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Populäre Mythen zur gesetzlichen Erbfolge

Rechtstipp vom 15.01.2019
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Rechtstipp vom 15.01.2019
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Der Ehepartner erbt immer alles

Das stimmt nicht. Wenn kein Testament erstellt wurde, gilt die gesetzliche Erbfolge. Falls es Kinder gibt, bilden sie eine Erbengemeinschaft mit dem überlebenden Ehegatten und erben gemeinsam. Wenn die Ehe kinderlos geblieben ist, erbt der überlebende Ehepartner auch nicht alles, wenn die Eltern des Erblassers noch leben. Diese sind neben dem überlebenden Ehepartner ebenfalls erbberechtigt.

Der verwitwete Ehepartner kann die ganze Erbschaft nur dann beanspruchen, wenn es keine Kinder oder Enkelkinder gibt, die Eltern sowie Großeltern des Ehegatten bereits verstorben sind und der Ehegatte keine lebenden Geschwister hat.

Wer im Testament enterbt wurde, kann nichts erben

Diese Annahme ist falsch! Wenn jemand in einem Testament nicht bedacht wurde, heißt das nicht, dass derjenige keinen erbrechtlichen Anspruch hat. Falls es sich dabei um Ehegatten, Kinder oder Eltern des Erblassers handelt, können diese einen Anspruch auf den Pflichtteil geltend machen (§ 2303 BGB). Dieser entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils und kann nur in wenigen Ausnahmefällen ausgeschlossen werden, z. B. wenn derjenige eine Straftat gegenüber dem Erblasser begangen hat.

Der geschiedene Partner kann nicht erben

Nach einer Scheidung wird ein gemeinsames Testament der Eheleute unwirksam und das gesetzliche Erbrecht erlischt. Trotzdem gibt es Fälle, in denen der geschiedene Partner nach gesetzlichem Erbrecht erben kann. Dies kommt vor, wenn beispielsweise ein Ehepaar ein gemeinsames Kind hat, sich dann scheiden lässt und das Kind als Alleinerbe später verstirbt. In diesem Fall ist der Ex-Partner kraft gesetzlicher Erbfolge erbberechtigt.

Nur eheliche Kinder sind erbberechtigt

Diese Aussage ist falsch. Seit der Einführung des Erbrechtsgleichstellungsgesetzes am 01.04.1998 werden nicht eheliche und eheliche Kinder gleichgestellt. Allerdings muss der Erblasser entweder seine Vaterschaft anerkannt haben oder eine gerichtliche Feststellung der Vaterschaft stattgefunden haben (§ 1592 BGB). Somit haben nicht eheliche Kinder den gleichen Erbanspruch wie eheliche Kinder.

Wer nicht erben will, muss nichts unternehmen

Das ist nicht wahr, weil die gesetzliche Erbfolge bestimmt, wer im Todesfall automatisch Erbe wird. Niemand erhält eine Information darüber, dass er gesetzlicher Erbe geworden ist. Vielmehr geht das Gesetz davon aus, dass man seine Erbenstellung kennt. Oft kommt es vor, dass nur Schulden vermacht werden und der Erbe die Erbschaft deshalb nicht antreten möchte. In diesem Fall muss er innerhalb von sechs Wochen das Erbe beim Nachlassgericht oder beim Notar ausschlagen. Falls er dies unterlässt, gilt das Erbe automatisch als angenommen.


Rechtstipp aus der Themenwelt Alles rund ums Erbe und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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