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Mit dem Flugzeug zum Vorstellungsgespräch?

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Sandra Voigt anwalt.de-Redaktion

[image]Reist ein Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch mit dem Flugzeug an, kann er die Flugkosten grundsätzlich nicht vom potenziellen Arbeitgeber erstattet verlangen.

Wer sich deutschlandweit bewirbt, hat größere Chancen, schnell eine Beschäftigung zu finden. Doch zuerst muss man den potenziellen Arbeitgeber in mindestens einem Vorstellungsgespräch von sich überzeugen. Die Vorstellungskosten - z. B. Fahrtkosten - kann der Bewerber dann aber erstattet verlangen, sofern sie tatsächlich erforderlich waren.

Arbeitgeber soll Flugkosten ersetzen

Ein Arbeitgeber in Düsseldorf suchte einen Mitarbeiter, auf den sich ein Arbeitssuchender aus Hamburg bewarb. Er wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und reiste mit einem Flugzeug an. Nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass er nicht eingestellt wird, verlangte der Bewerber die ihm entstandenen Vorstellungskosten - unter anderem Flugkosten von über 400 Euro - vom Arbeitgeber zurück. Als dieser die vollständige Übernahme des geforderten Betrages verweigerte, zog der Arbeitssuchende vor Gericht.

Flugkosten waren nicht erforderlich

Das Arbeitsgericht (ArbG) Düsseldorf war der Ansicht, dass der Arbeitgeber die Flugkosten nicht nach § 670 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) erstatten muss. Zwar hat ein Arbeitgeber grundsätzlich die Aufwendungen eines Bewerbers zu ersetzen. Das gilt aber nur, wenn die Kosten tatsächlich erforderlich waren, um das Vorstellungsgespräch wahrnehmen zu können.

Die Stelle war aber nicht bedeutend genug - anders vielleicht bei einer Bewerbung als Geschäftsführer -, um die teuren Flugkosten zu rechtfertigen. Auch ist es eher unüblich, dass Bewerber per Flugzeug zu einem Vorstellungsgespräch anreisen. Im Übrigen hätte der Arbeitssuchende den Arbeitgeber vor der Platzreservierung fragen können, ob die Kosten übernommen werden. Eine derartige ausdrückliche Vereinbarung wurde jedoch nicht getroffen, sodass der Bewerber auf den Flugkosten sitzenbleibt.

(ArbG Düsseldorf, Urteil v. 15.05.2012, Az.: 2 Ca 2404/12)

(VOI)

Foto(s): ©Fotolia.com

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