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PayPal 40: Welche Konsequenzen hat der „40%-Rabatt“ bei PayPal

  • 4 Minuten Lesezeit

Das Internet ist voll von Berichten darüber. Von mydealz über WhatsApp und Social Media bis hin zu den Online- und Printmedien liest man überall von dem so genannten PayPal 40.

Worum geht es?

Infolge der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise in Argentinien führte der Staat im Dezember 2022 einen begünstigenden Umtauschkurs für Touristen ein, die in Argentinien mit einer ausländischen Kreditkarte zahlen. Dieser „Touristen-Wechselkurs“ ist insgesamt 40 Prozent niedriger als der offizielle Kurs im Land. Ziel war es, durch den günstigen Kurs Touristen anzulocken, die Produkte oder Dienstleistungen in Argentinien kaufen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Das bedeutet, kauft ein Tourist in Argentinien etwas mit seiner Visa-Kreditkarte im Wert von 100 Euro, zahlt er statt über den offiziellen Wechselkurs keine 100 Euro, sondern lediglich 60 Euro. Dies macht für ihn eine Ersparnis von 40 %. Geht man nun von einer deutlich höheren Transaktionssumme aus, wie zum Beispiel vom 250.000 Euro, so „spart“ man durch den „Touristen-Wechselkurs“ 100.000 Euro.

Durch eine Lücke im System können jedoch nicht nur argentinische Touristen vor Ort von dem günstigen Wechselkurs profitieren, sondern auch PayPal-Nutzer auf der ganzen Welt. Dabei wird der „Rabatt“ nicht nur für den Kauf von argentinischen Produkten genutzt, sondern insbesondere für inländische Einkäufe im E-Commerce-Bereich, bei denen die Zahlung mit PayPal möglich ist.

Wie funktioniert es?

Voraussetzung für diesen „Rabatt“ ist eine Visa-Kreditkarte und ein PayPal-Konto, bei dem die Visa-Karte als Zahlungsmittel hinterlegt sein muss. Stellt man dann in seinem PayPal-Konto die Währung von Euro auf Argentinischen Pesos (ARS) um, berechnet Visa lediglich den günstigen argentinischen Wechselkurs.

Traum oder Albtraum? 

40 % Rabatt – ein Traum für jeden Schnäppchenjäger! Aber kann sich dieser Traum auch zum Albtraum entwickeln? Was passiert, wenn man die Chance nutzt und sich jetzt endlich das neue Handy oder den neuen Fernseher für den absoluten Tiefpreis kaufen möchte? Ist das die einmalige Gelegenheit, günstig etwas zu kaufen, wofür man ansonsten noch Monate hätte sparen müssen?

Die Vergünstigung ist zweifelsohne sehr verlockend, sie könnte aber auch erhebliche Konsequenzen für den jeweiligen Nutzer haben.


Welche Konsequenzen kann das Vorgehen haben?

Es drohen erhebliche Rückforderung durch Visa

Der Wechselkurs für argentinischen Touristen ist für Visa nicht bindend. Es kann also durchaus sein, dass Visa im Nachhinein den vollen Betrag für eine Transaktion berechnet. Das bedeutet, Visa-Kunden sollten sich insoweit darauf einstellen, die Differenz der Transaktion in Höhe von 40 Prozent nachträglich bezahlen zu müssen.

Bei besonders teuren Anschaffungen könnte das für den Konsumenten bedeuten, dass er eine gewaltige Summe – nämlich die Differenz in Höhe der 40-Prozent – auf einen Schlag bezahlen muss. Kann man diese Summe nicht zahlen, weil man die Investition nur in Hinblick des immensen Rabattes getätigt hat, so droht ein SCHUFA-Eintrag. Denn grundsätzlich können zu spät beglichene Kreditkartenrechnungen in die SCHUFA-Akte eingehen.

SCHUFA-Tipp:

 Eine Kreditkartenrechnung, die Sie nicht vertragsgemäß gezahlt haben, sollte umgehend beglichen werden.


Sperrung des PayPal-Kontos

Bei verbotenen Aktivitäten hält sich PayPal in seinen AGB die Einschränkung und/oder Schließen oder Einfrieren des PayPal-Kontos vor. Das heißt, wenn PayPal davon ausgeht, dass ein Konto missbräuchlich genutzt wird und damit verbotene Aktivitäten vorgenommen werde, die nicht den Nutzungsrichtlinien entsprechen, droht eine Sperrung des Kontos. Möglicherweise kann dem Kontoinhaber sogar die zukünftige Nutzung vollends untersagt werden.

Ob und inwieweit PayPal das Nutzen des günstigen Wechselkurses durch die Umstellung der Währung innerhalb des Kontos als „verbotene Aktivität“ oder Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinie werten wird, ist derzeit nicht absehbar. Bei einer sehr hohen Anzahl von Transaktionen in der argentinischen Währung ist die Annahme eines missbräuchlichen Ausnutzens des PayPal-Kontos zumindest denkbar.   

Strafbarkeit

Das Bezahlen mit der Kreditkarte in einer fremden Währung ist grundsätzlich selbstverständlich nicht strafbar.

Ob die Umstellung der Währung von Euro auf argentinische Pesos im PayPal-Konto ein strafrechtlich relevantes Verhalten darstellt, ist kritisch zu betrachten.

Hier könnte ein Betrug gemäß § 263 Abs. 1 StGB in Betracht kommen. Problematisch ist dabei jedoch nicht nur die Täuschungshandlung – als objektives Tatbestandsmerkmal –, sondern auch der erforderliche Vorsatz – als subjektives Tatbestandsmerkmal.

Grundsätzlich liegt eine Täuschung schon dann vor, wenn man wahre Tatsachen unterdrückt, also den andern nicht über eine Tatsache aufklärt, obwohl die Aufklärung rechtlich geboten war.

Ob den Kreditkarteninhaber und PayPal-Nutzer hier eine Aufklärungspflicht gegenüber Visa trifft, ist äußerst fraglich und wird wohl zu verneinen sein.

Eine rechtliche Einschätzung hinsichtlich der Strafbarkeit wird wohl aber nur anhand des konkreten Einzelfalls möglich sein.  


Wenn Sie betroffen sind, dann stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Gerne können Sie sich bei uns melden. Unsere Ersteinschätzung ist unverbindlich und für Sie vollkommen kostenlos!  

 Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Haben Sie noch Fragen? - Dann schreiben oder rufen Sie uns an!

Viele Grüße aus Köln

Foto(s): @istockphoto.com

Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Strafrecht, Zivilrecht

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