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Online-Scheidung - Scheidung per Mausklick?

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Wie hoch ist die Kostenersparnis bei einer sog. "Online-Scheidung"?

Bei Beauftragung eines Anwalts für eine "Scheidung online" fallen für den Mandanten grundsätzlich dieselben Kosten an wie bei Beauftragung eines ortsansässigen Anwalts. Die Gebühren für ein gerichtliches Verfahren sind gesetzlich festgelegt. Eine Unterschreitung der gesetzlichen Gebühren ist auch einem "Online-Anwalt" nicht gestattet. Örtliche Kanzleien bieten die Vertretung im Scheidungsverfahren meist zu den gesetzlichen Gebühren an, so dass Sie bei einer sog. "Online-Scheidung" in der Regel keine Kosten sparen können.

Beratungsgebühren werden beim örtlichen Anwalt regelmäßig auf das Scheidungsverfahren angerechnet und daher bei einer weitergehenden Mandatierung nicht gesondert in Rechnung gestellt. So kann sich der Mandant bei der Wahl eines Anwalts vor Ort ohne Mehrkosten vollumfänglich über die Scheidung und die damit verbundenen weiteren Probleme beraten lassen. Der "Online-Anwalt" legt auf eine umfängliche Beratung keinen Wert, da er hierdurch viel Zeit spart.

Auch ein "online" beauftragter Anwalt arbeitet nicht umsonst. Die für die außergerichtliche Vertretung im Rahmen der Scheidung anfallenden Gebühren werden regelmäßig zur Hälfte auf die Gebühren des Scheidungsverfahrens angerechnet. Daneben kommt Ihnen jeder Anwalt unabhängig von der Art der Beauftragung bei der Höhe der Gebühren entgegen, sofern dies im konkreten Fall sachgerecht ist.

Eine Kostenersparnis bei einer "Scheidung online" ist daher regelmäßig nicht möglich. Unabhängig davon macht es für den Mandanten keinen Sinn, für eine Scheidung in Bayern einen Hamburger Anwalt zu beauftragen, der dann nicht einmal persönlich zum Scheidungstermin erscheint - von eventuell anfallenden Mehrkosten für eine auswärtige Vertretung ganz zu schweigen.

Lässt sich durch die "Scheidung online" tatsächlich Zeit sparen?

Die Möglichkeit einer "Scheidung online" vermittelt dem Ratsuchenden den Eindruck, viel Zeit für den Gang zum Anwalt zu sparen. Diese Möglichkeit steht Ihnen grundsätzlich bei jedem Anwalt offen. Bereits die Mandatierung kann fernmündlich oder schriftlich erfolgen, ein persönliches Erstberatungsgespräch liegt allein im Interesse des Mandanten. Erforderlich ist der persönliche Kontakt zum Anwalt nicht.

Die gesamte Korrespondenz kann auf Wunsch fernmündlich oder schriftlich (postalisch, per Fax oder per E-Mail) erfolgen, einschließlich der Übermittlung der für das Scheidungsverfahren erforderlichen Dokumente. Die meisten Anwaltskanzleien verfügen mittlerweile über modernste Kommunikationsmittel, so dass dies kein Alleinstellungsmerkmal für einen "Online-Anwalt" darstellt.

Die "Scheidung online" bietet damit keinerlei Zeitersparnis gegenüber der Beauftragung eines örtlichen Anwalts, zumindest nicht für den Mandanten.

Eine Scheidung ohne Stress?

Ob Ihre Scheidung zum Nervenkrieg wird, hängt letztlich von allen Beteiligten ab. Eine einvernehmliche Scheidung läuft grundsätzlich stressfrei ab, hierfür sorgt auch der Anwalt vor Ort.

Problematisch wird es immer dann, wenn die Vorstellungen der Parteien im Scheidungsverfahren, vor allem im Hinblick auf Unterhalt, Zugewinn oder Hausrat auseinanderfallen. Dann kann Ihnen auch eine "Online-Scheidung" kein stressfreies Scheidungsverfahren ermöglichen. Oft ergeben sich Probleme erst nach der Mandatierung, so dass bei Beauftragung des Anwalts regelmäßig noch nicht absehbar ist, ob eine Scheidung bis zuletzt einvernehmlich verlaufen wird.

Eine Scheidung per Mausklick gibt es (noch) nicht. Die Wahl des richtigen Anwalts muss letztlich jeder nach seinen persönlichen Vorstellungen treffen. Sie haben das Recht, sich gut beraten zu fühlen - beim Anwalt vor Ort, "offline" oder "online".


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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