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Neuer „Schuldneratlas“: Normalverdiener überschulden sich! Was tun?

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Vor wenigen Tagen kam der neue „Schuldneratlas“ heraus. Treffende Bezeichnung für eine Statistik, die Auskunft über Menschen in finanziellen Notlagen gibt, übrigens. „Atlas“, so hieß in der griechischen Mythologie ja ein Titan, der nicht weniger als den Erdball stützte. Und wer verschuldet ist, der oder die fühlt sich schließlich oft so niedergedrückt, als laste die ganze Welt auf einem. Dann sind wahrlich übermenschliche Kräfte gefragt. Ob der Herausgeber des Schuldenatlasses, das Inkassounternehmen Creditreform, in diese Richtung gedacht hat? Immerhin, seine vielbeachtete Statistik deckt sich mit meinen Erfahrungen aus der Kanzlei:

  • Am stärksten von Überschuldung betroffen sind inzwischen Leute aus der Mittelschicht.
  • Neben Arbeitslosigkeit treten als Gründe für Überschuldung immer häufiger Erkrankungen, Suchtprobleme und eine zu nachlässige Haushaltsführung auf.
  • Die Überschuldung von älteren Personen nimmt rasant zu.

Überschuldet sein, das heißt, die Ausgaben sind dauerhaft höher als die Einnahmen. Dies passierte bislang am häufigsten sogenannten Gering-Verdienern, die mit ihrem wenigen Geld verständlicherweise oft nicht auskommen. Und (ja, tatsächlich) Wohlhabenden, die einfach keinen Überblick über ihre Finanzen haben bzw. diesen manchmal auch gar nicht für nötig halten. In letzter Zeit jedoch sind verstärkt auch sogenannte Normalverdiener betroffen, was erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Denn bei ihnen gelten Schulden als besonderer Makel. Sie bemühen sich deshalb, die Situation still in den Griff zu bekommen. Was dazu führt, dass sich ihre Schulden meist nur sehr schleppend abbauen und über viele Jahre belasten, die Rückstände verursachen Frust, häufig auch Krankheiten, Suchtprobleme und dadurch – neue Rückstände. Werden die dann sogar ins Alter mitgenommen, ist das ursprüngliche Problem lediglich vertagt worden, mit gehörigen Nebenwirkungen. (Von älteren Personen spricht die Statistik bei allen ab fünfzig Jahren.) Welche Wege gibt es also aus dieser Falle?

Ursachenanalyse – gründlich und ehrlich! Woher kommen die Schulden, war / ist ihr Grund für mich wirklich nötig? Sind sie mit den aktuellen Einnahmen in überschaubarer Zeit tatsächlich tilgbar? Ist die Situation unübersichtlich, empfiehlt es sich, hierfür die Hilfe einer Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

Schuldenreduzierung – gibt es Möglichkeiten, die Schulden sofort zu verringern? Zum Beispiel, indem das Auto verkauft wird, belastende Verträge gekündigt und Einigungen über Reduzierungen mit den Gläubigern vereinbart werden. Achtung: Gemeint sind hier nicht nur geringere Raten, es muss unterm Strich weniger stehen!

Einnahmeverbesserungen – Bestehen Aussichten, parallel die laufenden Einnahmen zu erhöhen? Wie lange ist die letzte Gehaltserhöhung her, kann vielleicht ein Zimmer vermietet werden, ist jemand bereit (Familie, Freunde, Arbeitgeber) bei der Schuldentilgung zu helfen? Auch hier sollte jede Möglichkeit ausgelotet werden.

Führt dies alles zu keiner Verbesserung, bleibt ein Weg, der unpopulär ist: Die Privatinsolvenz (korrekt: Verbraucherinsolvenzverfahren). Sie hat zu Unrecht ein schlechtes Image, ist sie doch das einzig effektive Mittel, um Schulden in einem überschaubaren Zeitraum von regulär sechs Jahren tatsächlich loszuwerden. In der Praxis sind es unter bestimmten Bedingungen übrigens oft nur fünf, bzw. drei Jahre (mehr zum Thema auf der Kanzleihomepage). Wer Arbeit hat, dem bleibt während der sogenannten Wohlbehaltungsphase meist mehr zum Leben, als er oder sie beim Abtrag des Schuldenberges übrighätte. Und wer ohne Arbeit ist, wohlmöglich sogar mit Hartz IV auskommen muss, der oder die sollte sowieso nicht daran denken, sich zusätzlich mit Raten zu belasten. Auch das zählt nebenbei zu den Vorteilen der Privatinsolvenz: Vielen fällt dieser Schritt zunächst schwer, sobald dann aber alles in die Wege geleitet ist, fühlen sich die meisten von einer immensen Last befreit. Endlich gibt es wieder Klarheit, Struktur und berechtigte Hoffnung. Deshalb möchte ich dazu ermuntern, bei starker Verschuldung über diesen Schritt ernsthaft nachzudenken. Damit der Titan in uns recht bald wieder aufrecht stehen kann.

Gern berate ich persönlich!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Fachanwalt für Insolvenzrecht Gerhard Rahn


Rechtstipp vom 14.11.2017
aus den Rechtsgebieten Insolvenzrecht, Sozialrecht

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            Rechtsanwalt Gerhard Rahn Rechtsanwalt Gerhard Rahn

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