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Mediation Chancen und Vorteile

Rechtstipp vom 19.03.2009
Rechtstipp vom 19.03.2009

Wenn ich an Mediation denke, denke ich an einen Konflikt, und was mit Konflikten passiert, wenn sie außer Kontrolle geraten. Ganz allgemein gilt erfahrungsgemäß folgendes: 

Ein Streit eskaliert, die Konfliktparteien können sich nicht mehr konstruktiv austauschen, wenigstens einer geht zu einem Rechtsanwalt und bittet um Hilfe.

Der klassische Rechtsanwalt, der gewöhnt ist, nach Gebühren abzurechnen, erfragt den Sachverhalt, subsumiert die Tatsachen unter eine oder mehrere Rechtsnormen, sucht nach geeigneten Anspruchsgrundlagen, errechnet sich einen Streitwert, schaut ob es sich für ihn und seinen Mandanten lohnt und spricht eine Empfehlung aus. Im Zweifel kommen Äußerungen wie „na, da machen Sie sich mal keine Sorgen, das kriegen wir schon hin!“ oder „…der/die wird sich noch wundern...“.

Ein Schreiben wird aufgesetzt, das mit den Worten endet „... werden daher aufgefordert bis zum ...... (Frist) zu tun oder zu unterlassen... sonst Klage...“.

 

Der Adressat ist eingeschüchtert oder aufgebracht, jedenfalls unter Druck gesetzt, zu reagieren. Das heißt, der Konflikt weitet sich zunächst aus, es gibt nicht mehr nur den eigentlichen Konflikt, sondern eine neue „Baustelle“, bestehend aus Anwalt, Druck, Klage, Gericht. Auf jeden Fall stehen Einschüchterung, Wut, Angst, Verzweiflung und die Not, zu reagieren, im Raum. Der Konflikt eskaliert erneut und bekommt eine neue Nuance dazu.

Ein eigener Anwalt wird beauftragt, der in gleicher Weise wie oben beschrieben reagiert, will er doch den Mandanten beruhigen, ihm den Konflikt abnehmen und seine Auslegung und Subsumtion des Sachverhalts aufzeigen, die einen Dritten (Richter) zu einer anderen Entscheidung führen könnte. Und im Ergebnis will er den Mandanten für sich gewinnen, will er doch Gebühren abrechnen. Ein Anwalt wird selten oder nie sagen „Keine Chance, vergiss es!“. Seine Antwort heißt im Zweifel immer „Es kommt darauf an,…“, also die Suche nach einer Möglichkeit, dem Mandanten zu seinem „Recht“ zu verhelfen.

Wir verkürzen den weiteren Verlauf,  mögliche Ergebnisse sind:

  • Eine Partei gibt auf, weil die Kosten zu hoch sind oder zu hoch werden könnten, die Übernahme der Kosten durch eine Rechtschutzversicherung versagt wird o.ä...
  • Ein Vergleich wird unter Abwägung des Prozessrisikos und ggf. aufgrund einer geäußerten „richterlichen Tendenz“ (Richter wollen im Zweifel immer einen Vergleich, da sie dann kein Urteil schreiben müssen) geschlossen.
  • Es erfolgt ein Richterspruch auf der Grundlage des Vortrags der Parteien und der erbrachten anspruchsbegründenden Beweise (also in den seltensten Fällen eine den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechende „gerechte“ Entscheidung).

Im Ergebnis bleibt es bei „Sieg und Niederlage“, „Teilsieg und Teilniederlage“, „Anwalt war unfähig“, „Richter parteiisch“...

Jedenfalls: Der Konflikt ist nicht beendet, es wurde nur entschieden, wer gegenüber wem was zu tun oder zu unterlassen hat. Es gibt eine Entscheidung über die Folgen des Konflikts, aber keine Lösung des Konflikts. Und im Zweifel erst recht keine interessensgerechte Entscheidung, sondern nur eine, die auf dem subjektiven Sachvortrag und der Beweislage (konnten Beweise erbracht werden???) basiert.

 

Bei der Mediation gilt hingegen:

Der Einzelne hat das Gefühl, seine Interessen in vernünftigem Maße durchgesetzt zu haben, und dass man den Konflikt damit auch tatsächlich unter den gegebenen Umständen einvernehmlich zur Zufriedenheit aller gelöst hat.

  • Der Konflikt wird also nicht entschieden sondern gelöst:
  • Man hat sich selber entschieden, eine einvernehmliche Lösung zu suchen, zu erarbeiten und zu vereinbaren.
  • Man hat keinem Dritten die Entscheidung überlassen, der über Sieg oder Niederlage entscheidet.
  • Es gibt nicht Sieg oder Niederlage des Einzelnen, sondern Sieg über den Konflikt und somit Niederlage des Konflikts.

Diese Tatsache und das damit einhergehende Gefühl sind unbeschreiblich und durch keinen Richterspruch zu ersetzen. Es gibt keine Einschränkungen bei der Mediationsfähigkeit eines Konflikts. Eine Einschränkung gibt es nur in Bezug auf die einzelnen Konfliktparteien und Ihre Bereitschaft/Vermögen den Konflikt zu lösen. Natürlich wird es immer Menschen geben, die einen Richterspruch brauchen, wenn auch nur, um ihr eigenes „Unrecht“ dokumentiert zu bekommen.

Aber wer nicht nur eine Entscheidung sucht, sondern eine nachhaltige Lösung eines Konflikts möchte, die ihn wieder beruhigt schlafen lässt,  wird in der Mediation einen geeigneten Weg finden, diese Ruhe und diesen Frieden zu erhalten.

 

Um diese Erkenntnis zu verbreiten und publik zu machen, ist dies ein kleiner Beitrag von mir. Er basiert auf Wissen und eine tiefe Überzeugung.

 

Max Jelinek

Mediator und Rechtsanwalt

 


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