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Reitstallhaftung bei Reitunfällen durch mangelhaften Reithallenboden

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Das Landgericht Potsdam ist der Ansicht, dass ein Betreiber eines Reitstalles für einen Unfall eines Reiters aufgrund eines mangelhaften Reitbodens haften kann. Bei einem Reitunfall, bei dem das Pferd aufgrund eines nicht ordnungsgemäß gepflegten und / oder aufgrund seiner Zusammensetzung mangelhaften Reitbodens wegrutscht und stürzt, haftet der Betrieb, wenn dem Geschädigten mittels eines Sachverständigengutachtens und Zeugenaussagen der Nachweis gelingt, dass das Pferd nicht von selbst, sondern aufgrund der Mangelhaftigkeit des Bodens gestürzt ist.

Zu beachten ist hierbei jedoch, dass den Reiter ein Mitverschulden treffen kann, sofern er Kenntnis von der Mangelhaftigkeit des Reitbodens hat. Für den Betrieb und dessen Haftung ist insbesondere bei der Zusammensetzung des Bodens maßgeblich, ob durch den Gutachter für Reitböden ungeeignete Stoffe im eingebrachten Reitboden gefunden werden und der Betrieb eine regelmäßige ordnungsgemäße Pflege durch - an die Nutzung angepassten - regelmäßigen Austausch des Bodens und ordnungsgemäßer Bewässerung und Bearbeitung (Pflege) nachweisen kann.

Sofern den Betreibern eines Reitbetriebes sogar nachgewiesen werden kann, dass sie wissentlich eine Gefährlichkeit des Bodens und damit Verletzungen von Tieren oder Reitern durch mangelhafte Pflege oder Einbringung ungeeigneter Stoffe in Kauf genommen haben, kann dies auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Je nach Zusammensetzung des Bodens, Witterungsverhältnissen und Auslastung, sind die Austausch- und Pflegeintervalle festzulegen. Bei extremer Trockenheit kann eine mehrmalige Beregnung mit entsprechender Einarbeitung erforderlich sein, um die Tritt- und Rutschfestigkeit des Bodens zu gewährleisten. Es kommt auch darauf an, ob regelmäßig die Pferdeäpfel beseitigt und nicht eingearbeitet werden. Der Boden hat aus mehreren geeigneten Schichten zu bestehen, Trag-, Trenn- und Tretschicht. Das häufig verwendete Hackschnitzel-Sandgemisch ist oft besonders pflegeintensiv, wenn eine Verkehrssicherheit des Bodens gewährleistet werden soll.

Aufgrund dieser gerichtlichen Hinweise kam es bereits in mehreren Fällen vor dem Landgericht Potsdam zu Beendigung der Rechtsstreite durch Vergleich. Die Betriebe mussten einen Teil des Schadens der verletzten Reiter tragen.


Rechtstipp vom 24.03.2011

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