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Patientin erhält Schmerzensgeld wegen unzureichender Aufklärung vor der Operation

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Vor einer Operation haben Patienten einen erhöhten Informationsbedarf. Ärzte sind daher verpflichtet, sie über die Folgen und Risiken des Eingriffs aber auch über alternative Behandlungsmethoden aufzuklären. Wichtig ist auch, dass diese Aufklärung in zeitlicher Nähe zur OP stattfindet und nicht schon Monate zurückliegt.

Mit Urteil vom 15. November 2016 stellte das Oberlandesgericht Dresden fest, dass ein solches Gespräch mit dem Arzt, das bereits mehr als sechs Monate vor der Operation erfolgte, aufgrund des erheblichen zeitlichen Abstands keine ausreichende Aufklärung darstelle (Az.: 4 U 507/16). Ob die Aufklärung an sich inhaltlich richtig und ausreichend erfolgt sei, spiele dann keine Rolle mehr. Es sei nämlich dann nicht mehr davon auszugehen, dass der Patient sich der Vor- und Nachteile sowie der Risiken der OP noch bewusst sei, so das OLG.

„Das hat zur Folge, dass die Operation rechtswidrig durchgeführt wurde und dem Patienten Anspruch auf Schmerzensgeld zustehen kann“, erklärt die auf Arzthaftungsrecht spezialisierte Rechtsanwältin Annika Brčvak, KQP Rechtsanwälte / Hamm.

Dem Fall vor dem OLG Dresden lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Jahre nach einer Talusfraktur war bei einer Frau im Juli 2008 eine schwere Arthrose im rechten unteren Sprunggelenk diagnostiziert worden. Der behandelnde Arzt empfahl eine operative Versteifung des Sprunggelenks und klärte sie im Juli 2008 über die Risiken des Eingriffs auf. Die OP wurde allerdings erst im Februar 2009 durchgeführt, einen Tag vor dem Eingriff hatte die Patientin die Einverständniserklärung unterschrieben. Die Schmerzen blieben auch nach der OP. Die Patientin klagte auf Schmerzensgeld, da sie nicht ausreichend aufgeklärt worden sei. Hätte sie gewusst, dass sich trotz der OP wieder Schmerzen einstellen würden, hätte sie dem Eingriff nicht zugestimmt.

Während die Klage in erster Instanz scheiterte, war die Frau im Berufungsverfahren vor dem OLG Dresden erfolgreich. Zwar sei kein Behandlungsfehler zu erkennen, doch sei die Patientin nicht ausreichend aufgeklärt worden. Zwischen Orientierungsgespräch und dem Eingriff lagen mehr als sechs Monate. Schon aufgrund dieses großen zeitlichen Abstands stelle das Orientierungsgespräch keine ordnungsgemäße Aufklärung dar, entschied das OLG Dresden und sprach der Frau Schmerzensgeld in Höhe von 8.000 Euro zu.

„An die Aufklärungspflicht der Ärzte werden erhöhte Anforderungen gestellt. Selbst wenn eine Operation an sich korrekt durchgeführt wurde, können dem Patienten Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche aufgrund einer unzureichenden Aufklärung zustehen“, so Rechtsanwältin Brčvak.

Mehr Informationen: http://www.kqp.de/anwalt/schadensersatz-schmerzensgeld-arzt-verklagen-behandlungsfehler/


Rechtstipp vom 03.05.2018

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