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Steuervorteile bei Unternehmensgründung in Kolumbien

Rechtstipp vom 07.04.2016
Rechtstipp vom 07.04.2016

Im Zuge des Skandals um die „Panama Papers“ steht das lateinamerikanische Gesellschaftsrecht im Fokus der Weltöffentlichkeit.

Kolumbien hat im Gegensatz zum Nachbarland Panama nicht den Ruf einer Steueroase.

Die Körperschaftsteuer in Kolumbien beträgt pauschal 25%.

Hinzu kommt eine „Gerechtigkeitssteuer“ (contribución empresarial para la equidad, kurz CREE) in Höhe von weiteren 9 %. In Wirklichkeit handelt es sich bei der CREE um eine zweite Körperschaftsteuer.

Auf Grund der beträchtlichen Steuerlast ist es umso wichtiger, in Kolumbien bestehende Steuervergünstigungen und Steuersparmodelle voll auszuschöpfen.

Der wichtigste Steuertipp für Unternehmensgründer ist die Inanspruchnahme der Steuervorteile des Gesetzes 1429 / 2010.

Dieses Gesetz erlaubt es neu gegründeten Startup-Unternehmen die Körperschaftsteuer in den ersten 5 Jahren ihres Bestehens drastisch zu reduzieren.

Die Standardform eines neu gegründeten kolumbianischen Unternehmens ist die sociedad por acciones simplificada, kurz S.A.S. Zu deren Gründungsablauf wird verwiesen auf dem Beitrag: Gesellschaftsgründung in Kolumbien leicht gemacht

Wichtig ist, dass das Jungunternehmen nicht mehr als 50 Angestellte haben darf und ihr Vermögen nicht mehr als 5.000 kolumbianische Mindestlöhne betragen darf (nach derzeitigem Wechselkurs ca. USD $1,1 Millionen), um die Steuervorteile des Gesetzes 1429 / 2010 nutzen zu können.

Das kolumbianische Finanzamt DIAN (Dirección de Impuestos y Aduanas Nacionales) verlangt zudem, dass die S.A.S. zumindest einen Angestellten mit einem regulären Arbeitsvertrag haben muss.

Das Unternehmen muss im Jahr seine Gründung eine detaillierte Mitteilung an die DIAN machen, dass es von den Vorteilen des Gesetzes 1429 / 2010 Gebrauch machen will (acogimiento a los beneficios tributarios de la Ley 1429). Etliche ausländische (und zum Teil kolumbianische) Unternehmer verschlafen diese Meldung, meist aus Unwissenheit. In diesem Fall sind die Steuervorteile verloren.

Werden die Steuervorteile rechtzeitig beantragt, so reduziert sich der Tarif der Körperschaftsteuer in folgender Weise:

  • In den ersten beiden Jahren reduziert sich der Tarif auf 0 %, d.h. es wird überhaupt keine Körperschaftsteuer gezahlt.
  • In den Folgejahren muss nur ein prozentualer Anteil des Grundtarifs der Körperschaftsteuer gezahlt werden. Wie oben beschrieben beträgt der Grundtarif derzeit 25 % auf den Unternehmensgewinn.

Im dritten Jahr nach Unternehmensgründung muss 25 % des Grundtarifs gezahlt werden, im vierten Jahr 50 % und im fünften Jahr 75 %.

Ab dem sechsten Jahr muss der volle Grundtarif bezahlt werden, d. h. 25 % Körperschaftsteuer auf den Unternehmensgewinn.

Das kolumbianische Steuerrecht sieht also einen progressiven Tarif der Körperschaftsteuer vor, der junge Unternehmen in der Gründungsphase entlasten soll.

Darüber hinaus sind Jungunternehmen in den ersten 5 Jahren nach ihrer Gründung vom System der so genannten „renta presuntiva“ befreit. Die „renta presuntiva“ (wörtlich: vermutetes Einkommen) führt dazu, dass auf Grund der Höhe eines bestimmten Vermögens ein bestimmtes Einkommen vermutet wird, auch wenn tatsächlich kein Einkommen deklariert oder nachgewiesen wird. Aufgrund der renta presuntiva kann also ein bestimmter Prozentsatz des Unternehmensvermögens von der DIAN als Körperschaftsteuer festgesetzt werden. Für Jungunternehmen, die sich die Vergünstigungen des Gesetzes 1429 / 2010 zunutze machen, besteht diese Gefahr in den ersten 5 Jahren nach ihrer Gründung nicht.

Außerdem brauchen sich diese Unternehmen in den ersten 5 Jahren nach Gründung über die Quellensteuer (retención en la fuente, engl: withholding tax) keine Sorgen machen. Normalerweise müssen auf Grund der Quellensteuer die Kunden des Unternehmens einen bestimmten Prozentsatz des Rechnungsbetrages als Vorschuss auf die Einkommensteuer des Unternehmens an die DIAN abführen. Damit die Kunden auf den Abzug der Quellensteuer verzichten, muss diesen nachgewiesen werden, dass für das Jungunternehmen die Steuervorteile des Gesetzes 1429 / 2010 gelten.

Die „Gerechtigkeitssteuer“ CREE wird im Gesetz 1429 / 2010 nicht erwähnt. Die CREE in Höhe von 9 % auf den Unternehmensbeginn wird deshalb ab Unternehmensgründung fällig.

Das Jungunternehmen ist gut beraten, dafür Sorge zu tragen, dass die Steuervorteile des Gesetzes 1429 / 2010 nicht verloren gehen. Der Verlust kann in 3 Fällen eintreten: Wenn das Unternehmen gegen seine steuerlichen Pflichten verstößt (insbesondere wenn Steuererklärungen nicht oder zu spät abgegeben werden oder Steuerschulden nicht, zu spät oder nur teilweise bezahlt werden), wenn das Unternehmen arbeitsrechtliche Sozialleistungen nicht oder nicht rechtzeitig abführt (zum Beispiel Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung oder Ähnliches) oder wenn das Unternehmen seiner Verpflichtung nicht nachkommt, jedes Jahr bis zum 31. März seinen Handelsregistereintrag zu erneuern (renovación de registro mercantil).

Umso wichtiger ist es daher, mit den gesetzlichen Pflichten der Gesellschaft stets im Reinen zu sein.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht | Kolumbianisches Recht

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