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Strukturierung von Offshore-Gesellschaften: Checkliste – Handlungsbedarf nach den Panama Papers

Rechtstipp vom 09.04.2016
Rechtstipp vom 09.04.2016

Eine bisher nur Insidern bekannte global tätige Anwaltskanzlei mit Hauptsitz in Panama hat es durch offensichtlich unzureichende Sicherheitsmaßnahmen ermöglicht, dass deren gesamter Datenbestand aus fast vierzigjähriger Berufstätigkeit in unbefugte Hände gefallen ist. Die vertraulichen Informationen befinden sich seit mehr als einem Jahr in der Hand von über 100 Journalisten. In welchem Umfang diese Daten letztendlich der Öffentlichkeit sowie den Strafverfolgungsbehörden zur freien Verfügung stehen werden, ist offen. 

Jeder Steuerzahler, der in irgendeiner Form in Offshore-Gestaltungen eingebunden ist oder war, fragt sich gegenwärtig zu Recht, welche Auswirkungen sich aus den Panama Papers für ihn ergeben. Die nachfolgende Checkliste aus der aktuellen Praxis soll acht wichtige Gesichtspunkte aufzeigen:

1. Was sollte bezüglich bestehender Geschäftsbeziehungen zur betroffenen Kanzlei in Panama unternommen werden?

  • Empfiehlt sich die Kündigung der Mandatsbeziehung mit der Aufforderung zur Aktenherausgabe?
  • Sollte das Mandatsverhältnis ruhend gestellt und abgewartet werden, bis sich die Wogen geglättet haben?
  • Ist es sinnvoll, das Auftragsverhältnis unverändert fortzuführen und zusammen mit dieser Panama-Kanzlei eine Schadensbegrenzung zu versuchen?

2. Welcher Personenkreis ist direkt oder indirekt ein Mandant dieser Panama-Kanzlei gewesen?

  • Wird die gegenwärtige Aktenauswertung voraussichtlich zu weiteren Ergebnissen führen?
  • Welche Zwischenhändler und Vermittler wurden von der Panama-Kanzlei in der Vergangenheit eingeschaltet?
  • Welche deutsche und ausländischen Banken haben mit der Panama-Kanzlei typischerweise zusammen gearbeitet?

3. Welcher Dominoeffekt der aktuellen Entwicklungen steht allen Offshore-Investitionen bevor?

  • Sind Razzien bei anderen (auch deutschen) Anwaltskanzleien zu erwarten?
  • Welche Policy-Auswirkungen wird es bei den Offshore-Anbietern, Banken und sonstigen Beteiligten geben?
  • Welche Gesetzesänderungen sind zu erwarten und wie kann man sich hierauf frühzeitig einstellen?

4. Was erbringt eine unabhängige Prüfung der bestehenden Offshoregestaltungen?

  • Welche Steuerrisiken ergeben sich aus der konkreten Offshore-Struktur des Steuerzahlers?
  • Wie hoch sind die Entdeckungsgefahren gegenwärtig und zukünftig?
  • Welcher unmittelbare Handlungsbedarf ergibt sich aus den Panama Papers?

5. Welchen Einfluss haben die Panama Papers auf den eingesetzten Strohmann bzw. Nominee?

  • Werden die eingeschalteten Personen aufgrund einer Kronzeugenregelung nunmehr zum Gegner ihres Auftraggebers?
  • Werden die Personen, nachdem die bestehenden Strukturen aufgedeckt sind, dies zum Anlass nehmen, die Vermögenswerte zu veruntreuen?
  • Welche Fluchtgefahren gibt es bezüglich der Nominees, Registrierungsagenten und sonstiger Offshore-Beteiligter?

6. Wie kann eine bestehende Offshorestruktur regelgerecht aufgehoben werden?

  • Welcher Maßnahmenkatalog empfiehlt sich, um die Offshore-Struktur (unbemerkt) zu beseitigen?
  • Welche Steuerauswirkungen haben die Aufhebungsmaßnahmen?
  • Welche Entdeckungsgefahren ergeben sich im Rahmen der Aufhebungsmaßnahmen?

7. Wie kann Offshorevermögen an einen sicheren Standort verlagert werden?

  • Welche Transaktionsgefahren führen zu einem Verlustrisiko?
  • Welche Devisenbeschränkungen gelten für die Repatrisierung?
  • Welche Anlagealternativen ergeben sich für Offshorevermögen?

8. Welchen Handlungsbedarf bewirkt die Offshoreinvestition in Deutschland?

  • Welche Umstrukturierung ist im Heimatland durchzuführen?
  • Welche Mitteilungspflichten sind jetzt zu erfüllen?
  • Wie ist die Ausgangssituation bezüglich einer steuerlichen Selbstanzeige?

Im Bereich des internationalen Steuerrechts gilt der Grundsatz „Wer fast alles richtig macht, macht in Ergebnis alles falsch“. Wer von internationalen Steuervorteilen profitieren will, muss die Spielregeln kennen. Die Prognose sei erlaubt, dass eine kluge und realistische Offshore-Steuerplanung durch die aktuellen Enthüllungen im Ergebnis gestärkt wird. Es gibt da keine leichten, aber es gibt richtige Antworten und Wege.


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