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Streit um Urheberschaft: Musiker, Texter und Komponisten als Urheber

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Urheberrecht, Musikrecht, Mediation: Was haben die drei Begriffe miteinander zu tun?

Seit Mitte der 90er Jahre betreue ich Künstler, Komponisten und Texter bei ihren Vertragsangelegenheiten. Häufig auftretende Fragen sind die Frage nach der Urheberschaft eines Liedes oder eines Textes und wie man es im Streitfalle beweist, dass man tatsächlich Urheber des Liedes oder des Textes ist.

Aktuell ging es um die Frage der Urheberschaft des Refrains eines Liedes, dass als Wiesnhit 2012 für das Münchner Oktoberfest geschrieben wurde.

Wie so oft hat man sich „unter Kollegen" ausgetauscht, sich über „Wiesnthemen" unterhalten, rumgeblödelt, sich über mögliche Texte unterhalten. Eine geraume Zeit danach bekamen zwei der Texter unabhängig voneinander den Auftrag, einen möglichen Text zu einem bestimmten Wiesnthema zu texten. Beide Texter kannten sich nicht persönlich, der eine textete auf eine eher rockige Komposition, der andere auf eine volkstümliche Polka.

Der Auftraggeber entschied sich für die rockige Nummer und den dafür geschriebenen Text. Das Lied und der Text wurden veröffentlicht und nunmehr bemerkte der Texter der Polka signifikante Überschneidungen seines Textes mit dem des anderen Texters, insbesondere in Bezug auf den Refrain des Liedes.

Man kann sich vorstellen welcher Streit und welche Unterstellungen zwischen den Beteiligten losbrachen. Man wollte einstweilige Verfügungen beantragen und sich gegenseitig mit kostenintensiven Klagen überziehen.

Das Problem war, dass es keinerlei schriftliche Vereinbarungen gab, Textentwürfe nicht mit Datum versehen und schon gar nicht beweissicher etwa bei einem Notar oder Rechtsanwalt hinterlegt worden waren.

Ein erster Tipp an dieser Stelle: Dokumentieren Sie Vereinbarungen bzw. Aufträge, egal ob als Texter oder Komponist, und versehen Sie diese mit Datum. Dadurch entstehen Dokumente oder gar Verträge, die man im Streitfall vorlegen kann. Solche „Aufzeichnungen" werden dann zu Verträgen, wenn sie von den Beteiligten mit einer Unterschrift versehen werden.

Lassen Sie sich also gegenzeichnen, was als vereinbart gilt bzw. was Sie als vereinbart verstanden haben. Auch ich liebe „Hand-shake-Deals" - also man gibt sich die Hand drauf und diese Vereinbarungen halten auch oft - „Auch ein mündlicher Vertrag ist ein gültiger Vertrag" -, nur leider lässt sich das, was tatsächlich vereinbart wurde, nur selten beweisen, wenn es dann zum Streit kommt. Und es ist schon erstaunlich, an was man sich dann manchmal erinnert oder welche Wahrnehmung man hat.

Und gleich ein zweiter Tipp: Versehen Sie Textentwürfe oder Kompositionen immer mit einem Datum, dokumentieren Sie damit den Entstehungszeitpunkt der Urheberschaft. Es geht hier um Fragen der Priorität und Schöpfung, wie es der Jurist nennt; zu empfehlen ist die beweissichere Hinterlegung des urheberrechtlich geschützten Werkes bei einem Rechtsanwalt oder Notar.

Aber zurück zum oben geschilderten Fall.

Nachdem die Beteiligten über die Risiken von einstweiligem Rechtsschutz, Klagen und Widerklagen sowie möglichen Schadensersatzansprüchen aus den jeweiligen vermeintlichen Rechtswahrnehmungen informiert wurden, war man bereit, aufeinander zuzugehen und nach einer einvernehmlichen interessengerechten Lösung zu suchen.

Die Partien haben es in wenigen Mediationssitzungen geschafft, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die zukünftige Zusammenarbeit der Beteiligten wurde in einer Vereinbarung schriftlich notiert und nunmehr hoffen alle, dass der vermeintlich Wiesenhit tatsächlich „durch das Zeltdach knallt".

Fragen rund um Urheberrechte haben gerade unter Künstlerkreisen oft etwas mit Vertrauen, Hoffnung, Karriere, Durchbruch, Erfolg und Misserfolg, Wünschen und Versprechungen zu tun, man gibt ein Stück von sich und wird dann bitter enttäuscht.

Gerade wenn so viel auf dem Spiel steht, empfehle ich alles vertraglich abzusichern. Es sollten Verträge sein, die die Beteiligten verstehen und in denen das wirklich Gewollte vereinbart wird. Eben nicht Standartverträge aus der Branche, die oft zwar viel regeln, aber eben nicht immer das für den jeweils Beteiligten wirklich Wichtige.

Wenn sie als Künstler, Komponist, Texter, Produzent oder als sonstiger kreativer Mensch in Bezug auf die Wahrnehmung und Berücksichtigung Ihrer Rechte Fragen oder Probleme haben, helfe ich Ihnen gerne in allen Vertragsangelegenheiten oder Auseinandersetzungen mit Ihren vermeintlichen Partnern.

Bei Fragen fragen.

Rechtsanwalt Max Jelinek

Office@imkki.de

0173 9590717

08075 2980710


Rechtstipp vom 20.09.2012
aus dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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