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Malte André Hartwieg und weitere Vermögenswerte aufgetaucht? Geschädigte von dima24 dürfen hoffen

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„Malte Hartwieg ist aufgetaucht“ titelte der Brancheninformationsdienst fondstelegramm (2017/18) und bezieht sich auf ein Interview mit Malte André Hartwieg in „Die Welt“ vom 02.05.2017: „Ich bin bereit, ins Gefängnis zu gehen.“

Es gibt jedoch – neben dem Umstand, dass die Staatsanwaltschaft München I bereits in ihrer Bekanntmachung vom 22.03.2017 die neue Anschrift des Herrn Hartwieg in Ungarn benannte – einige Behauptungen, welche Herr Hartwieg in dem Interview gegenüber den Herren Nagel und Neller in „Die Welt“ vom 02.05.2017 aufstellt, denen man mit einigen – angesichts des Umfangs und der Komplexität der hier vorliegenden Informationen nur wenigen ausgewählten – Fakten, aber auch Fragen entgegentreten muss:

„Weder meine Frau noch ich haben Anlegergelder aus Deutschland mitgenommen. Mein gesamtes Vermögen von etwa 1,3 Millionen Euro wurde von der Staatsanwaltschaft eingefroren. (…) Es gibt Leute, die sagen, ich hätte doch sicher etwas vergraben. Das habe ich aber nicht. Ich hatte mein Geld auf deutschen Konten.“ 

Von wo – wenn nicht aus Deutschland – hat er denn dann Anlegergelder „mitgenommen“? 

Denn, dass es eben nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Konten gab/gibt, deren Berechtigte Herr Hartwieg oder zu 100 % von Ihm oder seiner Frau kontrollierte Gesellschaften sind, weiß man spätestens seit den Sicherungsmaßnahmen in Liechtenstein, im Rahmen derer Gold-Depots („Konten“) eingefroren wurden, laufend auf Malte Hartwieg, Nitro Invest GmbH (100%-iger Alleingesellschafter und Geschäftsführer Malte Hartwieg) und Isar Palais Holding GmbH (früher dima24.de Capital Holding GmbH, Geschäftsführerin Tünde Hartwieg) mit den fortlaufenden Nummern 23145, 23146, 23147und 23148.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst“

Jenes Gold wurde mit Anlegergeldern gekauft, welche Herr Hartwieg persönlich dem Fonds (richtig der Euro Grundinvest AG als Genussrechtsgeber) entzogen haben soll. Er hatte nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Anlegergelder aus Euro Grundinvest (EGI) an die polnische NewMedia Communication überwiesen, insgesamt 15 Millionen Euro, welche i.H.v. 10 Millionen Euro auf die Gold-Depots zu seinen Gunsten flossen, um den Kaufpreis für seine EGI-Gruppe zu leisten. Im Ergebnis wollte er wohl sich selbst den Kaufpreis für EGI aus dem Geld der EGI-Genussrechte-II- Anleger zahlen.

Dass „eine der früheren Firmen“ seiner Frau für mehrere Millionen Euro Immobilien, u.a. „eine Finca in Randa, Mallorca“ kaufte, führt zu einer ergänzenden Frage:

Womit hat seine Frau so viel Geld verdient? Mit dem Männer-Spa, welches sie einst in München eröffnete, kann es nicht gewesen sein, der ursprüngliche Name der Gesellschaft Isar Palais erscheint eher aufschlussreich: dima24.de Capital Holding

Sind Anlegergelder oder sind Provisionszahlungen aus der Beteiligungsvermittlung in diese Capital Holding geflossen, um das Kapital – nunmehr für Herrn Hartwieg – zu halten?

Hieran schließt sich hinsichtlich des Verbleibs der Anlegergelder eine weitere Frage an. Auf die Frage der Herren Nagel und Neller „Wo ist das Geld heute?“ antwortet Herr Hartwieg: „Das kann präzise nur Christian Kruppa beantworten.“

Vor dem Hintergrund, dass Herr Kruppa nach hiesigem Kenntnisstand weder bei Euro Grundinvest noch bei Panthera irgendeinen Einfluss hatte, und den oben bereits beschriebenen Wegen von EGI-Gelder, nimmt man es mir sicher nicht übel, wenn ich diese Behauptung als schlichte Unwahrheit und als Ablenkungsmanöver bezeichne.

Ich nehme Herrn Hartwieg bereits nicht ab, dass er im Rahmen der seinerseits – zusammen mit Herrn Kruppa – aufgelegten Fonds (Selfmade Capital 1-7 und NCI 11, NCI 16, NCI 19) keinen Einfluss auf Mittelflüsse gehabt haben will. Aber jedenfalls bei den weiteren (Selfmade Capital 8-10, NCI 21, NCI 22, EGI, Panthera) hatte er die Kontrolle; also wo sind diese Gelder?

Wohl eher versehentlich offenbart Herr Hartwieg einen weiteren Hinweis auf sein womöglich nicht gar so lauteres Handeln: Er sagt: „Am 30. Juni 2013 platzte die Bombe. Fällige Auszahlungen in Höhe von rund 1,75 Millionen Euro für zwei Fonds blieben aus.“ 

Doch dann heißt es, über ein Jahr später, als nicht mehr nur Selfmade Capital und New Capital Invest in Schwierigkeiten waren, sondern auch EGI und Panthera immer mehr in den Focus gerieten: „Im Juli 2014 ging dann gar nichts mehr. Sie wurden festgenommen. Was genau passierte da?“ „Ich wollte bei der Sparkasse in Hamburg eine größere Summe abholen.“ Nach hiesigem Kenntnisstand wohnte Herr Hartwieg damals in Ismaning, also warum musste er „bei der Sparkasse in Hamburg eine größere Summe abholen“? War es womöglich ein Konto der „Panthera“-Gruppe, von welchem er „eine größere Summe abholen“ wollte? 

Denn ausweislich des Emissionsprospekts der seitens Herrn Hartwieg über eine Struktur von Gesellschaften gehaltenen „Panthera Asset Management Global Trading A GmbH & Co. KG“ unterhielt diese ein Konto bei der Hamburger Sparkasse. 

Und was hatte er mit dieser „größere[n] Summe“ in bar – angesichts laufender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen – vor? 

Jener Fonds und die hierzu veröffentlichten Unterlagen erscheinen als „Spitze des Eisbergs“ einer Verkaufsstrategie, mit angeblicher Sicherheit und enormen Renditen zu werben, von welcher etliche geschädigte Anleger berichten.

So heißt es in einem Kurzprospekt, die „FFT Strategy Trading Luxembourg S.A.“ sei als „Spezialist für Managed Futures“ „bereits seit zehn Jahren nachweislich erfolgreich“, es werden Gewinne erzielt, „in steigenden und fallenden Märkten“.

Angesichts der erst kurz vor Prospektaufstellung Dezember 2011 erfolgten Gründung eine zumindest irreführende Darstellung der Leistungsbilanz und Relativierung von Risiken, doch es geht weiter: „Der Investor erhält für seine Anlage eine feste, endfällige Gewinnbeteiligung von 11,6 Prozent pro Jahr. Aufgrund der hohen Gewinnbeteiligung und des Zinseszinseffekts kann so eine enorme Rendite erzielt werden. Die Kapitalrückzahlung beträgt beispielsweise nach fünf Jahren 173,11 Prozent, nach zehn Jahren bereits 299,67 Prozent und nach 20 Jahren sogar 898,02 Prozent.“ Im Prospekt ist gar von 2.691,08 Prozent nach 30 Jahren die Rede.

Vor diesem Hintergrund erscheint es scheinheilig, sich auf Risikohinweise zu berufen, jedoch waren auch diese unvollständig. Denn wenn Herr Hartwieg behauptet, „In den verbindlichen Prospekten aber waren alle Risiken benannt: hohes Risiko bis Totalverlust. Wir haben also nichts verschwiegen.“, kann nur mit einem Zitat erwidert werden: Doch! 

In einer Vielzahl von Entscheidungen bspw. des Landgerichts München und des Oberlandesgerichts München ist festgestellt worden, dass in den Prospekten seiner Fonds nachteilige Tatsachen verschwiegen werden, welche für eine Anlageentscheidung erheblich sind. 

Und selbst die Risiken, welche in den Prospekten erwähnt werden, wurden in mündlichen Gesprächen und Kurzprospekten oder Analysen nicht nur relativiert, sondern teils gar zu „Garantien“ verdreht, wie Anleger berichten.

Ich persönlich nehme Herrn Hartwieg schon nicht ab, dass er hinsichtlich der „Kapitalgarantie des Staats Abu Dhabi“ (bspw. Selfmade Capital Emirates 4) tatsächlich „noch heute daran [glaube], dass stimmte, was ich damals sagte. (…) Aber natürlich ist eine Garantie nur dann eine Garantie, wenn sich die Leute später an ihre Zusagen erinnern.“

Soll man daraus schließen, dass er – hinsichtlich des Selfmade Capital Emitrates 4 – auf eine mündliche Garantie-Zusage hin den Anlegern von dieser angeblichen „Staatsgarantie“ vorschwärmte?

Lassen wir diese Frage jedoch dahingestellt, jedenfalls gab es keine „Kapitalgarantie des Staats Abu Dhabi“, nicht wahr? 

Allenfalls eine „strukturierte Anleihe ‚Capital Protected Note‘, deren Underlying ein Bond“ eines Unternehmens ist, an dem u.a. der Staat Abu Dhabi beteiligt ist. Und auch nicht zugunsten der Anleger, sondern allenfalls zugunsten der Genussrechtsnehmerin (die Middle East-Gesellschaft des Herrn Kruppa), an welche die Anlegergelder transferiert wurden. Ist das eine der „vereinfacht[en]“Darstellungen seiner Produkte? 

Im Ergebnis überzeugt der asketische und geläuterte Auftritt nicht, zu viele Ungereimtheiten, Unwahrheiten und Unvollständigkeiten ziehen sich durch die Darstellungen des Herrn Hartwieg.

Vielleicht klappt‘s mit einem neuen Versuch, in welchem auch die Gesellschaften seiner Frau und deren Kapitalflüsse, die eigenen Kapitalverschiebungen und Weisungen an Mitarbeiter bei dima24 ebenso berücksichtigt werden, wie seine Zusammenarbeit mit „Analysten“ und das persönliche Telefon- und Analyse-Marketing mit Namen aus Western-Filmen oder gänzlich erfundenen Personen (bspw. Georg Altendorf)?

Für Anleger gibt es allerdings Hoffnung

Im Rahmen des Rückgewinnungshilfeverfahrens wurde neben oben bereits genannten und weiteren Sicherungsmaßnahmen ausweislich der Bekanntmachung der Staatsanwaltschaft München I vom 22.03.2017 auch Ende 2015 durch die Behörden des Fürstentums Monaco ein Bank- und Depotkonto einer luxemburgischen „Joint Venure“-Gesellschaft, der SPQR Capital Holding S.A., an welcher sich u.a. Herr Christian Kruppa – offenbar mit Anlegergeldern aus den Beteiligungen Selfmade Capital Emirates 5 GmbH & Co. KG und NCI New Capital Invest USA 11 GmbH & Co. KG – beteiligte, gesperrt und die dortigen Vermögenswerte gesichert.

Das Konto enthielt zum Zeitpunkt der Sperrung Vermögenswerte in Gestalt von Aktien (angeblicher Kurswert mit Stand zum 16.03.2016: 9.632.456,48 EUR) und Devisen (3.212,24 CAD).


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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