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Strahlender Nachbar als Störfaktor?

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Strahlender Nachbar als Störfaktor?
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Gründe für einen Nachbarschaftsstreit gibt es viele: etwa ein Gartenzwerg, der dem Anwohner nebenan ständig den Mittelfinger zeigt, ein Maschendrahtzaun oder auch laut quakende Frösche im Nachbarsteich. Die nächtlichen Musikkonzerte der grünen Hüpfer können einem manchmal aber auch wirklich den Schlaf rauben. Dagegen muss ein Nachbar sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Er darf nach Ansicht des Amtsgerichts (AG) Siegen die Lampen auf seinem Grundstück nachts vielmehr leuchten lassen.

Nachbar bringt Licht ins Dunkel

Vor dem AG kam ein Nachbarschaftsstreit der besonderen Art ans Licht. So fühlten sich Anwohner von dem „grellen" Leuchten einer Außenlampe ihres Nachbarn gestört, das nachts seinen Weg sowohl in ihr Wohnzimmer als auch ins Schlafzimmer fand und sie am Einschlafen hinderte. Der helligkeitsliebende Nachbar fühlte sich dagegen hinters Licht geführt: Schließlich benutze er lediglich eine 9-Watt-Energiesparlampe - das entspricht gerade einmal einer 40-Watt-Glühbirne - und die Entfernung zwischen der Lampe und dem angrenzenden Gebäude betrage ganze sechs Meter. Das könne doch unmöglich zu einer unzumutbaren „Bestrahlung" führen. Daraufhin erwiderten die schlafbedürftigen Nachbarn, dass der Lampenbesitzer die Beleuchtung doch wenigstens für die nächsten drei Jahre ausschalten könne, bis ihre Pflanzen so hoch gewachsen seien, dass sie als Sichtschutz dienen könnten. Als deren Nachbar jedoch gerade kein Gras über die Sache wachsen lassen wollte, zogen sie vor Gericht.

Gericht erteilt Lampenbesitzer grünes Licht

Das AG hielt den Lichteinfall ins Nachbargebäude nicht für unzumutbar. Grund dafür war schließlich nur eine 9-Watt-Energiesparlampe, kein für Flutlicht sorgender Strahler. Es könnte aber eine besondere Lichtempfindlichkeit bei den bestrahlten Nachbarn vorliegen. In diesem Fall müsste ihnen aber selbst ein Licht aufgehen, wie sie der behelligenden Lichtquelle entgehen könnten. So könnten etwa immergrüne, frostunempfindliche und dicht wachsende Pflanzen wie z. B. Lorbeerbäume Abhilfe schaffen und für die gewünschte Dunkelheit sorgen.

Unzumutbar war es dagegen für ihren Nachbarn, für die nächsten drei Jahre nachts in völliger Dunkelheit leben zu müssen. Das Gericht rückte hier die Tatsache ins rechte Licht, dass ein Anwohner schon allein deswegen für ein gewisses Leuchten auf dem Grundstück sorgen muss, damit sich niemand verletzt, indem er z. B. blind wie ein Maulwurf auf die Nase fällt. Ob und wann nachts für Erleuchtung gesorgt wird, ist daher allein Sache des Hauseigentümers.

(AG Siegen, Urteil v. 08.04.2003, Az.: 12 C 591/02)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 21.10.2013
aus der Themenwelt Nachbarn und dem Rechtsgebiet Grundstücksrecht & Immobilienrecht

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