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„Opfer-Abo“ ist Unwort des Jahres 2012

Rechtstipp vom 15.01.2013
(29)
Rechtstipp vom 15.01.2013
(29)
„Opfer-Abo“ ist Unwort des Jahres 2012
Unwörter werden regelmäßig wegen ihrer Unsachlichkeit ausgewählt.
Wie die Jury der „Sprachkritischen Aktion: Unwort des Jahres" heute bekanntgab, lautet das Unwort des Jahres 2012 „Opfer-Abo". Laut Begründung der Jury wurde der Begriff im Herbst 2012 von Jörg Kachelmann in mehreren Interviews verwendet. Frauen hätten danach in der Gesellschaft ein sogenanntes „Opfer-Abo". Damit könnten sie ihre Interessen durch Falschbeschuldigungen, wie unter anderem Vergewaltigungen, gegenüber Männern durchsetzen. Frauen würden immer als Opfer gesehen, selbst wenn sie eigentlich die Täter seien.

Laut Studien schalten aber nur wenige von sexueller Gewalt betroffene Frauen überhaupt Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichte ein. Vor diesem Hintergrund hält die Jury den Begriff „Opfer-Abo" für sachlich grob unangemessen. Es geht dabei nicht um den konkreten Fall Kachelmann, sondern um den Wortgebrauch, durch den gängige Vorurteile bestätigt und der Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise beeinflusst werde.

Häufigster Vorschlag „Schlecker-Frauen"

Weitere Unwörter für das Jahr 2012 sind „Pleite-Griechen" und „Lebensleistungsrente". Der im Vorfeld am meisten diskutierte und auch am häufigsten eingereichte Vorschlag war „Schlecker-Frauen". Anregungen zum Unwort des Jahres können von jedermann bei der „Sprachkritischen Aktion: Unwort des Jahres" Jahres eingereicht werden. Aus den bis zum 31.12. des Jahres abgegebenen Vorschlägen wählt die Jury jeweils Mitte Januar das neue Unwort des Jahres.

Die Unwörter müssen gegen die sachliche Angemessenheit oder gegen die Humanität verstoßen. Gewählt werden können daher z. B. diskriminierende oder menschenunwürdige Begriffe, vor allem die, die versuchen das zu verschleiern. Auch Verstöße gegen die Prinzipien der Demokratie können betroffen sein, wie die Bezeichnung als alternativlos, um sich der politischen Diskussion und Pflicht zur Argumentation zu entziehen. Wesentliches Kriterium ist außerdem, dass die betreffenden Wörter und Formulierungen einen Bezug zur Aktuellen Zeit oder aktuellen Vorgängen haben und dass sie öffentlich geäußert wurden.

Notleidende Banken, Humankapital, betriebsratsverseucht und Döner-Morde: Das alles waren schon Unwörter in den vergangenen Jahren. Während von 1991 bis 1994 die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) für die Entscheidung zuständig war, werden die Unwörter des Jahres seit 1995 von einer Jury der „Sprachkritischen Aktion: Unwort des Jahres" bestimmt. Bei den Preisrichtern handelt es sich um vier Sprachwissenschaftler, einen Journalisten und ein jährlich wechselndes Mitglied aus dem Bereich Medien bzw. Kultur.

„Rettungsroutine" als Wort des Jahres

Das Wort des Jahres, das im Gegensatz zum Unwort nicht negativ besetzt sein muss, heißt 2012 „Rettungsroutine". Damit werden die ständig wieder erforderlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Banken und Finanzmärkte beschrieben. Interessant fanden die Preisrichter den sprachlichen Widerspruch zwischen der Rettung als akute und abgeschlossene Handlung im Gegensatz zur Routine als wiederkehrende oder ggf. sogar dauerhafte Notwendigkeit. „Schlecker-Frauen" belegte beim Wort des Jahres immerhin Platz 4. Laut Jury soll dem Mut der Betroffenen damit sprachlich ein Denkmal gesetzt werden.

Dazu gibt es noch ein gesondertes Börsen-Unwort. Das lautet für 2012 „freiwilliger Schuldenschnitt".

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/Kitty


aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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