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Small Planet Airlines Insolvenz

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Nach derzeit verfügbaren Informationen hat die deutsche Small Planet Airlines GmbH, eine Tochtergesellschaft der gleichnamigen litauischen Fluggesellschaft, heute einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Die Fluggesellschaft informiert insoweit etwa auf ihren Webseiten selbst.

Demnach soll eine Sonderform des Insolvenzverfahrens, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, beantragt worden sein. Aussichtsreich ist ein solcher Antrag, wenn keine Umstände bekannt sind, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird. Die Fluggesellschaft kann ihre Geschäfte also zunächst selbständig weiterführen. Eine Überwachung und Kontrolle findet durch einen Sachwalter statt, den das Gericht bestellt. Ein vorläufiger Sachwalter soll für das derzeitige vorläufige Verfahren offenbar bereits bestimmt sein.

Betroffene Pauschalreisende

Fluggäste, die im Rahmen einer schon angetretenen Pauschalreise einen Flug mit der deutschen Small Planet Airlines (Flugnummer 5P xxxx) nutzen wollten, sollten sich umgehend an ihren Reiseveranstalter wenden und sich die Flüge bestätigen lassen oder eine Ersatzbeförderung verlangen. Als Vertragspartner steht in diesen Fällen der Veranstalter in der Verantwortung.

Ist die Reise noch gar nicht angetreten worden und wird vom Veranstalter keine zumutbare Ersatzverbindung zur Verfügung gestellt, so kann die ganze Reise gekündigt werden. Der Reisepreis ist dann vollständig zu erstatten und es kann wegen Reisevereitelung auch Schadensersatz verlangt werden. Reiserechtliche Ansprüche können auch schon bestehen, wenn die Reise durch Änderungen erheblich beeinträchtigt wird, etwa wegen einem Nachtflug statt einem vereinbarten Tagflug, oder bei Änderung der Reisedaten.

Betroffene sollten sich nicht in die „Stornofalle“ begeben. Eine Stornierung führt – anders als Kündigung oder Rücktritt – zu Stornokosten, die vom Reisenden zu tragen sind. Aufforderungen zur Stornierung seitens des Reiseveranstalters sollte nicht gefolgt werden. Stattdessen sollte Rechtsrat eingeholt werden.

Nurflugbuchungen

Reisende mit einer Nurflugbuchung genießen nicht den Schutz durch einen Veranstalter und werden sich selbst um Ersatz bemühen müssen, falls Flüge doch noch ausfallen.

Rückerstattungen bereits bezahlter Flugpreise können wohl nur erwartet werden, wenn der Flug nach dem Insolvenzantrag gebucht wurde. Davon raten wir dringend ab, da die Gegenleistung von Small Planet Airlines völlig ungewiss ist.

Fluggastrechtliche Ansprüche

Bei Annullierungen und großen Verspätungen können Zahlungsansprüche auf pauschale Entschädigungen sowie tatsächlich entstandene zusätzliche Kosten entstehen. Für neu gebuchte Flüge wird die Geschäftsführung die Einhaltung des Fluggastrechts insoweit zu gewährleisten haben. Andernfalls hätte das Luftfahrtbundesamt aus unserer Sicht sofort die Betriebsgenehmigung entziehen müssen und auch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wäre kaum zulässig. Wir beobachten die Vorgänge dazu weiter.

Bei bereits bestehenden und selbst gerichtlich festgestellten Zahlungsansprüchen aufgrund von vergangenen fluggastrechtlichen Vorfällen könnte es zu einem Ausfall kommen. Voraussichtlich werden solche Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet werden müssen, wobei derzeit völlig unklar ist, ob die Gläubiger letztlich wenigstens teilweise befriedigt werden können.

Sollten wir Ihnen als betroffenem Kunden behilflich sein können, so stehen wir gerne zur Verfügung und wünschen trotz der Umstände allzeit gute Reise!

Ihr Rechtsanwalt

Michael Habeck


Rechtstipp vom 19.09.2018
Aktualisiert am 16.10.2018
aus der Themenwelt Flugausfall und Flugstornierung und dem Rechtsgebiet Reiserecht

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