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Piccam/Piccor-Skandal: Gerichte urteilen - Anlager müssen handeln

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Berlin, 24.11.2020
Im Anlageskandal um den sogenannten Picam- Unternehmensverbund urteilen die Gerichte zunehmend zu Gunsten der geschädigten Anleger. Zu Schadenersatz verurteilt wurden die Picam Securitisation SA sowie mehrere der handelnden Personen und auch ein Finanzmakler. Vor dem Hintergrund des immensen Schadens von geschätzten 300 Mio Euro stellt sich für die Anleger aber auch die Frage: was nützt so ein Urteil, wenn der Gegner nicht zahlen kann? Der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke vertritt Anleger und meint:


„Wer schlau genug ist, Anleger um 300 Mio Euro zu erleichtern, ist auch schlau genug, das Geld vollstreckungsfest zu verstecken. Notfalls wird eine Privatinsolvenz durchgeführt. Ein Titel gegen die Hinterleute derartiger Massenbetrugsfälle, wie er hier zu vermuten ist, bringt dem Anleger daher meist nur moralische Befriedigung, keine finanzielle Kompensation. Im Regelfall ist es erfolgsversprechender, gegen die Finanzvermittler vorzugehen - diese sehen sich meist einem kleineren Forderungsvolumen gegenüber und können dann auch Schadensersatz leisten. Im Piccor-Komplex lag allerdings die Mindestzeichnungssumme bei 50.000,00 € und die Vermittler dürften für das ominöse Modell nicht vermögensschadenhaftpflichtversichert sein, so dass auch hier die Vollstreckbarkeit eines Titels fraglich ist. Es kommt wohl darauf an, wievielen Klägern der Vermittler gegenübersteht.“

Haftung für Vertrieb verbotener Geschäfte?


In einer Entscheidung des LG Kleve ist der Vermittler mit lesenswerter Begründung zu Schadenersatz verurteilt worden, angesichts der sechsstelligen Urteilssumme jedoch umgehend in die Insolvenz gegangen. Nach Röhlkes Ansicht sollten die Anleger dennoch mit anwaltlicher Hilfe die Möglichkeit von Schadenersatz prüfen lassen. Der Anwalt weist darauf hin, dass bereits 2016 Presseberichten zufolge die Bundesbank den Verdacht auf verbotswidrig betriebene unerlaubte Geschäfte aktenkundig gemacht hat. Diese Möglichkeit der Erlaubnispflichtigkeit der von der Piccor AG angebotenen Vermögensverwaltung hätte den Vermittlern bei der gebotenen Prüfung auch ins Auge fallen müssen, neben den vom LG Kleve festgestellten Plausibilitätsmängeln des Anlagekonstruktes.

Verjährung kann Ende 2020 eintreten


„Vermittler werden in jedem Falle vor Gericht darauf hinweisen, dass der Komplex Picam/Piccor seit 2017 auf einschlägigen Internetseiten breit besprochen wurde und den Verjährungseinwand nach Ablauf von drei Jahren, also ab 2021 erheben. Auch wenn die Verjährung immer individuell zu prüfen, kann man sich durch Klageerhebung noch 2020 diese lästige Debatte ersparen“, rät Röhlke, der für seine Mandanten gegenüber den Vermittlern tätig wird.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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