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Mieter darf auf einem Balkon keinen Baum anpflanzen

  • 2 Minuten Lesezeit

Das Amtsgericht München hat in einem am 24.02.2017 veröffentlichen Urteil entschieden, dass die Anpflanzung eines Ahornbaumes auf einem Balkon in einer Münchner Mietwohnung nicht zur vertragsgemäßen Nutzung der Wohnung gehört (Urt. d. AG München v. 01.07.2016, Az.: 461 C26728/15).

Der Mieter hielt auf seinem Balkon zunächst einen kleinen Bergahorn. Die Pflanze wurde in den letzten Jahren immer größer, bis es ein „richtiger“ Baum wurde. Der Baum wurde schließlich zu groß für den Holzkasten und wurde daher auf den Balkonboden aus Beton „umgepflanzt“ – gemeinsam mit dem Erdreich.

Der Vermieter forderte den Mieter mehrfach auf, den Baum zu beseitigen. Der Mieter kam der Aufforderung nicht nach, sodass der Vermieter den Mieter auf Beseitigung des Baumes verklagte. Der Fall landete vor dem Amtsgericht München.

Das Amtsgericht München entschied, dass der Baum vom Mieter beseitigt werden muss. Die Bepflanzung des Balkons mit Bäumen gehört nicht zur vertragsgemäßen Nutzung eines Balkons in einer Münchener Wohnung. Ein Ahorn kann einen Stammdurchmesser bis zu einem Meter haben, sodass diese Baumart zur Haltung auf einem Balkon ungeeignet ist. Das Argument des Klägers, dass es in anderen Städten üblich sei, Bäume auf Balkonen zu halten, ließ das Gericht nichtgelten – es komme ausschließlich auf die örtlichen Verhältnisse an. In München seien Ahornbäume auf Balkonen für gewöhnlich nicht anzutreffen, weswegen auch dieser Baum zu entfernen sei. Von einem solchen Baum gehe die Gefahr aus, dass dieser umstürzt. Der Mieter befestigte den Baum zwar durch Stahlketten an der Hauswand, aber auch dieses Argument ließ das Gericht nicht gelten – Eine solche Konstruktion sei ein rechtswidriger Eingriff in die Bausubstanz des Gebäudes.

Der Kläger legte gegen das Urteil zwar Berufung zum Landgericht München I ein, jedoch sah auch das Landgericht München I die Sache nicht anders, als das Amtsgericht München (LG München I, Beschl. v. 08.11.2016). Ein Bergahorn, der nach Recherchen des Landgerichts bis zu 40 Meter(!) hoch werden kann, findet nach der Begründung des Landgerichts seine Verwendung hauptsächlich als Garten-, Straßen-, Park- oder Waldbaum – nicht jedoch als eine Balkonbepflanzung.

Das Urteil ist rechtskräftig, der Mieter muss den Baum also vom Balkon entfernen. Nicht bekannt ist, ob es in der näheren Umgebung der Wohnung eine Möglichkeit gibt, den Baum in die Erde außerhalb des Balkons einzupflanzen. Der Mieter hätte so immerhin die Möglichkeit, sich weiterhin am Baum zu erfreuen – nur eben nicht auf dem Balkon der Mietwohnung.



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