Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Super Bowl Sunday – Ausschlafen am Arbeitsplatz?

aus den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Sportrecht
Super Bowl Sunday – Ausschlafen am Arbeitsplatz?
Weltweit ist American Football vor allem durch den Super Bowl bekannt.

American Football findet auch hierzulande immer mehr Fans. Schließlich bietet insbesondere der Super Bowl neben dem Sport auch noch ein gigantisches Rahmenprogramm.

Dieses Jahr hat sich das Wachbleiben bis zum Ende des Spiels wirklich gelohnt: Die New England Patriots konnten gegen die Atalanta Falcons im letzten Viertel einen 25-Punkte-Rückstand aufholen und damit eine Verlängerung erzwingen. Das gab es noch nie in einem Super Bowl!

Aufgrund der Zeitverschiebung in Deutschland fand das Spiel wie immer mitten in der Nacht statt und dauerte dieses Jahr aufgrund der Verlängerung noch länger als gedacht. Arbeitgeber müssen daher am Morgen für müde Mitarbeiter doch sicher Verständnis aufbringen, oder doch nicht?

Freizeitgestaltung bleibt frei

Außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten darf jeder Beschäftigte seine Freizeit grundsätzlich so verbringen, wie er das gerne möchte. Wer beispielsweise das Wochenende mit Feiern, Sport oder einfach nur viel Schlaf verbringen möchte, darf das ebenso wie nachts aufstehen oder gleich wachbleiben, um den Super Bowl mit der legendären Halbzeitshow live mitzuerleben. Arbeitgeber haben da prinzipiell nichts mitzureden.

Andererseits setzt auch ein mediales Großereignis wie das American-Football-Finale Arbeitsverträge nicht außer Kraft und entbindet Beschäftigte nicht davon, am nächsten Tag wieder an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen – und zwar in arbeitsfähigem Zustand. Direkt nach dem Spiel ins Büro und dort erstmal ausschlafen geht also grundsätzlich nicht. Bezahlt werden will man ja schließlich auch weiter. Aber wie bekommt man nun beide Interessen am besten zusammen?

Arbeitsfähigkeit aufrechterhalten

Eine selbstverschuldete Übermüdung ist nicht mit einer unverschuldeten Krankheit gleichzusetzen, auf die der Arbeitgeber Rücksicht zu nehmen hat. Wer sich arbeitsunfähig krankmeldet, muss damit rechnen, dass der Chef ein Attest verlangt. Dazu ist er berechtigt, und zwar nicht, wie viele denken, erst ab dem 3. Krankheitstag, sondern grundsätzlich jederzeit.

Dazu kann es eine Pflichtverletzung darstellen, wenn sich ein Mitarbeiter bewusst in seiner Freizeit so verhält, dass er später seine Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß erledigen kann. Das führt regelmäßig zu Problemen im Betrieb und nicht selten auch zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, von einer Abmahnung bis hin zu Kündigung.

Wer sich also nächtliche Sportereignisse nicht entgehen lassen will, sollte sich daher lieber rechtzeitig einen Tag Urlaub genehmigen lassen. Auch ein Abbau von Überstunden, die Ausnutzung von Gleitzeitregelungen oder was immer im Betrieb und arbeitsvertraglich zugelassen ist, kann an solchen Tagen helfen, Schwierigkeiten von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Eingeschlafenes Zugpersonal

Eine Entscheidung zum Einschlafen am Arbeitsplatz gibt es auch vom Arbeitsgericht (ArbG) Köln. In dem Fall war eine im Zugrestaurant beschäftigte Bahnangestellte eingeschlafen. Zu Schichtbeginn hatte sie der Zugchefin noch gesagt, dass es ihr nicht gutginge. Formal beim zuständigen Service-Center krankgemeldet hatte sie sich hingegen nicht. Die Restaurantleiterin hatte zugesagt, sie zu wecken, wenn ihre Mitarbeit notwendig wäre. Tatsächlich hat die Betroffene erst auf der Rückfahrt des Fernzugs ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Die Arbeitgeberin kündigte daraufhin aus verhaltensbedingten Gründen. Es könne schließlich nicht angehen, dass man Mitarbeiter fürs Schlafen bezahlt. Zuvor hatte es bereits drei Abmahnungen gegeben, zwei wegen Zuspätkommens zum Dienst. Das Gericht hielt die Kündigung dennoch für unwirksam. Aufgrund der zumindest fraglichen Arbeitsfähigkeit wurden die Abmahnungen nicht als einschlägig betrachtet. Ob die Mitarbeiterin ihre Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis verletzt hatte, ließ das Gericht in diesem Fall offen.

(ArbG Köln, Urteil v. 19.11.2014, 7 Ca 2114/14)

(ADS)

Foto : ©iStockphoto.com/skynesher


Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Alle Rechtstipps der anwalt.de-Redaktion

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.