Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Thailändisches Investitionsrecht: Operatives Beteiligungscontrolling für Thailand

(39)

Der ausländische Investor muss sich grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass ausländische Gesellschaften einen erhöhten Kontrollbedarf und -aufwand nach sich ziehen. Notwendig ist daher ein rechtliches Instrumentarium, um ein engmaschiges Überwachungs- und Kontrollsystem für die gesamte ausländische Niederlassung zu ermöglichen. Für Thailand gelten hierbei die folgenden Erfahrungswerte: 

Die Herausforderung für deutsche Unternehmen liegt darin zu erkennen, dass einerseits die Verhältnisse in Thailand anders sind als im Heimatland und andererseits hierauf mit den anerkannten betriebswirtschaftlichen Standards zu reagieren. Der nachhaltige Unternehmenserfolg in Thailand hängt - so zeigt die Erfahrung - davon ab, dass weder das erfolgreiche Geschäftsmodell, noch die bewährten Kontrollmechanismen in einem fremden Markt und Wettbewerbsumfeld zu Gunsten angeblicher landestypischer Niedrigstandards aufgegeben werden. 

Der Umstand, dass thailändische Tochtergesellschaften mittelständischer Unternehmen in manchen Fällen von der Geschäftsführung unbemerkt erst ausgeblutet und dann ausgeweidet werden, liegt nicht in fehlenden Einfluss- und Kontrollinstrumentarien auf die thailändische Geschäftsführung. Ausschlaggebend sind vielmehr Versäumnisse des Mutterhauses in Verkennung von Land und Leuten. Hierzu gehört eine falsch verstandene Toleranz gegenüber vermeintlichen thailändischen Eigenarten und Gewohnheiten.

Die thailändische Geschäftswelt basiert nicht auf Vertrauen. Blindes Vertrauen wird nicht honoriert, funktioniert nicht und wird typischerweise enttäuscht. Eine geringe Kontrolldichte erscheint als eine offene Einladung für kreative Gestaltungen. Großzügigkeit und eine „lange Leine" werden als Uninteressiertheit und Dummheit missverstanden; unnötige Freiräume werden als Unsicherheit interpretiert. Die Gewährung unternehmergleicher Unabhängigkeit für Angestellte widerspricht zudem auch dem thailändischen Geschäfts- und Gesellschaftsbild, in dem strenge hierarchische Strukturen erwartet werden.

Unterbleibt die Kontrolle der Geschäftsführung aus dem Mutterhaus, so wird sie auch nicht in Thailand „mit Bordmitteln" selber kompensiert werden können. Dass thailändische Mitarbeiter Arbeitsanweisungen hinterfragen oder Vorfälle und Umstände offenbaren, widerspricht der thailändischen Kultur. Unbeanstandet bleiben somit z.B. die Einschaltung (verdeckt) verbundener Unternehmen mit Abrechnungen, die nicht dem Fremdvergleich entsprechen, künstliche Ergebnissteigerungen durch Luftposten, verdeckte Provisionszahlungen und Kickbacks, intransparente Spesenabrechnungen, der ungeklärter Verbleib von Vermögensgegenständen und die fehlende Unabhängigkeit von Beratern und Prüfern.

Korruption ist in Thailand Alltag und Integrität der Mitarbeiter ein oft irrig angenommener Hoffnungswert. Vermeintliche Abkürzungen und Sonderwege können regelmäßig ohne Widerstände gegangen werden. Es ist nicht selten, dass hierdurch bewusst ein Erpressungspotential gegenüber dem Mutterhaus geschaffen wird, welches zu gegebener Zeit zum Einsatz kommt. Auch der deutsche Mitarbeiter in Thailand steht unter einem ständigen Assimilierungsdruck zur Anpassung an sogenannte thailändische Verhältnisse. Familiäre Verflechtungen führen da schnell zu einem Wechsel der Loyalität.


Rechtstipp vom 03.01.2014

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Dr. Ulrich Eder (PUGNATORIUS Ltd.)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.