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Schöpfungsakt im Traum

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Schöpfungsakt im Traum
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Einerseits gibt es Menschen, denen würde es im Traum nicht einfallen, ein Buch zu schreiben. Andererseits gelingt es wiederum manchen, gerade im Traum ein Werk zu verfassen. So geschah es auch einer US-amerikanischen Professorin. Diese hatte in den Sechzigerjahren Wachträume, in denen ihr Jesus von Nazareth begegnete. Aus diesen Träumen entstand ein spiritueller Text, der als „A Course in Miracles“ später veröffentlicht wurde. Nun ist bekannt, dass Werke Urheberrechtsschutz genießen. Doch gilt das auch für erträumte Werke?

Copyright by Jesus?

Ein Verein aus Deutschland meinte, dass allenfalls Jesus ein Copyright an dem Text habe. Auf daraufhin von ihm im Internet veröffentlichte Textpassagen folgte jedoch eine Unterlassungsklage. Angestrengt hatte diese eine amerikanische Stiftung, der die Professorin 1998 das Copyright übertragen hatte. So musste am Ende das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main klären, wer denn nun Urheber des Traumwerkes ist: Jesus, die Frau oder keiner?

Eingebung ist kein Diktat

Für den beklagten Verein war klar: Die Worte stammten direkt von Jesus. Dieser habe diktiert, die Frau habe nur aufgeschrieben. In der Tat würde es nicht reichen, wenn einer nur erzählt und der andere aufschreibt. Korrekturen, Textglättungen, Recherchetätigkeiten und auch das Schreiben nach genauer Anweisung reichen nicht fürs Urheberdasein. Dafür kommt es vielmehr auf eine gewisse erreichte Schöpfungshöhe an. Für diesen Schöpfungsakt muss man mehr als bloße Schreibkraft sein. Eine Eingebung ist jedoch kein Diktat.

Persönliche geistige Schöpfung

Ist man demnach selbst Gestalter, dann kommt es auf das Wie der Schöpfung nicht an. In der Tat würden viele Werke keinen Urheberschutz genießen, wenn sie stets einen wachen Verstand voraussetzten. So sind Trance, gewisse Substanzen, Hypnose und selbst Geisteskrankheit eher Begleiter als Verhinderer des Urheberrechts. Das gilt insbesondere auch für jenseitige Inspirationen. Selbst das Grundgesetz weise einen Gottesbezug auf und wurzele im Metaphysischen, so die Richter. Schöpfer ist der, der die Eindrücke zum ersten Mal ausgedrückt hat. Entscheidend ist nur, dass es sich um eine natürliche Person handelt. So gilt auch für erträumte Werke ein Urheberrecht, das andere respektieren müssen. So war die Frau und niemand anderes hier die Urheberin des Textes.

(OLG Frankfurt am Main, Urteil v. 13.05.2014, Az.: 11 U 62/13)

(GUE)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 06.06.2014
aus dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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