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Nicht auf defekten oder beschädigten Möbeln sitzenbleiben

aus dem Rechtsgebiet Kaufrecht

Gelegentlich kommt es vor, dass zum Kunden gelieferte Möbel nach dem Auspacken oder aber bereits nach relativ kurzer Nutzungsdauer Schäden, technische Defekte oder beispielsweise auch qualitativ vollkommen minderwertig erscheinende Bezüge aufweisen.

Für Betroffene stellt sich dann die Frage, wie sie sich am besten verhalten können, wenn etwa die Klappmechanik der Couch schon wenige Wochen nach dem Kauf kaputtgeht, die Bezüge nach drei Monaten ungewöhnlich verblasst sind oder sich ganze Nähte der neuen teuren Ledergarnitur einfach auflösen.

Übergebene Möbel müssen mangelfrei sein

Bei einem Möbelkauf ist hinsichtlich des Zustands grundsätzlich der Zeitpunkt der Übergabe an Sie maßgebend. Zu dem Zeitpunkt, an dem Sie Ihre Möbel übergeben bekommen, müssen die guten Stücke im Fall von Neuware in jedem Fall in einem einwandfreien Zustand sein.

Doch auch wenn sich Mängel erst nach einiger Zeit zeigen sollten, bestehen für Verbraucher regelmäßig noch sehr gute Chancen, den Verkäufer direkt und wirkungsvoll in die Pflicht zu nehmen, sodass häufig sogar mit guter Aussicht auf Erfolg ein kompletter Austausch gegen Neuware verlangt werden kann. Denn Privatpersonen kommt regelmäßig eine im Gesetz geregelte Besonderheit, die sogenannte Beweislastumkehr, zugute:

Zeigen sich innerhalb von sechs Monaten nach Übergabe des Möbelstücks Schäden, Fehler, Defekte usw., dann wird gesetzlich vermutet, dass Ihr Zweisitzer, Ihr Sessel oder auch Ihre Schlafcouch schon am Tag der Übergabe an Sie diesen Mangel aufwies, sodass der Händler nachbessern muss. 

Das Gesetz erleichtert es Ihnen also innerhalb von sechs Monaten enorm, dem Verkäufer die Lieferung mangelhafter Ware notfalls in einem Rechtsstreit nachweisen zu können. Aber selbst nach Ablauf von sechs Monaten gilt: Händler haften bei Neuware bis zu zwei Jahre für die Mangelfreiheit Ihrer Möbel am Tag der Übergabe an Sie.

Das wissen auch die Verkäufer im Regelfall, sodass sich ein Gerichtsverfahren meist gut vermeiden lässt.

Dennoch müssen Sie grundsätzlich damit rechnen, dass Verkäufer versuchen könnten, Mängel kleinzureden oder diese unberechtigt auf Ihr angeblich fehlerhaftes Verhalten zu schieben. Denkbar ist auch, dass ein Händler sehr freundlich am Telefon ist und zusichert, dass er sich kümmere; dann aber einfach überhaupt nichts geschieht.

Nicht gleich aufgeben und nachweisbar Kontakt aufnehmen

Daher empfiehlt es sich, von Anfang an nachweisbar, das heißt schriftlich, zu kommunizieren. Briefe und E-Mails haben allerdings den gravierenden Nachteil, dass man deren Eintreffen beim Empfänger nicht ohne weiteres nachweisen kann. Auch wenn es heutzutage überrascht: Das Faxgerät leistet hier und von den Gerichten allgemein gut akzeptiert hervorragende Dienste.

Schreiben Sie Ihren Händler also per Brief an und versenden diesen vor dem Einwerfen in den Briefkasten zusätzlich per Fax.

Wenn Sie selbst kein Faxgerät besitzen, kann dies womöglich in einem Büro eines Bekannten oder auch in einem Kopierladen um die Ecke erledigt werden. Wichtig ist, dass Sie den Sendebericht des Faxes gut aufheben. Die nötige Faxnummer erfahren Sie sehr häufig direkt aus dem Impressum der Internetseite Ihres Händlers.

Mängel aufzeigen und Nacherfüllung verlangen

Schildern Sie dem Händler schriftlich, welche Probleme mit Ihren Möbel bestehen, wann genau Sie was und zu welchem Preis gekauft haben und dass Sie „Nacherfüllung“ verlangen. 

Der Händler hat nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, sich zunächst darum zu bemühen, die Probleme erfolgreich zu beseitigen. Diese Problembeseitigung in Form von Neulieferung oder auch Reparatur wird rechtlich „Nacherfüllung“ genannt. 

Erst wenn eine Nacherfüllung fehlschlägt oder aber auch von Ihrem Händler abgelehnt wird, ist der Weg für weitere rechtliche Schritte – wie zum Beispiel das Verlangen von Schadensersatz oder auch etwa ein Rücktritt vom Kaufvertrag – regelmäßig problemlos möglich. 

Da der Händler allerdings auch ein Recht zur Nacherfüllung hat, sollten Sie sich davor hüten, etwaige Probleme gleich selbst oder durch Dritte zu beseitigen. All dies sollte erst angedacht werden, wenn von dem Händler zunächst eine Nacherfüllung verlangt wurde, diese aber nicht erfolgreich verläuft, abgelehnt wird oder wenn der Händler trotz Fristsetzung überhaupt nicht reagiert. Andernfalls verlieren Sie im schlechtesten Fall Ihre Rechte gegen den Händler und bleiben womöglich auch noch auf Reparaturkosten sitzen.

Setzen Sie Ihrem Händler eine Frist

Setzen Sie dem Verkäufer Ihrer Möbel eine Frist. Bei manchen Möbeln könnte allerdings der Händler schon einige Zeit benötigen, um Ersatz liefern zu können, sodass Sie die Frist besser zunächst bezogen auf eine erste Antwort setzen sollten.

Das könnte zum Beispiel nach einer genauen Schilderung der Probleme dann so aussehen:

„Für Ihre Antwort zur näheren Abstimmung der Mängelbeseitigung und Nacherfüllung, die ich hiermit einfordere, setze ich Ihnen eine Frist bis zum (Datum)“ – zwei Wochen reichen im Regelfall aus. 

Wählen Sie das Datum so, dass der Empfänger zwei Wochen ab Erhalt Zeit hat, zu antworten, bevor das von Ihnen dort genannte Datum erreicht wird.

Wenn Sie eine Frist gesetzt haben und Sie keine oder keine angemessene Antwort erhalten haben, kann ein Händler auch verpflichtet sein, Ihnen die Rechtsanwaltsgebühren zu erstatten, die für Ihre Beratung und die weitere Rechtsdurchsetzung entstehen.

Neuware statt Reparatur verlangen

Was viele nicht wissen: Häufig – aber nicht immer – können Sie bei Mängeln sogar direkt im Austausch Neuware geliefert verlangen, sodass Sie sich längst nicht immer nur mit einer Reparatur abgegeben müssen, wenn Ihre Beanstandungen grundsätzlich berechtigt sind.

Haben Sie Fragen?

Details Ihres Falls – beispielsweise zum Vorgehen bei ratenfinanzierten Möbeln – lassen sich unkompliziert und kostentransparent persönlich, telefonisch oder auch per E-Mail klären. 

Rufen Sie mich einfach an oder schreiben Sie mir, ich bin bundesweit tätig und gern für Sie da.

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

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            Rechtsanwalt Dipl.-Jur. Tobias Mai Rechtsanwalt Dipl.-Jur. Tobias Mai

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