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Trotz schwerer Verletzungsfolge: „Normales“ Foulspiel löst keinen Schmerzensgeldanspruch aus!

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Immer wieder kommt es im Sport zu schwerwiegenden Verletzungen von solchem Gewicht, dass die Geschädigten der Ansicht sind, ihnen stünde dafür Schadensersatz oder gar ein Schmerzensgeld zu. Bei Wettkämpfen mit beachtlichem Gefahrenpotential, bei denen typischerweise auch bei Einhaltung der Regeln oder geringfügigen Regelverletzungen die Gefahr gegenseitiger Schädigung besteht, ist jedoch davon auszugehen, dass jeder Teilnehmer diejenigen Verletzungen selbst mit schweren Folgen in Kauf nimmt, die bei Ausübung nach den anerkannten Regeln der jeweiligen Sportart nicht zu vermeiden sind. So entschied das Oberlandesgericht Hamm kürzlich für eine Verletzung im Fußballspiel einer Bezirksliga (OLG Hamm, Beschluss vom 22.12.2016, Az. I-9 U 138/16).

Im Duell um den Ball zwischen einer Mittelfeldspielerin gegen die Torwartin sprinteten beide im Sechzehner auf den Ball zu. Nachdem die geschädigte Spielerin gerade noch den Ball ins Tor spitzeln konnte, rutschte die beklagte Torwartin ungebremst mit ausgestreckten Beinen in die Kontrahentin. Die Torschützin erlitt dadurch eine Unterschenkelschaftfraktur. Wegen verschiedener Komplikationen wurden insgesamt elf Operationen durchgeführt. Noch anderthalb Jahre nach dem Unfall war die Geschädigte sichtbar gehbehindert, unfähig Sport zu treiben und ein Ende der ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen nicht absehbar.

Das OLG Hamm stellte fest: Eine Haftung komme nur in Betracht bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Regelwidrigkeit oder beim Überschreiten der Grenze zwischen noch gerechtfertigter Härte und unfairem Regelverstoß. Selbst wenn entgegen der Überzeugung der Richter nach der Beweisaufnahme die Behauptung der Klägerin zugetroffen hätte, dass die Torwartin zu spät aus dem Tor gelaufen sei und selbst wenn diese die Beine noch hätte anwinkeln können, nachdem sie erkannte, dass der Ball durch sie nicht mehr erreicht werden konnte – selbst dann „ergibt sich allerdings kein grob fahrlässiges regelwidriges Verhalten der Beklagten“, so die Richter. Auch die Schwere der Verletzung lasse hierauf keinen Schluss zu: „Die Verletzung der Klägerin impliziert keineswegs ein grob unsportliches Foulspiel, vielmehr werden immer wieder Fußballspieler bei typischen Sportunfällen schwer verletzt.“ Das ist die Quintessenz des OLG Hamm: Wer gefahrgeneigte Sportarten betreibt, hat auch mit schwersten Verletzungen aus schadensrechtlicher Sicht schlichtweg Pech gehabt, solange er – bildlich gesprochen – nicht das Opfer gegnerischer Bestrafungsaktionen in Form der allein verletzungsbestimmten Blutgrätsche wird. Alles andere ist nur ein typischer Sportunfall.


Rechtstipp vom 20.03.2017

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            Rechtsanwalt Heiko Urbanzyk (Rechtsanwaltskanzlei Heiko Urbanzyk) Rechtsanwalt Heiko Urbanzyk

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