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Rechtstipp: Hundebiss

Rechtstipp vom 31.05.2016
Rechtstipp vom 31.05.2016

Vorsicht: Hund!

„Der will doch nur spielen.”, „Hunde, die bellen, beißen nicht.”

Jeder Tierhalter sollte sich so verhalten, dass sein Tier (Hund, Pferd, Rind, ...) möglichst niemanden und nichts schädigt. Im Ergebnis gelingt das leider nicht immer.

50.000 Hundebisse jährlich

Von ca. 50.000 jährlich in Deutschland medizinisch zu versorgenden Verletzungen nach Hundebiss(en) muss laut DGMKG (Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, 2013) ausgegangen werden. Neben Erwachsenen und Jugendlichen, werden sehr oft jüngere Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, Opfer eines Hundeangriffs – manchmal, weil sie vorangegangene Warnsignale (Knurren, Körpersprache) des Hundes nicht beachtet hatten. Insbesondere jene kleinen Kinder erleiden Verletzungen von Gesicht, Kopf, und Hand/Fingern, wenn ein Hund einmal oder mehrfach zugebissen hat. Die Bilder sind schrecklich – allen Beteiligten sollten solche Vorfälle und Erfahrungen erspart bleiben.

Ärztliche Behandlung notwendig

Gehen Sie zum Arzt. Ärzte müssen über schlimme (Biss-)Verletzungen hinaus unbedingt auch noch darauf achten, ob sich das Beiß-Opfer eine Infektion zugezogen hat; denn in Hundeschnauzen existiert oft eine für Menschen sehr gefährliche Keimflora, die für den Gebissenen sogar Lebensgefahr bedeuten kann.

Erfreulicherweise erzielt die Medizin heute sehr gute Behandlungsergebnisse – allerdings häufig erst nach langwierigen Behandlungen und Operationen. Neben großen Ängsten bleiben oft auch körperliche Dauerschäden (Gewebeverlust, Funktionsbeeinträchtigungen, Narben) zurück.

Haftung des Tierhalters, § 833 BGB

Gem. § 833 Satz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) haftet grundsätzlich der Tierhalter für Verletzungen und Sachschäden, die sein Tier jemandem zufügt. Die Vorschrift beschreibt eine sogenannte Gefährdungshaftung. Der Gesetzgeber will wegen des unberechenbaren tierischen Verhaltens und der dadurch hervorgerufenen Gefährdung von Leben, Gesundheit Eigentum Dritter, dass der Halter des Tieres haftet.

Nach § 833 Satz 2 BGB tritt eine Ersatzpflicht 
nicht ein, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, das dem Beruf, der Erwerbstätigkeit oder dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt ist, und entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde. Dieser Teil der gesetzlichen Vorschrift begründet eine Haftung des Tierhalters wegen – vermuteten – Verschuldens (Verschuldenshaftung); möglicherweise haftet der Tierhalter dann nicht.

Hier sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt, dass Schmerzensgeld- und Schadensersatz-Ansprüche auch aus anderen Gründen scheitern oder geringer ausfallen können, sodass es auf Ihren konkreten Einzelfall ankommt.

Haftpflichtversicherung

Im – unerwünschten – Falle eines Falles ist nach den vorstehenden Ausführungen (aber) von einer grundsätzlichen Haftung des Tierhalters auszugehen, sodass sich jeder Tierhalter durch einen entsprechenden Versicherungsvertrag finanziell absichern sollte: einen Tierhalter-Haftpflichtversicherungs-Vertrag, denn Schmerzensgeld- und Schadensersatz-Ansprüche belaufen sich leicht auf mehrere Tausend Euro. Hingegen bietet die Versicherungswirtschaft eine Fülle unterschiedlicher Verträge an, deren Kosten überschaubar sind.

Für Tierhalter ist es aber nicht nur sinnvoll, sondern sogar in zahlreichen Bundesländern für Hundehalter eine – bußgeldbewehrte – gesetzliche Pflicht, einen solchen Vertrag zur Haftpflichtversicherung abzuschließen. So sieht das niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden in § 5 die 
Pflicht vor, für die durch einen Hund, der älter als sechs Monate ist, verursachten Schäden eine Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 500.000 Euro für Personenschäden und von 250.000 Euro für Sachschäden abzuschließen.

Rechtsanwalt

Wegen erlittener Hundebissverletzungen sollten Sie sich anwaltlich vertreten lassen. Am besten von Anfang an. Bei der Gegenseite (regelmäßig Haftpflichtversicherer) arbeiten Profis – auch Sie als Geschädigter sollten sich professionell unterstützen lassen. Fragen Sie einen Spezialisten. 
Erhalten Sie das, was Ihnen zusteht – Schmerzensgeld und Schadensersatz. Außerdem tragen in der Praxis sogar häufig die Versicherer letztlich die Kosten der anwaltlichen Interessenvertretung.


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