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Probleme der Mega 4 Fonds GbR

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In Sachen Mega 4 GbR wurden seitens der Verwaltungsgesellschaft die mehr als 1.500 Anleger von der Service Mega 4 GmbH Anfang 2018 angeschrieben, weil die Bankkredite der Gesellschaft vom finanzierenden Kreditinstitut nicht verlängert, sondern aufgekündigt worden sind. Neue Kreditgeber ließen sich offenbar nicht finden. Die Fondsverwaltung sucht nun nach einem Investor, der bereit ist, die Immobilien zu kaufen. Mit dem Verkaufserlös soll dann das Bankdarlehn, auf das von Mega 4 GbR bereits seit einiger Zeit keine ausreichend hohen Annuitäten mehr entrichtet werden konnten, abgelöst werden. Die für die Anleger geschaffene und im Prospekt beworbene Mietgarantie bestand nur für rund 5 Jahre. Danach ging die Gesellschaft, welche für die Mietgarantie sorgen sollte, „unter“. Die ehemals vorgesehene Haftungsbeschränkung der Anteilseigner erwies sich ebenfalls als unwirksam.

Suche nach Kaufinteressenten für die Immobilie in Berlin Hellersdorf

Den Anlegern wurden entsprechende Schreiben zugesendet, mit der Aufforderung ihre Einwilligung zum Verkauf an die Gesellschaft Albulus zu erteilen. In allgemeiner Form und vollkommen unspezifiziert teilte die Gesellschaft mit, dass es bei den Immobilien Instandhaltungsrückstände gebe. Leider wurden diese Instandhaltungsrückstände von Umfang und deren vermuteten Kosten her nicht beschrieben, sodass sich der Anteilseigner letztlich keine genauen Vorstellungen vom Wert der Immobilien machen konnte. Verhandelt wurde über einen Verkaufspreis von 45 Millionen Euro an Albulus, der zur Ablösung der Kredite ausgereicht hätte. Welche Verbindlichkeiten die Gesellschaft aber dann nach Ablösung der Kredite noch gehabt hätte, teilte der Geschäftsführer der Gesellschaft in dem Mitteilungsschreiben leider nicht mit. Erwartungsgemäß kam dann bei der Befragung der Anteilseigner zum Verkauf an Albulus schließlich auch keine ausreichende Mehrheit zustande. Lediglich rund 30 % der Anleger stimmten für einen Verkauf an Albulus. Nun müssen neue Wege oder neue Interessenten gesucht werden. Im schlimmsten Fall können eine Insolvenz und wohl auch eine Haftung der Gesellschafter drohen.

Ansprüche der Anleger und Drohen der Verjährung

Für den Anleger, der die Anlage zu einem Zeitpunkt gezeichnet hat, bei dem noch keine Verjährung eingetreten ist, gibt es die Möglichkeit wegen Mängeln des Prospekts Schadenersatzansprüche (aus Prospekthaftung) geltend zu machen. Ferner gibt es grundsätzlich auch die Möglichkeit, Ansprüche aus Beratungshaftung geltend zu machen, sofern hier keine Verjährung eingetreten ist. So müsste der Prospekt oder die Beratung durch einen Anlageberater dazu aufgeklärt haben, dass eine Gesellschafterhaftung für Verbindlichkeiten der Gesellschaft eintreten könnte. Zur Altersvorsorge ist eine solche Anlage mit Haftungsrisiken kaum geeignet, weil es für Rentner finanziell oft kaum möglich ist, solche Haftungsansprüche oder Nachschusspflichten zu erfüllen. Diese Ansprüche können sich also gegen den Prospektherausgeber und weitere Beteiligte sowie gegen den Anlageberater richten. Spätestens mit der entsprechenden Hauptversammlung, in der den Anlegern mitgeteilt worden ist, dass es bei der Gesellschaft Finanzprobleme gebe, dürfte die Verjährungsfrist von 3 Jahren anlaufen. Die maximale Verjährungsfrist bei Unkenntnis des Anlegers vom Anspruch und vom Anspruchsverpflichteten beträgt 10 Jahre. Die 10 Jahresfrist als maximale Frist des BGB, die zumeist bei Unkenntnis vom Anspruch eingreift, ist gesetzlich nicht auf das Jahresende abgestimmt, sondern kann unterjährig enden.

Der Verfasser des Aufsatzes bearbeitet seit Jahren derartige Kapitalanlagefälle und hat vertritt auch Anleger des Mega 4 Fonds.

Mitgeteilt durch: Rechtsanwalt Dr. Ulrich Walter Stoklossa (Bankkaufmann), Fachanwalt für Arbeitsrecht, Versicherungsrecht und Familienrecht Aschaffenburg, Marktheidenfeld und Würzburg


Rechtstipp vom 03.04.2018
aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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