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Streikfall – Was bekommen Flugreisende?

Rechtstipp vom 16.02.2012
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Streikfall – Was bekommen Flugreisende?
Auch bei Flugstörungen wegen Streiks haben Flugreisende zahlreiche Rechte.

Der aktuelle Streik am Frankfurter Flughafen führt zu erheblichen Flugausfällen. Reisende sollten daher ihre Fluggastrechte kennen. Diese hängen von verschiedenen Umständen ab. Stockende Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag sorgen zur Zeit für erhebliche Probleme im Flugverkehr. Reisende sollten deswegen ihre Fluglinie, Pauschalreisende dagegen ihren Reiseveranstalter kontaktieren. Nur so können sie sicher von Ersatzflügen erfahren. Die erlangten Informationen sollte man festhalten, etwa durch Namensnotiz der Ansprechperson oder per Screenshot der betreffenden Unternehmensseite. Das erleichtert den Nachweis bei später auftretenden abweichenden Meinungen.

Flug gestrichen: Stornierung oder späterer Flug möglich

Passagiere, die am Boden bleiben müssen, weil ihr Flug gestrichen wurde, können wählen: Entweder sie stornieren den Flug beziehungsweise die Reise und erhalten das Geld zurück oder sie nehmen stattdessen einen späteren Flug. Wann der stattfindet, liegt aber an der Fluglinie. Bis sich der Flugbetrieb wieder normalisiert hat, kann das dauern. Deshalb bieten manche Flugunternehmen auch Zugfahrten als Alternative an. Ohne deren vorherige Zusage sollte aber nicht eigenmächtig ein Zugticket erworben werden. Pauschalreisende sollten sich zusätzlich an den Reiseveranstalter wenden, da der Flug ein Bestandteil des Reisevertrags ist.

Fluggastrechte-Verordnung der EU hilft auch bei Verspätungen

Seit 2005 gewährt die Fluggastrechte-Verordnung der Europäischen Union festsitzenden Reisenden neben den soeben genannten Möglichkeiten noch weitere Rechte. Entscheidend ist, dass der Flug zumindest einen EU-Flughafen als Start- oder Zielort hat. Von der Verordnung profitieren nicht nur Reisende, die von Frankfurt aus abheben wollen, sondern auch diejenigen, die auf anderen Flughäfen deshalb länger verweilen müssen. Der Umfang der Ansprüche richtet sich einerseits nach der Flugstrecke. Die bestimmt sich anhand eines Kreises, in dessen Mittelpunkt der Abflugflughafen liegt. Die entscheidenden Entfernungen zum Zielort betragen dabei 1500 km beziehungsweise 3500 km. Außerdem mitentscheidend ist die Dauer der Verspätung. Die Zeit läuft mit dem Check-in. Bei fehlenden Vorgaben sich am Schalter einzufinden, ist die dortige Anwesenheit mindestens 45 Minuten vor der Abflugzeit erforderlich. Pflicht der Fluglinie ist unter anderem die Betreuung der Reisenden ab zwei Stunden Verspätung bei Flügen bis zu 1500 km, ab drei Stunden bei Flügen zwischen 1500 km und 3500 km und ab vier Stunden bei weiteren Strecken. Das Unternehmen hat die Wartenden kostenlos mit Essen und Trinken, mit Telekommunikationsmöglichkeiten und gegebenenfalls mit Hotelunterkunft inklusive Transport zu versorgen. Wer länger als fünf Stunden warten muss, kann den Flug stornieren und die Rückerstattung des Ticketpreises innerhalb von sieben Tagen verlangen. Stattdessen steht dem Wartenden auch der kostenlose Flug zum letzten Startpunkt zu. Unterblieb die Verpflegung, gibt es Ersatz für die Selbstversorgung. Der weitere, für alle Reisenden ab drei Stunden Verspätung vorgesehene, Schadensersatz scheitert aber wohl an dem Ausschlusskriterium der „höheren Gewalt". Dieses umfasst stets auch streikbedingte Flugbeeinträchtigungen. Sicherheitshalber sollte man sich den konkreten Verspätungsgrund daher vom Flugunternehmen bestätigen lassen.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/Sven Grundmann


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Reiserecht

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