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Tierärztliche Behandlung eines Pferdes durch den Huforthopäden? Vertrauensschutz des Pferdehalters

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Die Krankheit des eigenen Pferdes und die daraus resultierende tierärztliche Behandlung bedeuten stets eine Belastung für jeden Pferdehalter. Umso erfreulicher ist das aktuelle Urteil des OLG Koblenz (Urteil vom 18.01.2017, 5 U 1021/16) aus Sicht der Pferdehalter zu bewerten.

Das Oberlandesgericht entschied zum einen, dass sich die Einwilligung eines Tierhalters zur Behandlung eines Tieres nicht ohne weiteres auf künftige Eingriffe bezieht. Zum anderen entschied es, dass der Pferdehalter grundsätzlich dem Ratschlag eines behandelnden Fachmanns vertrauen kann. Erst wenn sich Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit einer ausgesprochenen Empfehlung zeigen, muss anderweitig Rat eingeholt werden.

Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zu Grunde

Ein Huforthopäde nahm absprachegemäß von dem Pferd der Klägerin zur Behandlung eines Hufgeschwürs die Hufeisen an den Vorderhufen ab. Hierzu willigte die Klägerin (Pferdehalterin) ein. Bei einer weiteren Behandlung einige Tage später öffnete der Huforthopäde den Huf. Ohne Rücksprache mit der Pferdehalterin schuf er dabei ein kirschkerngroßes Loch. Hierzu hielt das Gericht fest, dass sich die Einwilligung der Pferdehalterin nicht auf diesen weiteren Eingriff erstreckte. Dieser wurde damit ohne Einwilligung und somit rechtswidrig vorgenommen. Für den hieraus entstandenen Schaden hat der Behandelnde Schadensersatz zu leisten.

Damit nicht genug. Nach dem Eingriff empfahl der Huforthopäde die Anschlussbehandlung durch einen ebenfalls als Huforthopäden tätigen Kollegen. Aus diesem Grund wurde die Behandlung zunächst durch den weiteren Huforthopäden fortgesetzt und ein zur Behandlung der Wunde notwendiger Tierarzt erst später hinzugezogen. Hierzu hat das Gericht entschieden, dass die Pferdehalterin von der Richtigkeit der Empfehlung des Huforthopäden ausgehen durfte. Sie durfte dem Huforthopäden, der ihr gegenüber als Fachmann aufgetreten war, vertrauen. Dass der Huforthopäde einen Eingriff vorgenommen hatte, der einem Tierarzt vorbehalten war, konnte und musste die Pferdehalterin nicht erkennen. Dies hat zur Folge, dass sie kein Mitverschulden in Bezug auf den am Tier entstandenen Schaden trifft.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Haben Sie Zweifel an Vorgehensweisen und Empfehlungen, fragen Sie nach und überzeugen sich so von der Kompetenz des Fachmanns.


Rechtstipp vom 29.09.2017
aus der Themenwelt Haftung für den Vierbeiner und den Rechtsgebieten Pferderecht, Recht rund ums Tier

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