Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Schlaganfall, Demenz, schwere Krankheit? So schwebt man nicht im rechtsfreien Raum! – Teil I

(2)

Niemand denkt gerne über Situationen nach, in denen man außerstande geraten kann, seine eigenen Angelegenheiten zu besorgen und seinen freien Willen zu bilden und/oder diesen zu artikulieren.

Obwohl es unangenehm ist, sollte man darüber nachdenken, um im Fall der Fälle nicht willkürlichen Entscheidungen Dritter, möglicherweise gar Personen, die man überhaupt nicht kennt, ausgesetzt zu sein. Man sollte dafür Vorsorge treffen, dass rechtlich relevante Entscheidungen, die bezüglich der eigenen Person notwendig werden und die man infolge gesundheitlicher oder psychischer Probleme nicht (mehr) selbst treffen kann, von Personen getroffen werden, denen man vertraut und im wohlverstandenen eigenen Interesse.

Sich hiermit auseinander zu setzen, ist zugegebenermaßen eine ernste und nicht gerade angenehme Angelegenheit. Es ist aber notwendig, um zu verhindern, dass im Falle der eigenen vorübergehenden oder auch dauerhaften Geschäftsunfähigkeit Entscheidungen über die eigenen Vermögensverhältnisse oder gar die eigene Gesundheit und das eigene Leben von Dritten getroffen werden, die man nicht billigen würde, wäre man im Besitz seiner psychischen, physischen und geistigen Kräfte.

Die Instrumentarien der Wahl hierfür sind Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. An sich ist jedem zu empfehlen, diese drei Verfügungen zu Lebzeiten zu errichten, auch wenn man sich dafür eigentlich noch zu jung fühlt. Wer kennt nicht die Fälle, in denen jemand aus der Mitte des Lebens durch einen schweren Unfall herausgerissen wird, woran er zwar nicht stirbt, jedoch in einen Zustand verfällt, in dem er seinen Willen nicht mehr bilden und/oder nicht mehr artikulieren kann.

Ähnliches kann die Folge eines schweren Schlaganfalls sein oder aber sich infolge fortschreitender demenzieller Erkrankung schleichend ergeben.

Was dann passieren kann, wenn man für derartige Fälle nicht vorgesorgt hat, kann man in dem aufwühlenden Buch des Autors Matthias Thöns „Patient ohne Verfügung“ nachlesen. Dieses Buch befasst sich insbesondere mit den teilweise menschenunwürdigen Auswüchsen der sog. „Apparatemedizin“.

Dem nicht hilflos ausgeliefert zu sein, ermöglicht die Patientenverfügung. Durch diese wird eine Person des Vertrauens bevollmächtigt, den Betroffenen in Gesundheitsangelegenheiten, Aufenthaltsbestimmungsangelegenheiten, bei Entscheidungen über freiheitsentziehende Maßnahmen, Medikation, Einwilligung in Operationen oder sonstige ärztliche – insbesondere lebensverlängernde – Maßnahmen zu vertreten und alle Entscheidungen zu treffen, die an sich höchstpersönlicher Natur sind und eigentlich von dem Betroffenen selbst getroffen werden müssten.

Es empfiehlt sich, die Patientenverfügung ebenso wie die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung notariell beurkunden zu lassen.

Allerdings empfiehlt es sich auch, zuvor einen auf die Thematik spezialisierten Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin aufzusuchen, denn der Inhalt der Patientenverfügung ebenso wie der Inhalt der Vorsorgevollmacht und der Betreuungsverfügung sollte auf die Lebenssituation des jeweils Betroffenen ganz individuell abgestimmt sein. Notare haben hierfür häufig vorgedruckte Texte, die nur begrenzt individualisierbar sind. Gleiches gilt für etwaige Vordrucke aus dem Internet.

Die Patientenverfügung muss so genau und so ausführlich wie möglich formuliert sein, damit sie im Fall der Fälle der Person, die ihr Geltung verschaffen soll, ebenso wie den behandelnden Ärzten unmissverständliche Leitlinien dafür an die Hand gibt, was der Betroffene, der etwa unheilbar erkrankt ist und sich in einem Sterbeprozess befindet, wünscht oder nicht wünscht. Sehr oft wird beispielsweise künstliche Ernährung nicht gewünscht. Dann muss aber verfügt werden, dass Hunger und Durst auf natürliche Weise gestillt werden und insbesondere eine fachgerechte Pflege von Mund und Schleimhäuten sowie das Lindern von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Angst, Unruhe und anderer belastender Symptome erfolgt, erforderlichenfalls unter Zuhilfenahme bewusstseinsdämpfender Mittel zur Beschwerdelinderung, selbst wenn dies den Sterbeprozess verkürzt.

Häufig wird auch verfügt, dass im Sterbeprozess jedwede Wiederbelebungsversuche unterlassen und auf künstliche Beatmung verzichtet werden soll. Hierbei sollten jedoch Medikamente zur Linderung etwaiger Luftnot verabreicht werden, um kein unnötiges Leiden zu verursachen.

Ferner muss – falls nicht schon zu Lebzeiten geschehen – verfügt werden, wie hinsichtlich der Frage der Organspende zu verfahren ist.

Die angesprochenen Punkte sind nur einige Beispiele dessen, was alles in einer Patientenverfügung sinnvollerweise zu stehen hat, um keine irgendwie gearteten Auslegungsmöglichkeiten hinsichtlich des Patientenwillens offen zu lassen. Bestehen nämlich Unklarheiten, so sind Ärzte im Zweifel von Berufs wegen zur Lebenserhaltung verpflichtet.

Daher sollte der Anwalt, der eine Patientenverfügung zusammen mit einem Mandanten erstellt, zumindest Grundkenntnisse über Schwerstverläufe am Lebensende und die hierbei auftretenden Probleme besitzen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.