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Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz - was Betroffene wissen müssen!

Rechtstipp vom 22.01.2016
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Rechtstipp vom 22.01.2016
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Die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht 2015 haben uns aufschrecken lassen. Frauen als Opfer sexueller Diskriminierung, der Mann als Täter. Das Patriarchat scheint wieder aufzuleben. Die sexuellen Übergriffe in der Domstadt u.a. legen offen, dass auch in Deutschland längst nicht alle gleichberechtigt sind und das Thema sexueller Gewalt gerne totgeschwiegen wird.

Nach aktuellen Angaben durch das Bundesamt für ... werden 24 % aller Arbeitnehmer Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz — und zwar Frauen und Männer! Fälle unsittlicher und sexueller Nötigung sind Bestandteil der Arbeitswelt, werden aber oft nicht angesprochen oder abgetan mit verstaubten Reden von „Männer sind halt so“ bis hin zu „Versteh es doch als Kompliment“. Kollegen und Co. gehen mit nett gemeinten Gesten oder Berührungen oft sehr weit. Doch wie weit, ist zu weit?

Rechtliches zur sexuellen Belästigung 

Grundsätzlich sieht das Gesetz vor, dass der Arbeitgeber seine Angestellten vor sexueller Belästigung schützen muss. Dabei beschreibt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sexuelle Belästigung als Verletzung der Würde betroffener Personen durch unerwünschte oder sexuell-bestimmte Verhaltensweisen. Dazu zählt u.a.

  • das Zeigen und Verbreiten pornografischer Darstellungen,
  • sexuelle Anspielungen,
  • scheinbar zufällige, sexuell-bestimmte Berührungen oder
  • die explizite, unerwünschte Aufforderung sexueller Handlungen. 

Alle genannten Formen lassen sich unter sexueller Gewalt fassen, neben der sexuellen Belästigung, Vergewaltigung oder dem sexuellen Missbrauch. Alle beschreiben die Situation, in der Personen gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen genötigt, gedrängt oder aufgefordert werden.

Die sexuelle Belästigung ist dabei extrem situationsbedingt und steht oder fällt mit dem subjektiven Empfinden des Opfers. Vor allem im Arbeitsrecht und beruflichen Alltag spielt das Ausspiel der Machtverhältnisse eine übergeordnete Rolle bei der sexuellen Belästigung: U.a. beginnt die sexuelle Belästigung bereits bei unerwünschtem Empfangen von Mails mit sexuellem Inhalt, aufdringlichen Blicken oder endet in der Androhung beruflicher Nachteile oder Erfolgs- und Vorteilsversprechen bei sexuellem Entgegenkommen.

Hilfe & Rat für die Opfer sexueller Belästigung

Betroffene und Opfer sexueller Gewalt am Arbeitsplatz sollten spezielle Hilfsangebote verschiedener, einschlägiger Beratungsstellen in Anspruch nehmen. Hier ist Hilfe auch telefonisch möglich. Der Weiße Ring oder Gewalt gegen Frauen sind bekannt und können an der richtigen Stelle eingreifen. Auch wenn es Überwindung kostet, ist auch der Gang zu unternehmenseigenen Beschwerde- oder Beratungsstellen hilfreich: Gleichstellungsbeauftragte oder der Betriebsrat. Sollten Fälle sexueller Belästigung seitens Kollegen oder gar des eigenen Chefs auftreten, ist Opfern anzuraten diese entsprechend zu melden. 

Im Falle des Falles ist anwaltliche Hilfe ebenso angebracht. Wir können an dieser Stelle rechtlich Beistand leisten und Opfer über Ihre Rechte aufklären. Darüber hinaus ist auch ein weiteres juristisches, möglicherweise auch gerichtliches Vorgehen zu bedenken – wir beraten Sie über Möglichkeiten und die Erfolgschancen eines arbeits- oder strafrechtlichen Verfahrens. 

Strafen für Sexualdelikte liegen hoch und wiegen schwer – für die Täter! Unsere Erfahrung zeigt, dass aufdringlichen Kollegen oder den Chef Abmahnungen, Entlassungen oder bei gestellter Strafanzeige bis zu 25 Jahren Haft erwarten. Dabei spielt die Schwere der Tat keine Rolle. 

Wichtig ist für Opfer und Betroffene eines in jedem Fall: Notieren Sie detailliert, was wann von wem gesagt wurde! Wenn Sie den Täter nicht namentlichen kennen, prägen Sie sich Merkmale im Gesicht ein, um möglichst exakt Aussagen treffen zu können!

Kommt es zu ungewünschter, sexuell-bestimmter Annäherung eines Kollegen oder des Vorgesetzten ist es notwendig, dass Opfer klar und deutlich ihren Widerwillen ausdrücken. Beziehen Sie, wenn möglich, umstehende Personen mit ein und machen auf sich aufmerksam – dies kann für Täter oft schon Abschreckung genug sein. 

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt – wehren Sie sich! 


aus den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Strafrecht

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