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Täuschungsversuch oder doch nicht?

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Ein ganzes Studium kann scheitern, wenn die Prüfungsbehörde den Vorwurf erhebt, es läge ein Täuschungsversuch vor und deshalb mittels Bescheid die Prüfung für nicht bestanden erklärt.

Besonders übel ist das natürlich dann, wenn es um den letzten Prüfungsversuch ging. In dieser Situation empfiehlt es sich, diese Entscheidung kritisch zu überprüfen. Denn nicht immer liegen die Prüfungsämter richtig, nicht immer gelingt ihnen der Beweis für die angebliche Täuschung.

Wenn ein Prüfling im Rahmen der Prüfung objektiv eine Regel des Prüfungsverfahrens verletzt, z. B. Klebezettel an Büchern mit Bemerkungen beschriftet, obwohl z. B. Überschriften oder Ziffern erlaubt sind, spricht in der Tat der erste Anschein für das Vorliegen eines Täuschungsvorsatzes. Diesen kann der Prüfling aber entkräften, z. B. dadurch, dass er nicht bewusst gegen diese Regel des Prüfungsverfahrens verstieß und sich auch keinen unberechtigten Vorteil hatte verschaffen wollen. Dazu muss das eigene Verhalten in der Prüfung zunächst selbstkritisch überprüft werden. Kommt diese Überprüfung zu dem Ergebnis, dass man den Verstoß gegen die Regel gar nicht gesehen hat, dass man sich nicht gegenüber den anderen Prüflingen einen Vorteil hatte verschaffen wollen, muss das sachlich, widerspruchsfrei und glaubwürdig so dargestellt werden.

Kann so der Anscheinsbeweis erschüttert werden, dann obliegt es der Prüfungsbehörde, den Vollbeweis für die Täuschungsabsicht zu erbringen. Das aber ist schwierig, ggf. sogar unmöglich. Die Konsequenz besteht dann darin, dass die Klausur korrigiert und bewertet werden muss. Aus dem „nicht bestanden“ kann eine bestandene Prüfung werden.


Rechtstipp vom 18.09.2014
aus dem Rechtsgebiet Verwaltungsrecht

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