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Scheidung – ein Leitfaden für die erfolgreiche Durchführung

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Sich einzugestehen, dass die eigene Ehe endgültig gescheitert ist, erfordert sehr viel Selbsterkenntnis und Kraft.

Doch die Folgeentscheidung, ob eine Scheidung eingereicht werden soll oder nicht, bleibt weiterhin schwierig.

Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, müssen Vor- und Nachteile einer Scheidung miteinander abgewogen werden.

Entgegen der weitläufigen Meinung bringt es steuerlich keine Vorteile verheiratet zu bleiben, denn auch getrennt lebende Ehegatten müssen die Steuer ab dem auf die Trennung folgenden Jahreswechsel allein veranlagen, um keine Steuerhinterziehung zu begehen.

Auch ein gemeinsames Sorge- und Umgangsrecht der Ehegatten bleibt durch die Scheidung unangetastet.

Für einen Ehegatten, der Unterhalt erhält, kann ein Abwarten lohnenswert sein, denn die Ehedauer ist auch für die Dauer der Unterhaltszahlungen relevant. Weiterhin wird der Unterhalt nach der Scheidung nach strengeren Maßstäben berechnet.

Auch bei unterschiedlichen Renteneinzahlungen kann eine späte Scheidung vorteilhaft sein, denn bis zur Scheidung nimmt der weniger einzahlende Ehegatte noch an den höheren Einzahlungen seines Partners teil.

Gleiches gilt auch im Hinblick auf das gemeinsame Vermögen, denn die meisten Ehegatten leben heutzutage in der sogenannten Zugewinngemeinschaft, bei der der eine Ehegatte bis zur Einreichung der Scheidung am Vermögenszuwachs des anderen partizipiert.

Ob eine frühe Scheidung somit vor- oder nachteilhaft ist, hängt meist wesentlich davon ab, in welcher finanziellen Position man sich befindet.

Auch hierbei kann Ihnen Ihr Anwalt bereits in einem diskreten Beratungsgespräch zur Seite stehen.

Ob früher oder später, spätestens sobald Ihre Entscheidung jedoch zugunsten einer Scheidung gefallen ist, sollten Sie Ihren Anwalt einschalten, um das weitere Vorgehen mit ihm zu besprechen.

In einigen Fällen leben die Ehepartner bereits seit längerem getrennt und die Scheidung ist eine bloße Formalität.

Bei einer solchen einvernehmlichen Scheidung können sich die Ehegatten zur Kostenersparnis auch gemeinsam von nur einem Anwalt vertreten lassen.

Dies ist vor allem in Fällen, in denen bereits im Vorwege alles Nötige zwischen den Ehepartnern geklärt wurde, ein Ehevertrag oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung vorliegt, von Vorteil.

Folgende Voraussetzungen müssen vorliegen, damit Ihr Anwalt den Scheidungsantrag beim zuständigen Amtsgericht stellen kann:

  • Die Ehegatten müssen seit mindestens 6 Monaten in Trennung leben. Hierbei reicht jedoch auch eine sogenannte Trennung von Tisch und Bett in der gemeinsamen Ehewohnung aus.
  • Vor Ausspruch der Scheidung müssen die Ehegatten gesetzlich seit einem Jahr getrennt leben, der sogenannte Versorgungsausgleich (d. h. die Verteilung der angesparten Renten während der Ehezeit) kann in den meisten Fällen aber bereits vorher durchgeführt werden. Da dieses Verfahren ca. 4-6 Monate dauern kann, ist die Einreichung des Scheidungsantrages bereits nach einer Trennung von sechs Monaten von Vorteil.
  • Ihr Anwalt hat folgende Unterlagen vorliegen: Familienstammbuch oder Heiratsurkunde (Kopie), Geburtsurkunde der gemeinsamen Kinder (Kopie), Formulare zum Versorgungsausgleich, Personalausweise der Ehegatten, evtl. Scheidungsfolgenvereinbarung (notarielle Beglaubigung), evtl. Prozesskostenhilfeantrag (mit Nachweisen über Gehalt, Mietvertrag und Verbindlichkeiten).

Über folgende Punkte müssen zwingend Regelungen seitens der Ehegatten getroffen werden:

  • Klärung von Kindes- sowie Ehegattenunterhalt.
  • Elterliche Sorge und Umgangsrecht bzgl. der gemeinsamen Kinder.
  • Klärung des Verbleibs der Ehewohnung sowie die Verteilung des Hausrats (hierzu gehören juristisch auch Tiere).
  • Verteilung des Zugewinns und des Versorgungsausgleichs.

Besonders wichtig ist natürlich auch die Kostenfrage.

Die Kosten einer Scheidung richten sich nach dem Streitwert.

Hierbei ist zunächst auf die Nettoeinkünfte beider Ehegatten abzustellen, welche dann mit 3 multipliziert werden.

Bei einem Nettoeinkommen des einen Ehegatten in Höhe von 2000 € und des anderen in Höhe von 1000 €, beläuft sich das Gesamteinkommen zum Beispiel auf 3000 €. Der Streitwert läge also bei 9000 €.

Soweit im Verfahren noch der Versorgungsausgleich durchzuführen ist, erhöht sich der Streitwert um 10 % für jedes Anrecht des dreifachen monatlichen Nettoeinkommens der Ehegatten.

Im Falle eines monatlichen Nettoeinkommens beider Ehegatten von 3000 Euro und Anrechten von beiden Ehegatten lediglich bei der gesetzlichen Rentenversicherung, ergibt sich ein Wert von 1800 € (3000 € x 3 = 9000 € x 10 % = 900 € x 2 Anrechte = 1800 €). Der Streitwert betrüge also 10.800 €.

Der Streitwert kann sich zudem noch durch Folgesachanträge wie beispielsweise die Geltendmachung von Zugewinnausgleichs- oder nachehelichen Unterhaltsansprüchen erhöhen.

Aus dem so berechneten Streitwert leiten sich dann die Anwalts- und Gerichtskosten ab.

Mit Einreichung des Scheidungsantrags bei Gericht werden zwei Gerichtsgebühren zur Einleitung des Scheidungsverfahrens fällig. Diese Vorschusspflicht entfällt lediglich bei der Bewilligung von Prozesskostenhilfe.

Bei jedem beteiligten Rechtsanwalt fällt weiterhin für das gerichtliche Verfahren eine vom Gericht festgesetzte 1,3 Verfahrensgebühr und eine 1,2 Termingebühr sowie Auslagenpauschale und gesetzliche Mehrwertsteuer an.

Auch in der Kostenfrage kann Ihnen Ihr Anwalt bereits im Erstgespräch schnelle und verbindliche Auskünfte geben.

Vermehrt wird die Alternative der Onlinescheidung in Betracht gezogen. Argument hierfür ist die Kostenersparnis.

Grundsätzlich sei hierzu gesagt, dass eine Onlinescheidung im Grunde genommen die gleichen Rechtsanwaltskosten und Gerichtskosten erzeugt, wie eine herkömmliche Scheidung und man sich lediglich den Weg in die Rechtsanwaltkanzlei spart.

Für die Onlinescheidung gibt es Formulare, die online ausgefüllt werden können.

Mittels dieser Formulare, einer Vollmacht, einer Kopie der Heiratsurkunde sowie der Geburtsurkunden der Kinder kann Ihr Anwalt dann direkt die Scheidung einreichen.

Dadurch, dass keine Termine abgestimmt werden müssen, spart man hierbei Zeit.

Empfehlenswert ist eine Onlinescheidung, wenn Einigkeit zwischen den Ehegatten besteht und die Scheidung lediglich noch eine Formalität ist.

Für eine erfolgreiche Durchführung Ihrer Scheidung steht Ihnen Ihr Anwalt gern zur Seite.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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