Blaufelder


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Dipl.-Jur. Thorsten Blaufelder (Kanzlei Blaufelder)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.