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Spanische Erbschaftsteuer – FAQ

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Nachfolgend werden Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema spanische Erbschaftsteuer beantwortet.

Muss ein Deutscher, Schweizer oder Österreicher spanische Erbschaftsteuer zahlen?

Wenn Sie mehr als 183 Tage in Jahr in Spanien wohnen, unterliegen Sie der unbeschränkten Steuerpflicht, d. h. der gesamte Nachlass unterliegt der spanischen Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer, also sowohl das in Spanien als auch das Vermögen in Deutschland. Vertiefend empfehlen wir unseren Beitrag zu den Grundlagen der spanischen Erbschaftsteuer. 

Gilt das auch, wenn ich weniger als 183 Tage im Jahr in Spanien wohne?

In diesem Fall unterliegt nur das spanische Vermögen (Inlandsvermögen) der spanischen Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer. Dies sind z. B. Grundstücke in Spanien und Bankguthaben bei einem in Spanien ansässigen kontoführenden Bankinstitut.

Wie hoch ist die spanische Erbschaftsteuer?

Die spanischen Erbschaftsteuersätze bewegen sich zwischen 7,65 % und 81,6 %. Die Höhe ist abhängig von Verwandtschaftsgrad, Höhe des vererbten Vermögens und der Höhe des Vermögens des Erbenden. Vertiefend empfehlen wir unseren Beitrag zu den Grundlagen der spanischen Erbschaftsteuer.

Welche Freibeträge gibt es bei der spanischen Erbschaftsteuer?

Nächste Angehörige (Kinder und Ehegatten) haben einen Freibetrag von jeweils ca. Euro 16.000. Daneben wird für Residente einen Freibetrag für den Erben der vom Erblasser in Spanien selbst genutzten Hauptwohnsitzimmobilie gewährt.

Was ist Plusvalía und fällt diese Steuer im Erbfall neben der spanischen Erbschaftsteuer an?

Neben der Erbschaftsteuer fällt im Erbfall auf den Wertzuwachs von Immobilien auch eine gemeindliche Wertzuwachssteuer an, sog. Plusvalía.

Warum wird das „Berliner Testament“ bei Spanien Vermögen zu einer Steuerfalle?

Das in Deutschland beliebte „Berliner Testament“ ist im Hinblick auf die Erbschaftsteuer bereits bei rein deutschen Vermögen problematisch. Bei Vererbung von Spanien-Vermögen wird das Berliner Testament zu einer wahren Steuerfalle, da in Spanien nur sehr geringe Freibeträge gewährt werden und somit 2-mal die volle – hohe – Erbschaftsteuer gezahlt werden muss: Das erste Mal bei Vererbung auf den überlebenden Ehegatten und ein zweites Mal bei Vererbung auf die Kinder.

Muss ich auch in meinem Heimatland (Deutschland, Schweiz) Erbschaftsteuer zahlen?

Spanien hat weder mit Deutschland noch mit Österreich oder der Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen auf dem Gebiet des Erbschaftsteuerrechts und des Schenkungsteuerrechts. Daher besteht im Grundsatz die Gefahr einer Doppelbesteuerung. In Deutschland ist die ganze Erbschaft steuerbar, wenn der Erwerber (z. B. Erbe) oder der Erblasser einen Wohnsitz oder Aufenthalt in Deutschland hatte. In Spanien kommt es hingegen nur auf den Erwerber (z. B. Erben) an; allerdings muss in jedem Fall das Vermögen in Spanien in Spanien versteuert werden.

Kann die spanische Erbschaftsteuer auf die deutsche Erbschaftsteuer angerechnet werden?

Eine Anrechnung der spanischen Erbschaftsteuer auf die deutsche Erbschaftsteuer ist nicht immer und vor allem nicht immer in vollem Umfang möglich. Auf jeden Fall zahlen Sie die höhere Steuer! Wenn der Erblasser in Deutschland lebte, ist die spanische Erbschaftsteuer auf spanische Kontoguthaben überhaupt nicht anrechenbar.

Stimmt es, dass einige spanische Bundesländer die Erbschaftsteuer abgeschafft haben?

In den letzten Jahren haben einige Bundesländer Vergünstigungen eingeführt, welche zum Teil zu einer fast völligen Freistellung in der Steuerklasse I und II geführt hatten. Allerdings gab es in den letzten Jahren wiederum zahlreiche Änderungen. So haben die Kanarischen Inseln z. B. die Vergünstigung wieder abgeschafft und dann in 2016 wieder in Kraft gesetzt. Die Balearen, Valencia und Katalonien haben die Vergünstigungen abgeschwächt. Insgesamt müssen zukünftige Erben damit rechnen, dass die Vergünstigungen eher abgebaut werden.

Wann verjährt die spanische Erbschaftsteuer?

Die spanische Erbschaftsteuer verjährt in 4 Jahren und 6 Monaten. Früher ließen viele deutsche Erben die Erbschaftsteuer daher einfach verjähren. Dies funktioniert auch heute in der Regel noch. Allerdings ist zu befürchten, dass sich diese Verwaltungspraxis ändert. Die gesetzliche Regelung kann auch so ausgelegt werden, dass die Verjährungsfrist erst zu laufen beginnt, wenn die spanischen Behörden von dem Erbschaftsanfall Kenntnis erlangen.

Ist eine Schenkung zu Lebzeiten zur Vermeidung der spanischen Erbschaftsteuer sinnvoll?

Bei der Schenkung einer spanischen Immobilie fällt Schenkungsteuer an. Diese ist genauso hoch wie die Erbschaftsteuer. Allerdings sieht die spanische Schenkungsteuer grundsätzlich keine Freibeträge vor, wobei es nach dem Recht einiger autonomen Regionen für das Familienheim Ausnahmen gibt. Die Alternative zum Verschenken ist der Verkauf an die Erben.

Kann es sinnvoll sein, die Immobilie auf eine spanische GmbH zu übertragen oder mit einer spanischen GmbH zu erwerben?

Das war lange ein praktiziertes Steuersparmodell, von welchem wir allerdings heute abraten. Auf legalem Weg kann die Steuer hierdurch nicht vermieden oder verringert werden.

Wann wird die spanische Erbschaftsteuer fällig?

Die spanische Erbschaftsteuer wird grundsätzlich innerhalb von 6-Monaten. Wird die Frist nicht gewahrt, drohen empfindliche Steuerzuschläge von bis zu 20 %. Allerdings ist in den ersten 5 Monaten nach dem Tod eine Verlängerung der Frist möglich.

Wie wird der Wert einer Spanien-Immobilie ermittelt?

Anders als das deutsche Steuerrecht wird auf den Verkehrswert („Valor Real“), also den Wert, der bei einem aktuellen Verkauf zu erzielt werden könnte, abgestellt. Wird die Immobilie nicht veräußert, können Sie aber auch den nach dem spanischen Vermögensgesetz bestimmten Wert (Katasterwert x Koeffizient) angeben ohne dass Ihnen Strafen drohen, wenn dieser niedriger ist als der Verkehrswert.

Vorsicht: Der deutsche Fiskus bewertet Auslandsimmobilien ebenfalls mit dem hohen Verkehrswert!

Gilt eine notarielle Vollmacht/Generalvollmacht auch über den Tod hinaus, wenn dies angeordnet wurde?

Nein, nach spanischem Recht enden Vollmachten immer mit dem Tod. Man kann zwar deutsches Recht wählen, dies werden spanische Grundbuchämter in der Regel nicht akzeptieren.


Rechtstipp vom 03.03.2008
Aktualisiert am 26.04.2017
aus der Themenwelt Alles rund ums Erbe und den Rechtsgebieten Erbrecht, Internationales Recht | Spanisches Recht

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