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LARPer - Kampf mit harten Bandagen

Rechtstipp vom 22.02.2016
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Rechtstipp vom 22.02.2016
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LARPer - Kampf mit harten Bandagen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Während sich im Internet Spiele wie „World of Warcraft“ oder „The Elder Scrolls“ etabliert haben, werden Live-Rollenspiele in der „realen Welt“ immer beliebter. Beim sog. LARP (live action role playing) können z. B. normale Büroangestellte, Studenten oder hochkarätige Manager – je nach Genre – etwa in die Rolle eines Ritters, Zauberers, Räubers oder Orks schlüpfen und die Gegend unsicher machen. Aber Vorsicht: Die Teilnehmer sind meist sehr gut gerüstet – mit Schaumstoffkeulen, -schwertern und -äxten oder auch (Gummi-)Pfeil und Bogen. Spätestens bei der Endschlacht fließt das Kunstblut in Strömen – allerdings muss der wahre Krieger ab und zu auch mit echten und schmerzhaften Blessuren rechnen.

Ritter wird vor bzw. auf den Kopf gestoßen

„Der Schwarze Ritter triumphiert immer!“ – dieses bekannte Zitat aus dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ bewahrheitete sich während eines LARPs nicht. Hier musste ein LARPer, der einen Ritter ohne Furcht und Tadel verkörperte, gegen einen gemeinen Räuber antreten und ein Dorf verteidigen. Schnell gewann der Bösewicht allerdings die Oberhand – er fackelte nicht lange und verpasste dem Edelmann mit seiner Schaumstoffkeule eine unsanfte Kopfmassage.

Der ging mit eiserner Faust gegen den Laien-Banditen vor und stellte ihn nicht nur an den Pranger, sondern in der „realen Welt“ auch noch vor Gericht. Schließlich existierten hieb- und stichfeste Beweise, dass dieser etwas gegen den armen Adligen im Schilde geführt habe. Warum, das könne er sich allerdings auch nicht erklären, da sich die beiden im Kampf das erste Mal begegnet seien. Auf jeden Fall müsse die Tat gesühnt werden – am besten mit Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Der „Gauner“ war jedoch nicht auf den Kopf gefallen und wies auf die unendlichen LARP-Regelwerke hin – wonach nur vorsätzliche Kopftreffer geächtet seien. Zwar habe er gemäß seines Spieler-Charakters gehandelt – keinesfalls jedoch absichtlich seine Keule auf den Kopf des Gegners geschwungen. Im Übrigen könnte es während der „In-Time“ – dem Kampfgeschehen – auch schon mal zu einer Heldenverletzung kommen. Da die Parteien die Streitaxt nicht begraben wollten, musste das Landgericht (LG) Osnabrück eine Entscheidung treffen.

„Das Spiel ist aus!“

Das LG kam zu einem eindeutigen Ergebnis, das dem verwundeten LARPer nicht gefallen haben dürfte: „Pech gehabt!“ Er durfte dem Hobby-Gauner keinen Cent abknöpfen. Für eine gezielte Tat war nämlich nichts ersichtlich. Der Rittersmann hatte vielmehr selbst zugegeben, seinen Widersacher gar nicht zu kennen, sodass ein privater Rachefeldzug – unter dem Deckmantel eines LARP-Plots – eher fernlag.

Wenn man sich als Ritter Hals über Kopf ins Kampfgetümmel stürzt, muss man eben auch mal mit ein paar Kratzern rechnen. Werden die im Eifer des Gefechts herbeigeführt, greift auch das Regelwerk nicht, wonach nur ein hinterhältiger Angriff verurteilt wird – versehentlich herbeigeführte Schrammen sollen dagegen folgenlos bleiben. Alles andere würde den Bogen überspannen und zu einer Klagewelle unter den LARPern führen, die schon einmal schmerzhaft z. B. ein Gummischwert oder einen „Lightning Bolt“ – a.k.a. Sandsäckchen – zu spüren bekommen haben.

(LG Osnabrück, Urteil v. 28.01.2016, Az.: 4 O 1324/15, bestätigt durch das Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil v. 28.04.2016, Az.: 3 U 20/16)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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