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Paartanz auf eigene Gefahr – „Tanzkönig“ muss nicht für Sturz haften

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Wirbelt ein als „Tanzkönig“ bekannter Tänzer seine tanzunfähige Partnerin über das Parkett, muss er bei einem Sturz nicht haften. Denn hat sich die Tanzpartnerin trotz fehlender Tanzkünste auf den Paartanz freiwillig eingelassen, hat sie sich die Unfallfolgen haftungsrechtlich selbst zuzuschreiben, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einem am Donnerstag, 07.09.2017, bekannt gegebenen Beschluss (AZ: 13 U 222/16).

„Tanzkönig“ meinte es gut

Konkret ging es um eine aus Südhessen stammende Frau, für die eine Geburtstagsfeier mit erheblichen Verletzungen endete. Gegen Mitternacht war sie alleine auf der Tanzfläche. Ein Bekannter von ihr, der sich selbst als „Tanzkönig“ des Ortes bezeichnete, wollte die Frau vom alleine Tanzen erlösen. Er ergriff ihre Hände und forderte sie zum Paartanz heraus.

Ohne Erfolg gab die Frau an, dass sie nicht tanzen könne und „das Ganze zu schnell für sie“ sei. Der „Tanzkönig“ drehte und wirbelte seine Tanzpartnerin über die Tanzfläche und ließ sie dabei kurz los, wohl um selbst eine Drehung ausführen zu können.

Die Tanzpartnerin verlor daraufhin das Gleichgewicht und stürzte auf den Boden. Sie erlitt erhebliche Verletzungen. Der „Tanzkönig“ sollte nun Schadenersatz zahlen.

Nur „nein“ heißt wirklich „nein“!

Doch er muss sich die Tanzfolgen nicht haftungsrechtlich zurechnen lassen, entschied das OLG in seinem Hinweisbeschluss vom 02.08.2017. „Die Gefahr eines Sturzes beim Tanz besteht grundsätzlich und war für alle Beteiligten, insbesondere für die Klägerin aufgrund ihrer fehlenden Paartanzkenntnisse gleichermaßen erkennbar“, heißt es in der Entscheidung.

Zwar sei die Initiative zum Paartanz „wenig einfühlsam“ eindeutig vom „Tanzkönig“ ausgegangen. Die Klägerin habe sich aber freiwillig darauf eingelassen. Sie hätte sich dem Tanzwunsch durch ein klar artikuliertes „Nein“ oder durch Stehenbleiben entziehen können.

„Mitgefangen, mitgehangen“

Hier habe sich die Frau jedoch auf das Tanzen eingelassen und habe daher mit den „üblicherweise beim Paartanz zur Anwendung kommenden Tanzschritten und Drehungen der Tanzpartner rechnen“ müssen. Für diese Entscheidung und die damit verbundene Selbstgefährdung sei sie letztlich selbst verantwortlich.

Nach diesen Hinweisen des OLG hat die Klägerin ihre Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Darmstadt wieder zurückgenommen.

Rechtsanwalt Thorsten Blaufelder

Fachanwalt für Arbeitsrecht, Mediator, Wirtschaftsmediator, Business Coach

Kanzlei Blaufelder in Dornhan/Landkreis Rottweil


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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