Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Lombardium Skandal: Negative Guthaben bei LC 2 festgestellt – viele Insolvenzanmeldungen nutzlos

(1)

Berlin, 30.04.2019

Erneut droht ziehen für die geprellten Anleger der Lombardium-Gruppe dunkle Wolken auf. Wie der Insolvenzverwalter der Ersten Oderfelder KG, meist nach deren letzter Produkttranche auch „Lombard Classic 2“ oder kurz LC 2 genannt, kurz nach Ostern in einem mehrseitigen Brief den Anlegern mitteilte, sind jetzt die Jahresabschlüsse 2014-2016 erstellt, sodass die sogenannten Kapitalkonten der Anleger errechnet werden konnten bis zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung in 2016. Mit diesem Zeitpunkt endete kraft Gesetzes die stille Beteiligung. Was diese Berechnung der Kapitalkonten für Auswirkungen für die Anleger hat, erläutert der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke.

 „Nach dem Gesellschaftsvertrag ist am Ende der 36-monatigen Regellaufzeit der Kapitalanlage nicht etwa sofort die Einlage zu 100 % auszuzahlen gewesen, sondern das Guthaben auf diesem Kapitalkonto, welches zuerst einmal berechnet werden musste. Da auf dem Konto auch Verluste gebucht werden konnten, die die Anleger laut Vertrag zu tragen hatten, kann man auch vereinfacht sagen, auf dem Kapitalkonto steht das, was die LC 2 aus dem Geld des einzelnen Anlegers gemacht hat. Wenn die Verluste nicht wieder herein gewirtschaftet wurden, ist der Stand des Kapitalkontos geringer als die Einlagenhöhe. Der Anleger bekommt dann weniger heraus, als er einbezahlt hat,“ erklärt der Anwalt.

Im besonders ungünstigen Fall hat die Gesellschaft sogar gar keinen Gewinn gemacht und der Anleger dennoch Auszahlungen bekommen, die rechtlich als Einlagenrückgewähr zu verstehen sind. Dann kann das Kapitalkonto sogar negativ sein und der Anleger zum Ausgleich, also zu Rückzahlungen verpflichtet sein. Genau dies ist jetzt anscheinend bei der LC 2 zu befürchten, denn der Insolvenzverwalter hat nach den Röhlke vorliegenden Schreiben durchweg negative Kapitalkonten errechnet. Aber nicht nur die Rückzahlung steht im Raum, Insolvenzverwalter Scheffler teilt auch mit, wie sich die negativen Kapitalkonten auf viele Insolvenzanmeldungen auswirken:

 „Viele Anleger haben, ob aus Unkenntnis oder aufgrund einer Empfehlung Ihrer Kapitalanlageberater, zur Insolvenztabelle lediglich die „Rückforderung der Einlage“ oder die „Rückzahlung gemäß Vertrag“ angemeldet. Der Insolvenzverwalter teilt jetzt zutreffend mit, dass eine solche Anmeldung nicht berücksichtigt werden kann, da das Guthaben ja negativ ist, der Anspruch also schon deswegen bestritten bleiben muss. Auch eine Rückzahlung in Höhe der Einlage gibt es laut Vertrag nicht, auch diese Anmeldung ist nutzlos und muss – hier empfiehlt sich kompetente anwaltliche Hilfe – erneut vorgenommen werden mit einem anderen Forderungsgrund,“ meint Röhlke.

Denn der Insolvenzverwalter teilt auch mit, welche Forderungen an der Schlussverteilung der Insolvenzmasse teilnehmen können: solche aus angemeldetem Schadenersatz. Nur hier sind die eingetretenen Verluste nicht abzuziehen und der gesamte Schaden des Anlegers per Saldo ausgleichsfähig. Da es sich um eine nachträgliche Anmeldung handelt, ist allerdings in jedem Falle eine gerichtliche Gebühr von 20,00 Euro fällig.

Zudem sind möglicherweise bereits einmal gezahlte Anwaltsgebühren für eine fehlerhafte erste Anmeldung verloren. Jedenfalls empfiehlt sich spätestens jetzt eine erneute Anmeldung für betroffene Anleger. Denn sollte der Insolvenzverwalter pflichtgemäß die Anleger zum Ausgleich der negativen Kapitalkonten auffordern, wird sich eine verteilbar Masse am Ende des Insolvenzverfahrens ergeben, an der natürlich nur diejenigen teilhaben können, deren Forderungsanmeldung wirksam und unbestritten ist. Eine automatische Korrektur der unwirksamen Anmeldung wird nicht erfolgen.

 „Wir haben in allen Fällen Schadensersatzansprüche aus Prospekthaftung und Falschaufklärung angemeldet, sodass wir von einer Berücksichtigung der Ansprüche unserer Mandanten ausgehen“, teilt Röhlke mit. Er empfiehlt allen betroffenen Anlegern, sich über die jetzige Situation kompetent anwaltlich beraten zu lassen. 


Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.