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Pyrotechnik im Stadion: Teil der Fankultur oder gefährliche Straftat?

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Pyrotechnik im Stadion: Teil der Fankultur oder gefährliche Straftat?
Trotz Verbot werden in Stadien regelmäßig Bengalos abgebrannt.

Im Fußball geht es oft nicht nur auf dem Spielfeld heiß her. Choreografien und eine effektvolle Beleuchtung durch Pyrotechnik gehören für zahlreiche Fans einfach mit dazu. Dabei ist das Abbrennen sogenannter Bengalos (Bengalische Feuer) in aller Regel streng verboten. Ein bereits vorbestrafter Mann wurde dafür zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – ohne Bewährung.

Rauchgasvergiftung durch Abbrennen von Bengalos

Der Verurteilte, laut Gericht eines der führenden Mitglieder der Fan-Gruppierung „Hugos“, hatte im November 2012 das Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt besucht. Anfang der zweiten Halbzeit entrollte er wie von ihm geplant zusammen mit anderen Beteiligten ein Banner, um gegen einen geplanten Ausschluss der Gruppe von Fußballspielen zu protestieren.

In diesem Zusammenhang zündete die Gruppe, darunter der spätere Angeklagte persönlich, insgesamt 19 Seenotrettungsfackeln. Diese Bengalos leuchten nicht nur, sondern werden auch sehr heiß und können zu Verbrennungen führen. Außerdem kommt es zu einer erheblichen Rauchgasentwicklung. Durch die toxischen Gase erlitten mindestens acht an der Aktion nicht beteiligte Fans teilweise erhebliche Rauchgasvergiftungen.

Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung

Von der Staatsanwaltschaft wurde der inzwischen 25-jährige Planer der Aktion wegen gefährlicher Körperverletzung gemäß § 224 Strafgesetzbuch (StGB) angeklagt. Das Gesetz sieht allein für dieses Delikt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Zudem wurde ihm noch gemeinschaftliche Sachbeschädigung und ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen.

Das Schöffengericht verurteilte ihn deswegen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Auch das Landgericht (LG) in der Berufung und das Oberlandesgericht (OLG) in der Revision bestätigten die harte Entscheidung und lehnten eine Aussetzung zur Bewährung ab.

Verurteilung zu Freiheitsstrafe ohne Bewährung

Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren können gemäß § 56 Abs. 2 StGB zur Bewährung ausgesetzt werden. Das bedeutet, der Verurteilte muss nicht ins Gefängnis, solange er keine weiteren Straftaten begeht und sich auch im Übrigen an die Bewährungsauflagen hält.

Während bei Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr die Aussetzung zur Bewährung den Regelfall darstellt, müssen bei längeren Strafen laut Gesetz besondere Umstände vorliegen. In beiden Fällen ist aber eine Prognose anzustellen, ob eine Bewährungsstrafe ausreichend erscheint, den verurteilten Täter von weiteren Straftaten abzuhalten.

Der Betroffene in diesem Fall war bereits mehrfach und teilweise wegen vergleichbarer Vergehen verurteilt worden. Erst im Juni 2012 hatte das Amtsgericht Nürnberg eine Bewährungsstrafe gegen ihn verhängt. Auch davon ließ sich der junge Mann nicht vom Einsatz der Pyrotechnik im November 2012 abhalten. Das OLG bestätigte daher die Entscheidung der Vorinstanzen, dass die Haftstrafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wird.

(OLG Hamm, Beschluss v. 11.08.2015, Az.: 5 RVs 80/15)

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/mgillert


Rechtstipp vom 16.09.2015
aus der Themenwelt Straftaten und den Rechtsgebieten Sportrecht, Strafrecht

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