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Mann darf nicht mit zweitem Vornamen „Ivabelle“ heißen

Rechtstipp vom 12.09.2014
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Rechtstipp vom 12.09.2014
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Mann darf nicht mit zweitem Vornamen „Ivabelle“ heißen
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

„Namen sind Schall und Rauch“ – so steht es bekanntlich in Goethes „Faust“ geschrieben. Doch gelegentlich kann es, auch wenn es um Personennamen geht, zu juristischem Zündstoff kommen. Einen besonders skurrilen ebensolchen Fall hatte kürzlich die sechste Kammer des Verwaltungsgerichts Trier zu entscheiden. Der Stein des Anstoßes: Der weibliche Frauenname „Ivabelle“ – offenbar ein eher obskurer Vertreter seiner Art. Des Pudels Kern war allerdings, dass ihn sich ein Vertreter des männlichen Geschlechts wünschte – aber immerhin „nur“ als zweiten Vornamen. Das Aufhorchen seitens des zuständigen Standesamts blieb nicht aus, und der Antrag wurde flugs abgelehnt. „Ivabelle“ sei gemäß § 13 des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndG) kein zulässiger männlicher Vorname.

Namensänderung als Heilmittel gegen Liebes-Frust

Am abenteuerlichsten wirkt allerdings die Begründung für den skurrilen Namensänderungswunsch. Aufgrund eines fehlenden zweiten Taufnamens habe der Antragsteller der Namensänderung nach eigenen Aussagen unter „Sprachlosigkeit und Minderwertigkeitsgefühlen“ bei „Paarungsgesprächen“ gelitten, hierdurch erhebliche „Frustrationen“ hinnehmen müssen und sich „benachteiligt“ gefühlt. Mit der Wahl eines weiblichen zweiten Rufnamens habe er der Akzeptanz der Gleichstellung beider Geschlechter seine Wertschätzung erweisen wollen. Auch als sonderlich kompromissbereit erwies sich der Mann nicht. Den Zweitnamen „Maria“, sprich die einzige zulässige Ausnahme in seinem Fall, lehnte er ab. Dieser sei nämlich der Vorname seiner Ex-Freundin und somit nicht zumutbar. Zudem sei er nicht mit seinem Austritt aus der Kirche vereinbar.

Das VG Trier sprach ein Machtwort

Nach einem nicht von Erfolg gekrönten Widerspruchsverfahren gegen die Entscheidung des Standesamts erhob der gekränkte Mann schließlich Klage – und biss erneut schnell auf Granit. In erste Linie verwiesen die Richter auf das Nichtvorhandensein eines Rechts auf freie Abänderbarkeit des Vornamens in deutschem Recht. Zudem müsse, wer eine Namensänderung beantragt, gemäß § 3 NamÄndG triftige Grunde vorlegen. In gängiger Rechtsprechung sei eine Namensänderung ausnahmslos in den Fällen anerkannt, in denen der geänderte Name eine unerlässliche Funktion hinsichtlich der Entfaltung der religiösen oder sexuellen Identität erfülle. Derartige Gründe habe der Mann allerdings nicht vorlegen können, und sich ausschließlich auf persönliche Motive beschränkt. Die Klage sei demzufolge bereits unabhängig von der Fragestellung, ob der Name „Ivabelle“ für einen Mann zulässig sei, abzuweisen.

Quo vadis, Ivabelle?

So mancher – und mit Sicherheit auch der Urheber des gescheiterten Namensänderungswunsches – mag nun neidvoll auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schauen. Hier scheinen Vornamen wie „Star“, „Stone“, „Moon“, „Frances Bean“, „Diva Muffin“ und weitere Kuriositäten regelrecht an der Tagesordnung zu sein. Doch auch hier geht ohne die Absegnung des örtlichen Zivilgerichts nichts, wobei je nach Bundesland unterschiedliche Gesetzgebungen Anwendung finden. Es lässt sich also vermuten, dass das Anliegen des Mannes vor einem konservativen amerikanischen Gerichtshof ebenso abgeblitzt wäre. Wir raten also entschieden davon ab, übereilt ein Einwanderungsgesuch in die USA auszufüllen, und wünschen dem erfolglosen Kläger viel Erfolg beim nächsten Versuch.

(VG Trier, Urteil. v. 07.07.2014, Az.: 6 K 392/13.TR)

(JSC)

Foto : ©iStockphoto.com


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