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Pflichtteil: Die wichtigsten Rechtsfragen für Erblasser

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Wollen Sie Ihr Erbe regeln oder jemanden enterben, dann kommen Sie zwangsläufig mit dem Pflichtteil in Berührung. Was verbirgt sich dahinter und wie können Sie ihn im Vorfeld ausschließen etc.?

Was ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil ist der geldwerte Anspruch, der Kindern, Enkeln, Ehegatten und Eltern des Verstorbenen (Pflichtteilsberechtigten) gesetzlich zusteht. Werden Sie im Testament explizit ausgeschlossen oder nicht erwähnt, können Sie den Pflichtteil gegenüber dem Erben oder der Erbengemeinschaft geltend machen. Die Pflichtteilshöhe besteht dabei in der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Kann der Erblasser den Pflichtteil ausschließen?

Einseitig ausschließen kann der Erblasser den Pflichtteil nicht, denn der Pflichtteil hat den Zweck der Versorgung und Mindestbeteiligung am Nachlass. Allerdings gibt es Pflichtteilsentziehungsgründe, wenn z. B. der Pflichtteilsberechtigte eine Straftat gegen den Erblasser oder nahe Angehörige begangen hat, siehe § 2333 BGB.

Kann bereits zu Lebzeiten des Erblassers der Pflichtteil gefordert werden?

Nein. Ohne Tod keine Erben. Der Pflichtteilsanspruch richtet sich gegen die Erben, sodass erst dann der Pflichtteil gefordert werden kann. Ein Vertrag mit dem Erblasser auf vorzeitige Pflichtteilserfüllung ist möglich. 

Kann man den Pflichtteil reduzieren oder auf ihn verzichten?

Pflichtteilskürzungen kann es geben, wenn der Pflichtteilsberechtigte bereits zu Lebzeiten des Erblassers eine Schenkung erhalten hat. Oder auch, wenn zu Lebzeiten ein notarieller Pflichtteilsverzicht abgegeben wurde.

Wirkt sich eine Schenkung zu Lebzeiten auf den Pflichtteil aus?

Überlegen Sie als Erblasser, Ihr gesamtes Vermögen noch zu Lebzeiten zu verschenken, damit nichts mehr vererbt werden kann, liegen Sie falsch. Es werden die Schenkungen an Familienangehörige der letzten zehn Jahre betrachtet und auf den Pflichtteil angerechnet. Dies ist der sog. Pflichtteilsergänzungsanspruch. Je länger die Schenkung allerdings zurückliegt, umso weniger wird sie angerechnet. Sie wird jährlich um ein Zehntel reduziert. 

Welche Maßnahmen gilt es als Erblasser noch zu Lebzeiten zu treffen?

Neben der Errichtung eines Testaments hat der Erblasser noch andere Regelungsmöglichkeiten. D. h., er kann Veräußerungen vornehmen oder Übertragungen treffen, um den Nachlass zu vermindern. Es gibt eine große Bandbreite an Regelungen, die frühzeitig getroffen werden können. Dabei kommt es auf den Einzelfall an und rechtliche Beratung ist sinnvoll, um Streitigkeiten ums Erbe zu vermeiden.

Verjährt der Pflichtteilsanspruch?

Der Pflichtteilsanspruch verjährt innerhalb von drei Jahren ab Ende des Jahres, in dem der Pflichtteilsberechtigte Kenntnis erlangt. Weiß der Pflichtteilsberechtigte nichts von seinem Anspruch, verjährt dieser erst in 30 Jahren.

Bei diesem komplizierten und komplexen Thema stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung und berate Sie, wenn Sie Ihren Nachlass regeln wollen.


Rechtstipp vom 29.08.2018
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass regeln und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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