Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

P&R in der Krise – Anlegergelder in Gefahr – Vermittlerhaftung als Ausweg?

Rechtstipp vom 09.03.2018
(22)
Rechtstipp vom 09.03.2018
(22)

Container-Investments droht eine Schieflage, titelt das Handelsblatt am 09.03.2017. Konkret gemeint ist P&R aus Grünwald bei München, der größte Anbieter auf dem Markt. Die Nachrichten sind bedrohlich. Schon am Vortag meldete der renommierte Brancheninformationsdienst kapitalmarkt-intern, dass P&R seinen Vermittlern in einem knappen Schreiben mitgeteilt habe, dass der Vertrieb ab sofort eingestellt werde. Auch aus Bankenkreisen ist zu hören, dass P&R die Vertriebseinstellung kommuniziert habe.

Damit nicht genug. Seit Anfang März warten die Anleger auf die sonst pünktlich gezahlten Mieten und Rückkauferlöse. Auf telefonische Anfrage eines Anlegers erhielt dieser von einer Kundenberaterin von P&R, dass eine ausgefallene Zahlungserwartung für die Verzögerung verantwortlich sei. Damit nicht genug der schlechten Nachrichten. Das Handelsblatt weist darauf hin, dass P&R seit 2014 hohe Unterdeckungen bei den Mieteinnahmen hat und der Umsatz im Neugeschäft ebenfalls deutlich zurückgeht. Der renommierte Finanzjournalist Stefan Loipfinger wird mit dem Satz zitiert: „Seit Jahren vermute ich bei P&R eine hohe Abhängigkeit vom Neugeschäft.“ Ebenfalls von Stefan Loipfinger ist in seinem Informationsdienst „Investmentcheck“ eine Kurzanalyse unter der Überschrift „Wie groß ist das Feuer unter dem Dach?“ erschienen. Und mit einem Anlagevolumen von 3,5 Milliarden Markt könnte sehr viel in Brand geraten.

Diese Entwicklung kommt nicht ganz überraschend. Bereits im Juli 2017 hatte Finanztest die Angebote Nr. 5001 und Nr. 5002 von P&R kritisch bewertet. Schon dort werden auf die Mietunterdeckung, fehlende Angaben zum Alter und Marktwert der Container und eingeschränkte Bestätigungsvermerke von Bilanzen hingewiesen. Der Hinweis auf Vorstandsgehälter von bis zu 32,5 Millionen € trägt auch nicht zur Beruhigung bei.

Der Brancheninformationsdienst kmi hatte im Verlauf des Jahres 2017 auch mehrfach vor den Angeboten 5001 und 5002 von P&R gewarnt und verwies auch auf erhebliche Haftungsrisiken für den Vertrieb und die einzelnen Vermittler.

Auch GoMoPa lieferte im September 2017 erschreckende Zahlen aus dem P&R Firmengeflecht und erkannte Container Mietlöcher und verpufftes Eigenkapital.

Bereits 2014 schrieb Christoph Rottwilm einen sehr beachtenswerten Artikel über Containeranlagen im Managermagazin: „BigBlackbox-Business“. Dort standen nicht nur die Container-Anlagen von P& R auf dem Prüfstand, sondern auch von Buss Capital, Solvium und der zwischenzeitlich insolventen Firmengruppe Magellan. Bereits dort wurden fehlende Transparenz und Plausibilität des Geschäftsmodells bemängelt.

Zum Hintergrund sollten Anleger wissen, dass sogenannte Sachwertanlagen lange nicht reguliert waren und von den Anbietern zunehmend genutzt wurden, um der ansonsten schnell voranschreitenden Regulierung und der Aufsicht durch die BaFin zu entgehen. Auch das Vermögensanlagengesetz 2012 und die erste Version des Kleinanlegerschutzgesetzes 2015 ließen noch Lücken für Container- und Holzinvestments etc. Erst nach einer Änderung des Kleinanlegerschutzgesetzes fallen die Containerinvestments unter das Vermögensanlagengesetz, wurden prospektpflichtig und unterliegen der Aufsicht durch die BaFin.

Es dürfte feststehen, dass den P&R-Anlegern erhebliches Ungemach und Verluste drohen. Eine wesentliche Frage wird sein, ob das Eigentumsrecht an den Containern dazu geeignet ist, Verluste abzumildern und den Totalverlust zu vermeiden.

Auch die Vermittler sind in keiner komfortablen Lage. Durch die Einstellung des Vertriebes sind viele von Ihnen quasi über Nacht arbeitslos geworden. Sie werden sich weiter erhebliche Sorgen um Schadensersatzansprüche von Anlegern machen müssen, bestanden doch schon etliche Zeit erhebliche Zweifel an der Plausibilität des Anlagekonzeptes von P&R und anderen Sachwerteanbietern. Eine Sonderrolle dürften hier einige Sparkassen und Volksbanken spielen, die in den Vertrieb eingebunden waren. Sie dürften wegen der unzweifelhaften Solvenz bevorzugtes Ziel von Anlegerklagen werden.

Wir beraten Sie gerne persönlich: Was kann jetzt sinnvollerweise veranlasst werden, welche Kosten können und sollten vermieden werden, wie sind die Rechts- und Haftungsverhältnisse.


Rechtstipp aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Dr. Jürgen Machunsky (Rechtsanwalt Kanzlei Dr. Machunsky)