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Nur Fliegen ist schöner

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Nur Fliegen ist schöner
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Weswegen würden Sie die Dienste der Lufthansa in Anspruch nehmen? Die meisten unter uns würden auf diese Frage sicherlich eine Flugreise von A nach B als Grund nennen. Ein besonders findiger Zeitgenosse aus München hatte jedoch einen anderen Einfall. Statt eines Aufenthalts im beengten Bauch einer überfüllten Flugmaschine verlangte es ihm eher nach ein paar gemütlichen Stunden bei opulenter Bewirtung.

Die „Lufthansa Business Lounge“ als Land, wo Milch und Honig fließen

Die Lufthansa setzt voll auf Business-Kundenfreundlichkeit und bietet in etlichen Flughäfen komfortabel eingerichtete „Business Lounges“ an. Und besagte Einrichtung hatte es oben genanntem Münchener offenbar sehr angetan. Er erwarb ein flexibles One-Way-Business-Class-Ticket von München nach Zürich im Wert von 745 Euro. Dieses ermöglicht dem Inhaber, den reservierten Flug nach dem Einchecken bei Bedarf kostenlos umzubuchen. Ein weiterer Bonus ist der freie Zugang zur „Lufthansa Business Lounge“ für die Dauer des Tags des gebuchten Fluges.

Warum das Nützliche, wenn man auch das Angenehme haben kann?

Anschließend ging der findige Lufthansa-Kunde folgendermaßen vor: Nach dem Einchecken tat er sich am opulenten Service der „Lounge“ gütlich – inklusive kostenlosem Büfett zu jeder Tageszeit sowie freier Nutzung der Dusch- und Konferenzräume. Als er sich ausreichend versorgt fühlte, stornierte er sein Ticket und ließ es umbuchen. So verschaffte er sich insgesamt 36 Mal einen entspannenden Aufenthalt im luxuriösen Business-Wartebereich der Lufthansa. Und das alles, ohne nur ein einziges Mal einen Jet der Airline zu betreten.

Ladies und Gentlemen, wir heben nicht ab

In der Tat hatte der Fan opulenter Bewirtung ein offensichtliches Schlupfloch gezielt ausgenutzt. Denn ein Limit bezüglich der möglichen Zahl an Umbuchungen gibt es für das flexible Business-Class-Ticket der Lufthansa nicht. Der Münchener befand sich so auf dem besten Wege zu einer glanzvollen Karriere als professioneller Business-Lounge-Fläzer. Schließlich kam ihm der Flugkonzern allerdings auf die Spur. Beim Versuch, seine siebenunddreißigste Umbuchung vorzunehmen, stellte ihm die Airline einen Betrag von 1980 Euro in Rechnung – sprich, 55 Euro für jeden einzelnen Lounge-Besuch.

Eine Bauchlandung vor Gericht

Als sich der pikierte Büfettliebhaber weigerte, zu zahlen, oblag es dem Amtsgericht München, über den Fall zu entscheiden. Der Lounge-Experte sah sich natürlich im Recht, stand mit besagter Meinung jedoch allein da. Das AG München entschied zugunsten der Lufthansa – durch das permanente Umbuchen des Fluges habe der Lounge-Dauergast es der Airline nicht ermöglicht, ihre vertragliche Leistung zu erbringen. Somit habe er sich einen Verstoß gegen die allgemeine Treuepflicht zuschulden kommen lassen. Es scheint daher wahrscheinlich, dass der gebeutelte Liebhaber kostenloser Luxus-Serviceleistungen den opulenten Business-Wartebereich der Lufthansa so schnell nicht mehr betreten wird.

Not the Only Way to Not Fly

Doch man sollte den findigen Lounge-Fan nicht vorschnell als dreisten Schmarotzer abstempeln. Möglicherweise war der Grund für die gesamte Episode ja eine akute Klaustrophobie seinerseits, die ihm das Reisen im engen Airbus immer im letzten Moment unmöglich machte? Eventuell lohnt es sich hier, beim nächsten Mal nach einem Fliegenden-Teppich-Dienst Ausschau zu halten, denn hier stellt sich besagtes Problem bekanntlich nicht. Wir wünschen jedenfalls besseres Gelingen bei der Inangriffnahme des nächsten „Flugprojekts“!

(AG München, Urteil. v. 27.02.2014, Az.: 213 C 31293/13).

(JSC)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 07.07.2014
aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Reiserecht

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