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Mediation – Konfliktlösung statt Hokuspokus

aus dem Rechtsgebiet Mediation
Mediation – Konfliktlösung statt Hokuspokus
Der Gang zum Mediator kann sich oft lohnen.

Die Mediation ist für viele Menschen immer noch ein unbekanntes Terrain, dem sie eher skeptisch und ablehnend gegenüberstehen. Dennoch hat die Mediation viele Vorteile und wird immer häufiger in verschiedensten Bereichen zur Lösung von Konflikten und Rechtsstreitigkeiten herangezogen. Die juristische Redaktion von anwalt.de beantwortet deshalb passend zum Internationalen Tag der Mediation die wichtigsten Fragen zum Mediationsverfahren

Was ist eine Mediation? 

Begrifflich ist die Mediation zwar der Meditation sehr ähnlich, inhaltlich hat sie aber nichts mit ihr gemein. Statt Räucherstäbchen, Gong Qi und „Ommm“ werden bei der Mediation verschiedene Methoden und Techniken der Kommunikation, der Moderation sowie der Konfliktanalyse zur außergerichtlichen Lösung eines Konflikts eingesetzt. Definiert wird die Mediation als ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konflikts durch die Streitenden selbst. Ziel ist, eine interessens- und bedürfnisorientierte Lösung des gesamten Konflikts zu erreichen und sowohl das Image aller Beteiligten, als auch die zukünftige Zusammenarbeit zu bewahren. Entscheidendes Merkmal der Mediation ist dabei, dass die Streitenden gemeinsam eine eigene Lösung für ihren Konflikt entwickeln, die ihren Streit im Idealfall in eine Win-Win-Situation umwandelt. Hierbei werden sie von einem Dritten – dem Mediator – unterstützt, der selbst aber keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Verfahrens oder die Lösung des Konflikts nimmt. 

Rechtliche Einordnung der Mediation

Rechtlich gehört die Mediation zu den ADR-Verfahren. Die Abkürzung ADR stammt aus dem Englischen und steht für „Alternative Dispute Resolution“, was ins Deutsche übersetzt „alternative Streitschlichtung“ bedeutet. Man fasst deshalb mit diesem Sammelbegriff alle Verfahren zusammen, die darauf abzielen, einen Konflikt ohne Einschaltung der staatlichen Gerichte zu lösen. Hierzu gehören neben der Mediation die einfache Verhandlung über unterschiedliche Positionen oder Ansichten, die Schlichtung und das Schiedsgerichtsverfahren.

Aus rechtlicher Sicht wird der Streit bei der Mediation nicht durch das Urteil eines Richters beendet, sondern die Streitenden entwickeln selbst die Lösung ihres Konflikts. Diese Lösung wird in einer Abschlussvereinbarung festgehalten, die einen privatrechtlich bindenden Vertrag darstellt. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Rechtstipp über die rechtlichen Hintergründe der Mediation.

Wann kann eine Mediation versucht werden? 

Die Mediation kann in vielen unterschiedlichen Konfliktfeldern eingesetzt werden, wie z. B. 

  • im Familienrecht, wenn es um die Folgen einer Scheidung oder die Aufteilung des Sorgerechts geht, 
  • im Erbrecht zur Aufteilung oder Auseinandersetzung des Erbes, 
  • im Strafrecht im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs, 
  • im Baurecht bei Konflikten über Baumängel,
  • im Nachbarschaftsrecht, wenn dem Nachbarn die Musik zu laut, der Hausflur zu schmutzig und die Hecke zu hoch ist oder
  • im unternehmerischen Bereich bei Konflikten zwischen zwei Unternehmen, Gesellschaftern, zwei Abteilungen oder wenn es um Mobbing geht. 

Zu den charakteristischen Wesensmerkmalen der Mediation gehört, dass sie einen Konflikt ganzheitlich betrachtet und bearbeitet, während ein Gericht nur einzelne Fragen aus der schmalen juristischen Perspektive nach der Rechts- und Beweislage beurteilt. Die Mediation eröffnet deshalb einen Raum zur ganzheitlichen Lösung eines Konflikts, in dem nicht nur Platz für die Lösung des Gesetzes ist, sondern auch für die individuellen Persönlichkeiten der Streitenden, ihre Emotionen und Bedürfnisse, ihre Vorgeschichte, ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen und ihr jeweiliges Gerechtigkeitsempfinden. 

Der Mediation geht es weniger um die Positionen der Streitenden, sondern sie will eine Lösung finden, die Interessen aller Beteiligten verwirklicht. Die Mediation kann daher grundsätzlich bei jedem Konflikt versucht werden, eignet sich aber besonders gut bei sehr emotionsgeladenen Konflikten, wie z. B. im Familienrecht, Baurecht, Erbrecht oder in der Personalführung. Besonders erfolgsversprechend ist sie immer dann, wenn es nicht nur um die Klärung einer „einfachen“ Sachfrage geht, sondern die Sachfrage, über die vordergründig gestritten wird, nur die Spitze des Eisbergs darstellt.

Grundsätze der Mediation

Die Mediation wird von verschiedenen Grundsätzen und Prinzipien getragen, die der Mediation ihren typischen Charakter geben und sie von anderen ADR-Verfahren unterscheiden. Hierzu gehören der Grundsatz der Freiwilligkeit, die Ergebnisoffenheit, die Eigenverantwortlichkeit der Medianten, der Grundsatz der Informiertheit, die Konfliktorientierung, die Allparteilichkeit des Mediators sowie die Vertraulichkeit des Verfahrens. 

Grundsatz der Freiwilligkeit

Die Freiwilligkeit gehört zu einem der tragenden Prinzipien der Mediation, denn es lässt sich nur dann eine gemeinsame Lösung im Dialog erarbeiten, wenn alle Konfliktbeteiligten zumindest im Ansatz eine gewisse Freiwilligkeit mitbringen. Da sich niemand gerne in einem Konflikt befindet und die Mediation häufig „nolens volens“ als letzter Versuch gesehen wird, den Streit „im Guten“ beizulegen, kann gerade am Anfang des Verfahrens nicht die Rede davon sein, dass die Parteien freiwillig an der Mediation teilnehmen. Der Grundsatz der Freiwilligkeit meint deshalb nicht, dass sich die Medianten aus freien Stücken ohne jeglichen Zwang für die Mediation entscheiden, sondern er bezieht sich vielmehr auf ihre Grundhaltung. Sie dürfen sich nicht mit Händen und Füßen gegen die Mediation und den Mediator wehren, sondern müssen dafür offen sein, sich auf das Verfahren einzulassen, offen über ihre Gedanken, Probleme, Ängste, Ziele, Emotionen, Erwartungen und Wünsche zu sprechen und ihr Problem selbstbestimmt zu lösen. Diese Offenheit kann sich zwar auch erst im Laufe des Mediationsverfahrens entwickeln, zum Prinzip der Freiwilligkeit gehört aber auch, dass jeder Beteiligte die Mediation jederzeit abbrechen kann.   

Grundsatz der Ergebnisoffenheit

Das Prinzip der Ergebnisoffenheit besagt, dass es ein feststehendes Ergebnis für den Ausgang des Mediationsverfahrens nicht gibt. Daher ist die Mediation nicht anwendbar, wenn von Anfang an feststeht, dass eine Partei nur einen bestimmten Ausgang akzeptieren wird. Eine wichtige Voraussetzung der Mediation ist daher, dass die Parteien ergebnisoffen in die Mediation gehen, denn nur bei Ergebnisoffenheit sind die Parteien in der Lage, miteinander zu verhandeln und sich auf den jeweiligen Gegenüber einzulassen. Das heißt, in der Mediation müssen die Streitenden offen sein, Lösungsmöglichkeiten zu finden, an die vor der Mediation noch niemand gedacht hat und die vielleicht ganz anders sind als die jeweilige Vorstellung der Partei von einer Lösung. 

Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit 

Nach dem Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit liegt die Verantwortung für die Konfliktlösung vollständig bei den Konfliktparteien selbst. Sie sind die Experten ihres eigenen Konflikts und wissen deshalb am besten, wie der Konflikt entstanden ist, welche Faktoren in ihrem Konflikt eine Rolle spielen oder gespielt haben, was sie eigentlich wollen und wie ihr Konflikt sich lösen lässt. Es ist deshalb in der Mediation nach dem Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit Aufgabe der Medianten, die Lösung für ihren Konflikt zu entwickeln und darauf zu achten, dass ihre persönlichen Interessen in der Lösung gewahrt sind.  

Grundsatz der Informiertheit 

Das Prinzip der Informiertheit besagt, dass alle an der Mediation beteiligten Parteien über alle entscheidungserheblichen Tatsachen sowie über die derzeitige Rechtslage umfassend informiert sind. Es müssen deshalb in der Mediation alle Informationen, Tatsachen und Belege, die für die Lösung des Konflikts erheblich sind, offengelegt werden. Nur so kann eine dauerhafte und somit endgültige Konfliktbeilegung gewährleistet werden. Stimmt einer der Medianten der Abschlussvereinbarung aufgrund von Falsch- oder Nichtinformationen zu, wird sie sich im Nachhinein nicht an diese nicht gebunden fühlen und der Konflikt würde erneut aufleben.

Grundsatz der Konfliktorientierung

Nach dem Grundsatz der Konfliktorientierung ist die Mediation ein dynamisches Verfahren, das sich immer nach dem individuellen Konflikt richtet. Die Mediation ist deshalb zwar ein strukturiertes Verfahren, die Struktur selbst ist aber nicht starr vorgegeben, sondern wird vom Mediator immer auf den jeweiligen Konflikt angepasst. Das bedeutet, dass der Mediator eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, Methoden und handwerklicher Grundlagen kennt, diese aber immer bezogen auf den jeweiligen Konflikt einsetzt. 

Grundsatz der Allparteilichkeit

Der Mediator ist in seiner Rolle als Vermittler allparteiisch. Allparteilichkeit geht über eine einfache Neutralität hinaus und bedeutet, dass der Mediator auf der Seite jeder Partei steht. Der Mediator ist damit den Sichtweisen und Interessen jeder Partei gleichermaßen verpflichtet. Dies ist besonders wichtig in Mediationen mit großen Machtgefällen oder wenn nicht alle Beteiligten an der Mediation teilnehmen. Letzteres ist z. B. häufig bei Familienmediationen der Fall, wenn es beispielsweise um das Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht für die gemeinsamen Kinder geht. Die Kinder sind hier zwar maßgeblich mitbetroffen, nehmen aber zu ihrem eigenen Schutz oft nicht an den Mediationssitzungen teil, vor allem, wenn die Beziehung zwischen den Eltern hochemotional ist. Hier ist es nach dem Grundsatz der Allparteilichkeit die Aufgabe des Mediators, immer wieder auf die Interessen der Kinder einzugehen und darauf hinzuwirken, dass die Eltern die Paarebene von der Elternebene trennen, um sachbezogen im Interesse der Kinder zu einer optimalen Lösung gelangen zu können. 

Grundsatz der Vertraulichkeit

Zu den absoluten Kernpunkten der Mediation gehört auch der Grundsatz der Vertraulichkeit. Dieser Grundsatz besagt, dass alles in der Mediation Thematisierte und Besprochene in der Mediation bleibt und nicht weiterverwendet werden darf. Die absolute Vertraulichkeit von Mediator und Medianten gibt den Streitenden die Sicherheit, die Karten im Verfahren offen auf den Tisch legen zu können und über alle relevanten Punkte offen zu sprechen. Sie ist deshalb zusammen mit dem Grundsatz der Freiwilligkeit und Offenheit die Basis, auf der jede Mediation aufbaut. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können alle Hintergründe des Konflikts herausgearbeitet, der Konflikt in all seinen Facetten analysiert und der Raum für eine interessensgerechte Lösung geschaffen werden. 

Wie läuft eine Mediation ab?

Die Mediation durchläuft verschiedene Phasen, wobei unter den Mediatoren über die genaue Anzahl der Phasen keine Einigkeit besteht. Abhängig vom Mediator wird es sich um drei bis sieben Phasen handeln, wobei die Grundstruktur die gleiche ist. Die Unterscheidung ergibt sich in der Regel dadurch, dass der eine Mediator zwei inhaltliche Aspekte in zwei Phasen behandelt und der andere diese zu einer Phase zusammenfasst. Zu den möglichen Phasen der Mediation gehören eine Phase der Eröffnung, der Bestandsaufnahme, der Bearbeitung verschiedener Konfliktfelder, der Suche nach Lösungsoptionen, ihrer Bewertung und des Abschlusses einer Abschlussvereinbarung. Diese Phasen geben der Mediation einen äußerlichen Rahmen, der dann individuell auf den konkreten Konflikt angepasst wird. 

Rolle des Mediators

Im Gegensatz zum Schlichter oder Richter bringt sich der Mediator selbst nicht in den Konflikt ein, er nimmt keine Bewertungen vor, er macht keinen Lösungsvorschlag und fällt erst recht keine Entscheidungen oder Urteile. Seine Aufgabe besteht einzig und allein in der Strukturierung und Leitung des Verfahrens. Der Mediator ist verantwortlich für den Mediationsprozess, für die Strukturierung der Gespräche und für die Lenkung der Kommunikation weg von nicht zielführenden Diskussionen hin zu den wahren Interessen der Streitenden. Er sorgt dafür, dass die Medianten miteinander reden, dass sie einander zuhören, Verständnis für die andere Seite entwickeln und gemeinsam eine Lösung des Konflikts erarbeiten können. Die Aufgabe des Mediators besteht damit darin, die Medianten dabei zu unterstützen, sich in ihren wirklichen Interessen und Bedürfnissen zu verstehen und so einen Raum zu schaffen, in dem Ideen und Lösungen entwickelt werden können, die vorher keiner für möglich gehalten hätte. In vielen Konflikten stellt die Kommunikation zugleich die Ursache als auch die Lösung des Konflikts dar. Der Mediator ist dafür zuständig, gerade diese Kommunikation zwischen den Streitenden zu fördern und wieder entstehen zu lassen.  

Dauer & Kosten einer Mediation

Wie lange eine Mediation dauert, hängt vom individuellen Konflikt, dem Gegenstand des Konflikts und den Streitenden selbst ab. So individuell wie der Konflikt selbst, so individuell ist auch die Mediation und damit ihre Dauer. Es gibt deshalb Mediationen, die bereits nach zwei, drei Sitzungen oder einem Tag erfolgreich beendet sind, und Mediationen, die sich um mehrere Wochen hinziehen, weil viele Sitzungen erforderlich sind, um den Konflikt zu erforschen und den Raum für eine kreative Lösungsfindung zu schaffen. Trotzdem ist die Mediation in der Regel deutlich schneller als ein Gerichtsprozess. 

Die Kosten der Mediation richten sich meist nach Stunden- oder Tagessätzen und hängen somit davon ab, wie viele Sitzungen oder Tage erforderlich sind. Welchen Stunden- oder Tagessatz man bezahlen muss, hängt vom Mediator ab. Einheitliche Vorgaben gibt es hier nicht. Es gibt aber viele Rechtsschutzversicherungen, die Mediation mittlerweile als Teil ihrer Versicherungsleistungen anbieten. Je nach Ausgestaltung der Versicherungsbedingungen wird die Kostenübernahme an bestimmte Voraussetzungen geknüpft oder auf einen bestimmten Betrag begrenzt. Es gibt z. B. Rechtsschutzversicherungen, die nur eine festgelegte Anzahl von Mediationssitzungen zu einem festen Stundensatz oder einen bestimmten Höchstbetrag pro Jahr übernehmen. 

Vorteile der Mediation gegenüber einem Gerichtsverfahren

Gegenüber einem Gerichtsverfahren hat die Mediation als alternatives Verfahren einige Vorteile. Sie ist in vielen Fällen nicht nur zeitsparender und schonender für den Geldbeutel, sondern bietet daneben die Chance, eine nachhaltige Lösung zu entwickeln, die am Ende beide Seiten gewinnen lässt. Während der Richter im Gerichtsprozess auf einzelne Sachfragen sowie die Gesetzes- und Beweislage beschränkt ist, kann der Mediator den ganzen Konflikt betrachten und andere Aspekte, wie die Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse, mit einbeziehen. 

Im Gegensatz zum Gerichtsverfahren wird der Konflikt nicht in fremde Hände gegeben, sondern bleibt bis zum Schluss in den Händen der Streitenden. Sie selbst entscheiden, wie die Lösung aussieht und können dabei alle Aspekte ihres Konflikts in die Lösung miteinbeziehen. Die selbst erarbeitete Lösung macht am Ende aus dem Konflikt zwei Gewinner statt wie der Richter zwei Verlierer. Der Richter kann –bezogen auf bestimmte Sachfragen – ein letztes Wort sprechen und für Rechtsklarheit sorgen. Gelöst ist der Konflikt damit aber nicht zwangsläufig und häufig hat man als Prozessgewinner meist einen guten Freund oder Geschäftspartner verloren. Nach einer Mediation hingegen können beide Seiten sich meist noch oder wieder in die Augen und vielleicht sogar in eine gemeinsame Zukunft schauen. 

Fazit: Mediation ist weder Hokuspokus noch ein Allheilmittel, sondern ein Konfliktlösungsverfahren, das die Chance eröffnet, Konflikte ohne die Einschaltung eines Gerichts zu lösen und Zeit, Geld und Nerven zu sparen. 

(THE)

Foto : ©iStockphoto.com/tonymelony


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