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Strafrechtliche Konsequenzen der Veröffentlichung intimer Fotos

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Der WhatApp-Messenger-Dienst ist aus unserer heutigen Gesellschaft kaum mehr wegzudenken. Allein in Deutschland hat WhatsApp nach eigenen Angaben vom 16. Januar 2014 mehr als 30 Millionen aktive Nutzer. Durch die App kann der Nutzer in kürzester Zeit und einfachster Weise Text- und Sprachnachrichten, Bild- und Video-Dateien sowie ganze Dokumente oder Standortinformationen verschicken; eine Kommunikationsmöglichkeit, die an Bequemlichkeit kaum zu überbieten ist.

Dieser Form der Bequemlichkeit allerdings ist es geschuldet, dass es zu einer Herabsetzung der allgemeinen Hemmschwelle des sozialen Miteinanders und Kommunizierens gekommen ist, die gerade jüngere Nutzer dazu verleitet, Frust und Wut via Social Media Luft zu machen. Wie schnell ist ein anfänglich im Vertrauen verschicktes Foto weitergeleitet, wie schnell ein böses Wort getippt, da der Konflikt von Angesicht zu Angesicht vermieden ist. Des Öfteren kommt es zu unüberlegten Mitteilungen jeglicher Art, deren Inhalte nicht selten unangebracht, geschmacklos, wenn nicht sogar moralisch verwerflich sind.

Derartige Unüberlegtheiten können sogar schwere strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Gerade jüngere Nutzer sind sich der Tragweite der eigenen Konsequenzen nicht bewusst, wenn sie zum Beispiel Nacktbilder weiterverschicken und verbreiten. Wer dies tut, macht sich strafbar. Immer öfter sind Polizei und Staatsanwaltschaft gezwungen, wegen genau solcher Vorfälle zu ermitteln.

Jüngst kam es zu einem solchen Vorfall im Landkreis Hildesheim. Die verschmähte ehemalige Freundin des Geschädigten, der ihr zu glücklicheren Zeiten eindeutige Bilder seines entblößten Intimbereichs zugesendet hatte, fühlte sich berechtigt, diese Bilder in einem WhatsApp-Gruppenchat zu verbreiten, um es ihrem ehemaligen Freund gehörig heimzuzahlen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein junger Mensch, der über Aufnahmen solcher Brisanz verfügt, diese nicht für sich behalten möchte. Es kam also, wie es kommen musste und nach kurzer Zeit verfügte ein Großteil der Schüler über die intimen Fotos des Geschädigten.

Das deutsche Strafgesetzbuch stellt mit § 201a Verletzungen des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen unter Strafe. Dies umfasst nicht nur die Herstellung solch sensibler Inhalte, sondern darüber hinaus auch die Übertragung und Zugänglichmachung ebendieser. Folglich hat sich nicht nur die Exfreundin des Geschädigten strafbar im Sinne dieses Gesetzes gemacht, sondern auch derjenige, der das Bild ebenfalls weitergeleitet hat. Das Strafgesetzbuch beschreibt in diesem Fall eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren für angemessen, je nach Schwere des konkreten Falls. Vorliegend wurde das Jugendstrafmaß angewandt, die Strafen waren demzufolge mild.

Es zeigt sich jedoch, dass eine solche Schädigung des höchstpersönlichen Lebensbereichs nicht kampflos hingenommen werden muss und Gesetz und Anwälte dafür kämpfen, den böswilligen Schädiger nicht straflos davonkommen zu lassen.


Rechtstipp vom 30.08.2016
aus der Themenwelt Soziale Netzwerke: posten, liken und teilen und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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