Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

U-Haft – und jetzt?

(21)

Die Untersuchungshaft ist das schärfste Schwert der Justiz, denn Sie stellt Ihr Leben und das Ihrer Angehörigen auf den Kopf. Sie vermuten, dass Ihnen in naher Zukunft Untersuchungshaft droht oder ein Angehöriger befindet sich in Untersuchungshaft? Im folgenden Text erhalten Sie einen kurzen Überblick darüber, was auf Sie zukommt. 

Beginn der Untersuchungshaft

Besteht 

  1. dringender Tatverdacht, 
  2. ein Haftgrund (Flucht, Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder Wiederholungsgefahr) 
  3. und ist die Untersuchungshaft im Hinblick auf den Tatvorwurf nicht unverhältnismäßig, 

beantragt die Staatsanwaltschaft beim Ermittlungsrichter den Erlass eines Haftbefehls. Sofern der Ermittlungsrichter den Haftbefehl erlässt und dessen Vollzug nicht gleichzeitig ausgesetzt wird, werden Sie – sofern Sie nicht zuvor bereits vorläufig festgenommen waren – festgenommen und zur Vollstreckung der Untersuchungshaft in eine Justizvollzugsanstalt verbracht. Das ist äußerst unangenehm, denn ab sofort haben Sie keinen Zugriff mehr auf persönliche Gegenstände, können mit Ihrer Familie und Ihren Freunden nicht mehr ohne weiteres kommunizieren und können auch Ihren täglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Sie werden quasi von jetzt auf gleich aus dem normalen Leben gerissen. 

Wichtig: Sofort qualifizierte anwaltliche Hilfe!

Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich sofort qualifizierter anwaltlicher Hilfe bedienen. Dieses Erfordernis hat auch der Gesetzgeber gesehen und gewährt Ihnen im Fall der Untersuchungshaft einen Pflichtverteidiger. Hierzu müssen Sie wissen, dass Sie sich diesen selbst aussuchen dürfen. Dies können Sie nur dann, wenn Sie bereits vorab informiert sind und wissen, von wem Sie im Fall der Untersuchungshaft verteidigt werden möchten und bestenfalls im Falle einer Festnahme dessen Namen und Telefonnummer parat haben. 

Parat haben bedeutet im Idealfall, die Daten Ihres Wunschverteidigers auf einem Zettel in Ihrer Brieftasche mit sich zu führen. Haben Sie die Daten lediglich auf Ihrem Mobiltelefon hinterlegt, wird man Sie darauf nicht zugreifen lassen. Vielmehr wird man verlangen, dass Sie den Code Ihres Telefons preisgeben, was für Sie äußerst ungünstig sein kann. 

Ich stelle Ihnen anheim, meine Mobilfunknummer für solche Notfälle zu notieren und für den Fall der Fälle stets auf einem Zettel mich sich zu führen.

Wenn Sie keinen Verteidiger benennen, wird das Gericht Ihnen einen Verteidiger auswählen und beiordnen. Leider handelt es sich hierbei häufig um Kollegen, die es sich mit dem Gericht nicht „verscherzen“ wollen, um sich zukünftige Beiordnungen zu sichern. Deshalb müssen Sie damit rechnen, dass diese Kollegen sich nicht besonders engagiert für Ihre Interessen einsetzen. 

Dass es nicht einfach ist, einen unliebsamen Pflichtverteidiger wieder loszuwerden, dürfte aus dem NSU-Prozess um Beate Zschäpe hinlänglich bekannt sein. Trotzdem steht es Ihnen frei, auf eigene Kosten zusätzlich einen Wahlverteidiger zu beauftragen. Auch dafür stehe ich gern zur Verfügung.

Mein Leben „draußen“ – was muss geregelt werden?

Sie sollten versuchen, trotz des Schocks der Untersuchungshaft besonnen zu bleiben, denn für die vielen Dinge, die schnellstmöglich geregelt werden müssen, brauchen Sie einen klaren Verstand:

Berufstätigkeit

Sind sie im Angestelltenverhältnis erwerbstätig, muss ihr Arbeitgeber informiert werden. Möglicherweise verlieren Sie aufgrund der Untersuchungshaft Ihren Arbeitsplatz, zumindest aber werden Gehaltszahlungen wahrscheinlich nicht erfolgen. Manchmal kann es Sinn machen, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht damit zu beauftragen, Verhandlungen mit Ihrem Arbeitgeber zu führen. Ich empfehle Ihnen auf Nachfrage in entsprechenden Fällen einen arbeitsrechtlich versierten Kollegen, mit dem ich auf Ihren Wunsch hin zusammenarbeite.

Sind Sie selbständig tätig, müssen Sie versuchen, dafür Sorge zu tragen, dass ihr Geschäft durch einen Vertreter weitergeführt oder zumindest Schadensbegrenzung betrieben wird.

Finanzielle Verpflichtungen und laufende Verträge

Eine länger andauernde Untersuchungshaft kann Sie in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Finanzielle Verpflichtungen können möglicherweise nicht mehr bedient werden, sodass Sie darüber nachdenken müssen, welche laufenden Verträge möglicherweise gekündigt werden können. Dies betrifft in vielen Fällen leider auch die eigene Wohnung.

Wie kann ich Kontakt zu meinen Angehörigen und Freunden halten?

In der Regel besteht die Möglichkeit, dass Ihre Familienmitglieder und Freunde Sie in der Justizvollzugsanstalt besuchen können. Hierfür ist normalerweise eine Besuchserlaubnis erforderlich, die bei der Staatsanwaltschaft beantragt werden kann. Ihr Strafverteidiger hilft dabei. Die Besuchszeiten sind jedoch streng reglementiert, Besuche sind für Ihre Angehörigen und Freunde mit enormem Aufwand verbunden. 

Auch Briefkontakt ist möglich. Hierzu müssen Sie aber wissen, dass die Briefe in der Regel von der Staatsanwaltschaft gelesen werden und auch im Verfahren gegen Sie verwendet werden können. Deshalb sollten weder Sie noch Ihre Angehörigen und Freunde in diesen Briefen etwas zu den Vorwürfen schreiben.

Wie kann ich mich gegen die Untersuchungshaft wehren?

Sie haben das Recht, Haftprüfung zu beantragen oder Haftbeschwerde einzulegen. Bestenfalls sollten Sie das durch Ihren Strafverteidiger erledigen lassen.

Sie benötigen Hilfe im Zusammenhang mit Untersuchungshaft?

Gern können Sie mich jederzeit kontaktieren. Ich helfe Ihnen schnell und kompetent.


Rechtstipp vom 21.08.2018
aus der Themenwelt Untersuchungshaft und Haftbefehl und dem Rechtsgebiet Strafrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.