Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Online-Bewerbungsformular darf nach Geburtsdatum fragen: BAG: Angabe ist nicht altersdiskriminierend

(2)

Die Frage nach dem Geburtsdatum in einem Online-Bewerbungsformular stellt bei einer freiwilligen Angabe keine Altersdiskriminierung dar. Die Auswahl zwischen „Herr“ und „Frau“ darf zur korrekten Anrede des Bewerbers sogar verpflichtend erfragt werden und ist nicht als Diskriminierung wegen des Geschlechts anzusehen, entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt in einem aktuell veröffentlichten Urteil vom 15.12.2016 (Az.: 8 AZR 418/15).

Damit erhält eine aus Russland stammende, deutsche Stellenbewerberin keine Diskriminierungsentschädigung von einer Software-Firma. Ihr Studium in Russland wurde in Deutschland mit einem Diplom-Fachhochschulstudium in Informatik gleichgesetzt. Sie erlangte zudem Berufserfahrung als Programmiererin und Software-Entwicklerin.

Am 26.06.2013 bewarb sie sich auf eine Stelle als „Android-Software-Entwickler (m/w)“. Geboten wurde laut Ausschreibungstext eine Zusammenarbeit mit „engagierten, freundlichen Kollegen“. Die Frau füllte für die gewünschte Stelle ein Online-Bewerbungsformular aus. Das Feld für die freiwillige Angabe ihres Geburtsdatums ließ sie leer. Verpflichtend war die Angabe „Herr“ oder „Frau“. Auch Deutschkenntnisse wurden standardisiert, wie „Deutsch Muttersprache“, abgefragt. Die Bewerberin gab „Deutsch fortgeschritten“ an.

Als sie eine Absage erhielt, fühlte sie sich wegen ihres Alters, ihres Geschlechts und ihrer Herkunft diskriminiert. Es sei ein viel jüngerer, männlicher Bewerber eingestellt worden, der noch nicht einmal über ein entsprechendes Hochschulstudium verfüge. Die Frau verlangte eine Diskriminierungsentschädigung in Höhe von mindestens 10.000 Euro.

Doch sowohl vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg als nun auch vor dem BAG hatte die Bewerberin keinen Erfolg. Eine Diskriminierung wegen des Geschlechts, des Alters oder der Herkunft habe sie nicht dargelegt. Die Zusammenarbeit mit „Kollegen“ sei vor dem Hintergrund der Stellensuche „Android-Software-Entwickler (m/w)“ geschlechtsneutral zu sehen. Die Abfragen „Herr“ und „Frau“ diene lediglich der zutreffenden Anrede. Dies lasse nicht darauf schließen, dass Bewerbungen von Frauen nicht erwünscht seien.

Zulässig sei auch die freiwillige Abfrage des Geburtsdatums im Online-Bewerbungsformular. Es gebe keinen Erfahrungssatz, dass damit der Arbeitgeber regelmäßig signalisiert, nur jüngere Bewerber einstellen zu wollen, so das BAG. Eine Altersdiskriminierung bestehe daher nicht. Zwar habe der Arbeitgeber einen jüngeren, männlichen Bewerber eingestellt, der über kein einschlägiges Studium verfügt. Zumindest private Arbeitgeber seien aber grundsätzlich frei, bei der Bewerberauswahl die im Stellenprofil geforderten Angaben unterschiedlich zu gewichten. Hier habe der Arbeitgeber der Berufserfahrung des eingestellten Bewerbers den Vorzug gegeben.

Schließlich stelle auch die Abfrage der Deutschkenntnisse keine Diskriminierung wegen der Herkunft dar. Die zur Auswahl stehenden Angaben ließen nicht darauf schließen, dass der Arbeitgeber „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ einem „Muttersprachler“ den Vorzug geben wolle.

Rechtsanwalt Thorsten Blaufelder

Fachanwalt für Arbeitsrecht, Mediator, Wirtschaftsmediator, Business Coach

Kanzlei Blaufelder in Dornhan/Landkreis Rottweil


Rechtstipp vom 12.05.2017
aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Dipl.-Jur. Thorsten Blaufelder (Kanzlei Blaufelder)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.