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Steuerliche Abziehbarkeit von Studienkosten

Rechtstipp vom 19.07.2018
Rechtstipp vom 19.07.2018

Für den Studenten von heute ist es aufgrund der sich in den letzten Jahren ständig veränderten Gesetzes- und Rechtslage kaum möglich zu wissen, ob die finanziellen Aufwendungen für das Studium steuerlich absetzbar sind bzw. wie diese behandelt werden.

1. Ausgangssituation:

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied schon im Jahr 2011, dass Erstausbildungskosten als Werbungskosten absetzbar sind. Dagegen richtet sich der Gesetzgeber und änderte das Einkommenssteuergesetz dahingehend, dass – wie bereits zuvor – die Kosten der Erstausbildung rückwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2004 nicht als Werbungskosten gelten.

Der VI. Senat des BFH legte in einem anderen Verfahren am 17. Juli 2014 dem Bundesverfassungsgericht die Frage vor, ob die derzeitige Regelung zur Absetzbarkeit der Erstausbildungskosten verfassungswidrig ist.

Der Status quo ist somit derzeit offen, da das Bundesverfassungsgericht bisher noch nicht über die Vorlagefrage entschieden hat.

Wichtig ist dabei anzumerken, dass die Unterscheidung zwischen der Erstausbildung und einer beruflichen Weiterbildung von entscheidender Bedeutung ist. Denn Weiterbildungskosten sind einfach als Werbungskosten von den Einnahmen die in einem Jahr erzielt werden abziehbar. Bei dem eben erwähnten Streit geht es jedoch nur auf die Absetzbarkeit von Erstausbildungskosten.

Denn derzeit können Aufwendungen für die berufliche Erstausbildung nur als Sonderausgaben in der Steuererklärung angesetzt werden. Das Problem an dieser Einordnung als Sonderausgaben ist, dass sich ein möglicher Steuervorteil nur in einem Kalenderjahr ergeben kann und ein Verlustvortrag für die Folgejahre nicht gegeben ist. Zudem ist der Abzug von Sonderausgaben erst dann für die Steuerminderung von Belang, wenn das Einkommen nach Abzug der Werbungskosten über dem Grundfreibetrag zuzüglich Werbungskostenpauschale liegt. Der Grundfreibetrag beträgt im Jahr 2018 9.000,00 € und die Werbungskostenpauschale 1.000,00 €.

2. Was bedeutet Erstausbildung bzw. Weiterbildung?

Kurz gesagt liegt eine Erstausbildung immer dann vor, wenn der Steuerpflichtige das erste Mal eine Ausbildung zu einem Beruf, wie z.B. ein Studium oder eine Berufsausbildung, welche die notwendigen Kenntnisse zur Ausübung eines Berufes vermitteln, abschließt. In § 9 Abs. 6 EStG werden die Voraussetzungen für eine Erstausbildung definiert. Der Gesetzgeber normiert dabei beispielsweise, dass die Ausbildungsdauer mindestens 12 Monate betragen und in Vollzeit (mindestens 20 Stunden wöchentlich) ausgeübt werden muss. Damit fallen beispielsweise Kurse zur Berufsorientierung oder Berufspraktika aus der Definition einer Erstausbildung.

Der Begriff der Weiterbildung umfasst auf der anderen Seite alle beruflich veranlassten Weiterbildungsmaßnahmen, die dem Steuerpflichtigen objektiv erkennbar für die spätere Erwerbstätigkeit dienen. Dies kann beispielsweise ein Masterstudiengang nach einem Bachelor Abschluss, ein Zweitstudium nach einem bereits abgeschlossenen Studium im In- oder Ausland oder aber ein Promotionsstudium sein.

3. Absetzbare Aufwendungen für die Ausbildung

Als „absetzbare Ausbildungskosten“ gelten zusammenfassend, jedwede finanziellen Aufwendungen, die mit der Berufsausbildung in Zusammenhang stehen. Dies sind beispielsweise die Kosten für Fachliteratur und Lernmittel im allgemeinen, Repetitoren, Sprachkurse (sofern für den Beruf notwendig), Arbeitszimmer oder die Kosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsort (0,30 € pro Kilometer).

Diese Aufwendungen werden je nachdem, ob es sich um Weiterbildungskosten oder Erstausbildungskosten handelt, als Werbungskosten oder Sonderausgaben behandelt.

Steuerlich berücksichtigt werden diese Aufwendungen, wenn diese in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht noch nicht über die Verfassungsmäßigkeit der Abziehbarkeit von Erstausbildungskosten entschieden hat, ist es möglich auch Erstausbildungskosten als Werbungskosten unter dem Hinweis auf das anhängige Verfahren am Verfassungsgericht geltend zu machen. Denn sollte das Bundesverfassungsgericht die jetzige Gesetzeslage als verfassungswidrig einstufen, sichert sich der Steuerpflichtige durch die Geltendmachung der Aufwendungen als Werbungskosten die Möglichkeit der Berücksichtigung durch das Finanzamt.

4. Fazit

Wollen Sie weitere Details und Informationen zum Thema Abziehbarkeit von Studienkosten, haben Sie fragen zu steuerlichen Themen, oder benötigen Sie Hilfe bei anderen steuerliche Themen, wie beispielsweise bei Einsprüchen gegen Steuerbescheide, dann kontaktieren Sie uns.

Kanzlei Dr. Senger und Senger


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

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