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Scheidung mit Auslandsbezug Teil 1 – Scheidungsantrag in Deutschland

  • 1 Minute Lesezeit

Eine immer wiederkehrende Frage bei Trennungen von Ehegatten mit Auslandbezug, ist: Kann der Scheidungsantrag in Deutschland gestellt werden?

Dies bedarf immer einer gesonderten Prüfung des Einzelfalls. Einige Voraussetzungen müssen jedoch in jedem Fall erfüllt werden.

Hierzu darf kein Scheidungsantrag in einem anderen Staat gestellt worden sein. Zu dieser Grundvoraussetzung muss eine der drei folgenden Konstellationen vorliegen:

1) Der gewöhnliche Aufenthalt beider Ehegatten liegt in Deutschland bzw. der letzte gewöhnliche Aufenthalt war in Deutschland und einer der Ehegatten lebt noch immer in Deutschland.

2) Der gewöhnliche Aufenthalt des Antragstellers liegt in Deutschland und er hält sich (bei ausländischer Staatsangehörigkeit) mindestens ein Jahr vor Antragstellung in Deutschland auf. Bei deutscher Staatsangehörigkeit des Antragstellers reicht ein halbes Jahr Aufenthalt in Deutschland vor Antragstellung aus.

3) Beide Ehegatten besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Zur besseren Veranschaulichung folgen einige Beispiele.

Beispiel 1: 

Beide Ehegatten sind spanische Staatsangehörige, leben aber in Deutschland. Die Ehegatten können den Scheidungsantrag entweder in Spanien oder in Deutschland stellen. Anknüpfungspunkt in dieser Konstellation ist entweder die gemeinsame spanische Staatsangehörigkeit, oder aber der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland. 

Beispiel 2: 

Ein französischer Staatsangehöriger ist mit einer italienischen Staatsangehörigen verheiratet. Leben beide Ehegatten in Deutschland, kann der Scheidungsantrag aufgrund des gewöhnlichen Aufenthaltes der Ehegatten in Deutschland gestellt werden. Kehrt der Franzose in sein Heimatland zurück, könnte der Scheidungsantrag auch in Frankreich gestellt werden. Hierzu müsste er sich mindestens sechs Monate vor Antragstellung in Frankreich aufhalten. 

Beispiel 3: 

Ein deutscher Staatsangehöriger ist mit einer griechischen Staatsangehörigen verheiratet. Wie bereits in Beispiel 2, kann der Scheidungsantrag in Deutschland gestellt werden, sofern die Ehegatten ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben bzw. zuletzt hatten, wenn einer der Ehegatten weiterhin in Deutschland lebt. Alternativ könnte der Scheidungsantrag in Griechenland gestellt werden, wenn der griechische Ehepartner mindestens sechs Monate vor Antragstellung seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Griechenland hat.

Hinweis:

Zieht ein Ehegatte ins Ausland, besteht immer die Gefahr, dass dort der Scheidungsantrag gestellt wird. Sollte der im Ausland gestellte Scheidungsantrag der zeitlich frühere sein, so sind die Scheidung und evtl. auch die Folgesachen im Ausland durchzuführen. Hier wird ganz nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vorgegangen. Mithin ist ein früher rechtlicher Beistand unabdingbar.

Um eventuelle Nachteile im Hinblick auf eine Auslandsscheidung zu vermeiden, ist eine frühzeitige individuelle Ausarbeitung eines Konzepts für die gesamte Trennungszeit und das darauf folgende Scheidungsverfahren notwendig. 

Gerne unterstütze ich Sie dabei, eine auf Ihre Situation maßgeschneiderte Lösung zu erarbeiten.

Carmen Pons Marti

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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