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Picam – Piccor – Piccox: Aktuelles über die Picam-Affäre

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Über die Vorgänge um Piccor/Picam haben wir bereits in unserem Rechtstipp vom 13.01.2018 berichtet. Mittlerweile titelte auch das Handelsblatt am 17.01.2018 in einem lesenswerten Artikel „Picam-Anleger in Sorge: Das große Verwirrspiel“. Immer mehr wird nun deutlich, dass in dem ganzen Picam-Unternehmensverbund und den neueren Verlautbarungen des Herrn Entzeroth vieles nicht zusammenpasst.

Zu den Hintergründen:

Die in der Schweiz ansässige Piccor AG bot Anlegern eine Vermögensverwaltung für Finanztermingeschäfte an. Vertrieben wurde diese Anlage durch den „Picam Unternehmensverbund“ in Berlin um Herrn Thomas Entzeroth. Nach eigenen Angaben wurden so wohl etwa 300.000.000 € bei Anlegern eingeworben. Die Anleger konnten dabei zwischen zwei Modellen wählen: einer ungesicherten und einer angeblich „gesicherten“ Variante. Mindestanlagesumme dieser Kapitalanlage war EUR 50.000. 

Wie diese Gelder tatsächlich angelegt wurden, blieb für die Anleger selbst unklar. Zwar wiesen regelmäßig an die Anleger versandte Aufstellungen zu ihrer Anlage erfreuliche Wertzuwächse aus, ob diese aber tatsächlich erwirtschaftet wurden, ist für die Anleger nicht nachprüfbar. Da viele die Erträge ohnehin nicht haben auszahlen lassen, sondern reinvestierten, ist vieles vorstellbar. Die seit Monaten ausbleibende Zahlungen und auch die immer dubioseren Verlautbarungen der Picam in Person des Herrn Entzeroth lassen nichts Gutes erahnen.

Die Piccor AG wurde bereits Anfang 2017 auf die Warnliste der schweizerischen Finanzaufsicht FINMA gesetzt. daraufhin ließ der Berliner Vertrieb Picam um Herrn Entzeroth über die für ihn im Vertrieb tätigen Finanzberater und -vermittler an die Anleger verbreiten, dass die Piccor AG ihre Leistungen „aufgrund externer Umstände“ eingestellt habe. Statt die Anlagebeträge auszahlenzulassen wurde dafür geworben, direkt in ein eigens neu konstruiertes Finanzprodukt zu investieren. 

Das „Piccox“ Zertifikat sei ein transparentes bankreguliertes Finanzprodukt mit jederzeitiger Verfügbarkeit. Tatsächlich geht es hier aber um eine an der Börse nicht handelbare Inhaberschuldverschreibung nach Luxemburger Recht. Emittentin dieses Wertpapieres ist die Piccox Securisation SA (ISIN DE000A19CXZ0). Als Rückzahlungstermin ist in dem Prospekt zu diesem Wertpapier der 31.12.2030 genannt. Keiner der Betroffenen, die von unserer Kanzlei vertreten werden, haben diesen Prospekt jedoch erhalten. Selbst die Berater sollen diese Unterlagen erst lange nach den Abschlüssen der Verträge erhalten haben.

Viele Anleger warten bereits seit Monaten vergeblich auf die Auszahlung ihrer Anlagebeträge von Piccor. Einige Anleger, die sich für die neue Anlage „Piccox“ entschieden haben, haben dieses Zertifikat nie erhalten. Jene wiederum, die dieses Zertifikat nun in ihrem bei der Moventum S.C.A. zu diesem Zweck eröffneten Depotkontos haben, werden sich die Frage stellen müssen, welchen Wert diese Inhaberschuldverschreibung denn überhaupt hat und ob sie ihre Gelder je wiedersehen. Nachdem auch hier Unregelmäßigkeiten zu Tage traten, wurde die Emission des Zertifikates jedenfalls eingestellt.

Nachdem viele Anleger bereits Monate auf Rückzahlung warteten, verkündete Herr Entzeroth den für Picam im Vertrieb tätigen Beratern im Dezember 2017, dass der von der Piccor AG eingeschaltete Vermögensverwalter nicht mehr auszahlen würde. Man habe sich zu dessen Geschäftsräumen begeben, aber niemanden angetroffen. Er, Thomas Entzeroth, habe nun eine „Verdachtsanzeige“ erstattet und forderte die Anleger mit einem Schreiben auf, sich dieser anzuschließen. 

Näheres wurde auch auf Nachfragen nicht preisgegeben, weder, wer angezeigt wurde, noch welcher Sachverhalt zugrunde liegen sollte. Die Anleger dürfte aber in großes Erstaunen versetzt haben, dass es gar nicht die Piccor AG war, die ihre Anlagegelder verwaltete, sondern dass diese die Gelder überhaupt an eine dritte Gesellschaft weiterreichte.

Nunmehr hat Herr Entzeroth durch die Anlageberater den Hinweis auf eine Website an die Anleger weitergeben lassen, die in der Aufmachung eines Blogs mit schmissigen Parolen aufwartet: „Wir klären auf und unterstützen!“, „Wir sind an Ihrer Seite!“ oder „Vermögenswerte werden gesichert“. Abgesehen von diesen verheißungsvollen Überschriften werfen die erklärenden kurzen Texte aber wie üblich in dieser Affäre letztlich nur noch mehr Fragen auf:

Nun soll es nicht mehr die liechtensteiner Varian AG gewesen sein, die für die Piccor AG als Vermögensverwalter tätig gewesen sein soll. Dies erklärte Herr Entzeroth selbst aber noch 2016 einem Journalisten auf dessen Nachfrage. Nun soll es eine LIT Ltd. in Gibraltar gewesen sein und auch der eigentliche „Missetäter“ wird nun namentlich benannt, ein nun zur Fahndung ausgeschriebener Peter M. Soviel also zum Thema seriöse „Schweizer Geldanlage“. Zumindest soll es sich bei dem ausgebüxten Peter M. um einen Schweizer Staatsbürger handeln …

Selbst wenn man dieser Geschichte Glauben schenken möchte: Wie wahrscheinlich es ist, dass sich Peter M. aufspüren lassen wird und dann auch noch den sprichwörtlichen „Koffer voller Geld“ dabeihat, welches der Treuhänder Eschenbach dann an die geduldig wartenden Anleger auszahlen kann, mag sich jeder selbst beantworten.

Betroffene sollten sich keineswegs weiter hinhalten lassen, sondern anwaltlichen Rat in Anspruch nehmen, insbesondere geht es darum, Schadensersatzansprüche zu prüfen und gegebenenfalls durchzusetzen. Die Kanzlei Schwarz | Mertsch vertritt bereits eine Vielzahl von Betroffenen, und wir stehen auch Ihnen gerne zur Verfügung.


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