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Probleme mit der Behandlung des Knies – die Kniegelenksinjektion, die Kniegelenkspunktion

Rechtstipp vom 17.04.2019
(2)
Rechtstipp vom 17.04.2019
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Probleme mit der Behandlung des Knies – die Kniegelenksinjektion, die Kniegelenkspunktion

Teil 1

Was versteht man darunter?

Bei einer Kniegelenkspunktion geht der Arzt mit einer Nadel in das Kniegelenk, um Gelenkflüssigkeit (Synovia genannt) aufzunehmen. Dieses so gewonnene Punktat führt er einer weiteren Untersuchung zu.

Bei einer Kniegelenksinjektion geht der Arzt ebenfalls mit einer Nadel in das Kniegelenk, um ein flüssiges Medikament einzuspritzen.

Indikation/Kontraindikation/korrekte Ausführung

Injektionen in das Kniegelenk, auch als intraartikuläre (= im Inneren eines Gelenks liegend) Injektionen bezeichnet, verfolgen den Zweck, ein flüssiges Medikament einzuspritzen.

Die Injektion in das Knie gibt dem Arzt z. B. die Möglichkeit, ein Schmiermittel, eine Art Gelenkflüssigkeit einzuspritzen, welches im erkrankten Gelenk durch fortgeschrittene Arthrose nicht mehr ausreichend vorhanden ist. In diesem Zusammenhang wird seit einigen Jahren Hyaluronsäure, eine industriell hergestellte Ersatzgelenksflüssigkeit, in das Kniegelenk eingespritzt, um die verlorene Viskosität zurückzubringen.

Hierdurch erhoffen sich Arzt und Patient oftmals eine an sich notwendige Implantation eines künstlichen Kniegelenks hinausschieben zu können.

Für intraartikulären Injektionen stellen Infektionen, Hautschäden und Hauterkrankungen in der Umgebung der Injektionsstelle eine Kontraindikation dar.

Die intraartikuläre Punktion, d. h. die Injektion in das Knie, dient dem Zweck, Gelenkflüssigkeit für weitere Untersuchungen zu entnehmen. 

Beides – die Injektion wie auch die Punktion in das Kniegelenk – erfordern eine sorgfältige Indikation.

Da jedes Eindringen mit einer Spritze in das Kniegelenk mit einem hohen Risiko einer Infektion verbunden ist, welche schwerste Folgen nach sich ziehen kann, werden an Injektion wie auch Punktion strenge Anforderungen gestellt.

So sind die Behandlungsräume regelmäßig zu reinigen und nach Kontamination mit erregerhaltigem Material zu desinfizieren. Dies gilt selbst dann, wenn nur der Verdacht einer Kontamination mit derartigem Material besteht.

Die Anzahl der Personen in dem Behandlungsraum ist für den Zeitraum der Injektion bzw. Punktion auf das Notwendige zu beschränken. Zur Erleichterung der Desinfektion und Verhinderung von weitergehender Kontamination wird empfohlen, bereits bei Verdacht auf eine Gelenkinfektion eine sterile wasserundurchlässig Einmalunterlage zu verwenden, wodurch auch die Entsorgung derselben vereinfacht wird.

Die vom Behandlungspersonal ausgehende Keimstreuung aus den oberen Luftwegen ist am geringsten, wenn nicht gesprochen wird. Deshalb sind Gespräche vor dem Öffnen von Ampullen/sterile Verpackungen bis zur Injektion/Punktion auf das Notwendigste zu beschränken.

Bei Infektion der Atemwege und regelmäßig bei Gelenkpunktion mit Spritzenwechsel (Diskonnektion) sind einmal Gesichtsmasken zu verwenden, die eine Filterwirkung von mindestens 99 % aufweisen. Eine Kontamination durch Kleidungsstücke ist zuverlässig zu vermeiden. Die Injektionsstelle und ihre Umgebung sind zu desinfizieren, nötigenfalls vorher zu reinigen.

Störende Körperbehaarung ist vor der Injektion/Punktion mit der Schere zu kürzen. Die Desinfektion erfolgt im Sprüh- oder Wischverfahren. Eine satte Benetzung der Haut ist erforderlich. Die Einwirkzeit muss mindestens 1 Minute betragen. Das Rasieren von Haaren im Injektions- oder Punktionsbereich wird nicht für sinnvoll erachtet, weil es bei der Rasur zu Hautverletzungen kommen kann, die wiederum eine Infektion begünstigen kann.

Von der Kleidung des Arztes darf keine Infektionsgefahr ausgehen. Vor der Injektion/Punktion hat er sich die Hände zu desinfizieren und sterile Handschuhe anzulegen. Gespräche sind auf das Notwendigste zu beschränken.

Bei einer Gelenkpunktion mit Spritzenwechsel ist stets eine Gesichtsmaske zu verwenden. Der Arzt hat sterile Einmalkanülen und sterile Einmalspritzen zu verwenden. Die steril verpackten Instrumente, ebenso wie Ampullen, dürfen erst unmittelbar vor der Injektion geöffnet werden.

Nach der Injektion bzw. Punktion ist die Injektionsstelle mit Wundschnellverband abzudecken. Bei vermehrten Beschwerden im behandelten Gelenk soll unverzüglich der Behandler oder, wenn dieser nicht erreichbar ist, ein anderer Arzt aufgesucht werden. Anfallendes Material ist nach der Punktion so zu entsorgen, dass davon keine Infektionsgefahr ausgeht.

Nach der intraartikulären Injektion oder Punktion soll der behandelnde Arzt dem Patienten mitteilen, wie dieser den Behandler bei eventuellen Komplikationen, insbesondere an Wochenenden, erreichen kann oder an wen er sich bei dessen Verhinderung wenden soll.
(AMWF - Leitlinien - Registernummer 029/006 Stand 08/2015)

Leider gibt es immer wieder Ärzte, die bei dieser Form der Behandlung nicht so vorgehen wie vorstehend beschrieben, wie mir zahlreiche Mandanten immer wieder berichten. Die Auswirkungen der Missachtung vorstehender Regelung werden nicht selten in eine Infektion des Kniegelenkes z. B. mit dem Keim Staphylococcus aureus, der dann in kürzester Zeit z. B. das Kniegelenk dermaßen beschädigt, dass nach einer langen Leidenszeit Implantation einer Kniegelenkprothese erforderlich macht.

Fortsetzung folgt.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Arzthaftungsrecht, Medizinrecht

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