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Überblick über mögliche Schadensersatzpositionen nach einem Verkehrsunfall

Rechtstipp vom 29.12.2016
Aktualisiert am 14.02.2018
Rechtstipp vom 29.12.2016
Aktualisiert am 14.02.2018

Schadenspositionen im Verkehrsunfallrecht

Nach einem Verkehrsunfall ist die Hektik zunächst groß. Später stellt sich dann die Frage, wie wird mein Schaden ersetzt und in welcher Höhe.

Deshalb hier eine kurze Auflistung der „üblichen“ Schadenspositionen wie Sie in der Regel in der Praxis anfallen:

Reparaturkosten./.Abrechnung auf Gutachtenbasis

Der Geschädigte kann grundsätzlich Ersatz des ihm wegen des Verkehrsunfalls entstehenden Fahrzeugschadens verlangen. In erster Linie kommen dabei die Reparaturkosten in Betracht. Die zu erstattenden Kosten ergeben sich dabei aus der Reparaturrechnung.

Der Geschädigte muss den Pkw jedoch nicht reparieren lassen. Die gegnerische Haftpflichtversicherung des Unfallgegners versucht hier oftmals den Geschädigten dazu zu bringen, eine Reparaturrechnung vorzulegen oder die Zahlung des Schadens oder eines Teils davon von der Vorlage einer Reparaturrechnung abhängig zu machen.

Der Geschädigte kann auf Grundlage eines Gutachtens den Schaden abrechnen. Es kann also eine Reparatur vollständig unterbleiben oder zu einem günstigeren Preis als zu dem durch das Gutachten festgestellten Betrag vorgenommen werden. Auszuzahlen ist der im Gutachten ermittelte Schadensbetrag.

Das bedeutet konkret, der Geschädigte allein, und keinesfalls die gegnerische Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, entscheidet, ob er den Pkw überhaupt repariert, ob er den Pkw nur teilweise repariert, ob er ihn selbst oder gar nicht repariert. Allein der Geschädigte entscheidet auch darüber, ob er den Pkw verkauft oder behält. Grenzen gibt es hier lediglich beim wirtschaftlichen Totalschaden. Keinesfalls ist der Geschädigte verpflichtet, eine Reparaturrechnung vorzulegen.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Die Höhe der Reparaturkosten kann im Einzelfall, gerade bei älteren Pkw, die bereits stark an Wert verloren haben, den Betrag übersteigen, der zur Anschaffung eines mit dem beschädigten Fahrzeug vergleichbaren Ersatzfahrzeugs erforderlich ist. Dann spricht man von einem „wirtschaftlichen Totalschaden“.

In solchen Fällen wird von dem Geschädigten aus Gründen der Schadensminderungspflicht grundsätzlich verlangt, dass er von der kostenträchtigen und somit unwirtschaftlichen Reparatur absieht und stattdessen ein vergleichbares Ersatzfahrzeug anschafft. Es wird dann auf der Basis eines Wiederbeschaffungswertes, also dem Wert, den man benötigt, um einen vergleichbaren Pkw zu erwerben, abgerechnet und davon dann noch der sog. „Restwert“, also der Wert, den der Pkw im beschädigten Zustand aufweist, abgezogen.

Einzelheiten der Schadensbewertung sind im Übrigen kompliziert.

Ggf. ist die 130-%-Grenze bei der Verkehrsunfallregulierung zu beachten.

Da die Rechtsprechung das Interesse des Eigentümers an dem Erhalt seines Pkw höher einschätzt als die Schadensminderungspflicht, erlaubt die Rechtsprechung dem Geschädigten, den Pkw zu reparieren, wenn der Schaden am Pkw maximal 130 % über dem Wiederbeschaffungswert liegt.

Wertminderung

Im Falle der Beschädigung eines Fahrzeugs tritt unter bestimmten Voraussetzungen eine Wertminderung des Fahrzeugs ein, selbst wenn die Reparatur ordnungsgemäß und fachgerecht durchgeführt wird. Eine solche Wertminderung ist grundsätzlich im Rahmen des zu leistenden Schadensersatzes vom Schädiger zu ersetzen, wobei die Wertminderung umso höher ausfällt, je neuer und je beschädigter der Pkw ist.

Auf der anderen Seite wird man bei geringen Schäden oder bei Schäden an alten Pkw dem Geschädigten keine Wertminderung mehr zubilligen können.

Eine Wertminderung ist dadurch begründet, dass ein Kunde bei einer Kaufabsicht und der Wahl zwischen zwei identischen Pkw bei gleichem Preis stets den unfallfreien Pkw vorziehen würde, es sei denn, der Veräußerer des verunfallten Pkw schafft durch einen niedrigeren Verkaufspreis einen höheren Kaufreiz. Diese Notwendigkeit, beim verunfallten Pkw einen besonderen Kaufreiz zu gewähren und den Verkaufspreis zu senken, ist zu vergüten und soll durch die Wertminderung kompensiert werden. Es handelt sich um eine sog. merkantile Wertminderung.

Verbringungskosten

Verbringungskosten sind die Kosten, die anfallen, wenn der Pkw von der Werkstatt zur Lackiererei verbracht werden muss. Das ist immer dann und zurzeit sehr häufig der Fall, weil die Werkstätten dazu übergegangen sind, die Lackierungen nicht mehr unmittelbar in der Werkstatt sondern anderweitig, oftmals von Dritten vorzunehmen. Auch diese Verbringungskosten sind im Schadensfall zu ersetzen, da sie zum normativen Schaden gehören, und zwar auch bei der fiktiven Abrechnung auf Gutachtenbasis. Ein freier Gutachter wird diese Schadensposition in seinem Gutachten daher immer aufnehmen, weil die Verbringungskosten zum Schaden gehören.

Nutzungsausfallentschädigung ./.Mietwagenkosten

Bei Ausfall des Fahrzeuges besteht Anspruch auf Ersatz der angefallenen Mietwagenkosten, zumindest für die Dauer der tatsächlichen oder fiktiven Reparatur. Darüber hinaus ist im Einzelfall zu prüfen.

Die Höhe der zu ersetzenden Mietwagenkosten ist immer wieder Gegenstand von Rechtsstreiten.

Der Nutzungsausfall ist grundsätzlich eine durch die Rechtsprechung anerkannte Entschädigung für die Dauer des Ausfalls der Möglichkeit der Pkw-Nutzung. Eine Nutzungsausfallentschädigung kann jedoch nie fiktiv beansprucht werden, sondern immer nur bei einem konkreten Ausfall der Nutzungsmöglichkeit des Pkw.

Bei (Weiter-) Benutzung eines beschädigten Pkw kann also keine Nutzungsausfallentschädigung beansprucht werden.

Bei Abrechnung auf fiktiver Reparaturkostenbasis kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie die Reparatur des Pkw nicht nachgewiesen wird.

Bei Abrechnung auf fiktiver Reparaturkostenbasis bei einem Totalschadensfall kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie der Verkauf und Abmeldung des verunfallten sowie die Anschaffung und Anmeldung eines Ersatzfahrzeugs nicht nachgewiesen wird.

Bei Abrechnung auf tatsächlicher Reparaturkostenbasis kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie die Reparatur des Pkw nicht durch Vorlage der Reparaturrechnung nachgewiesen wird.

Die Höhe des Nutzungsausfalls wird vom Kfz-Sachverständigen in seinem Gutachten angegeben und nach der verbreiteten Tabelle von Sanden / Danner / Küppersbusch bestimmt. Ausgehend von der Kalkulation vergleichbarer Mietwagenkosten (beruhend auf den Fahrzeugpreisen und den entstehenden Betriebskosten) wird der Tagessatz für jedes Modell errechnet. Bei älteren Modellen lässt der Bundesgerichtshof je nach Alter des Pkw und seiner Ausstattung einen Abzug von einer bzw. sogar von zwei Klassen zu.

Entsorgungskosten

Der Geschädigte hat auch Anspruch auf Erstattung der Kosten für eine Verschrottung des Fahrzeugs.

An- und Abmeldekosten

Der Geschädigte hat weiterhin Anspruch auf Erstattung der Kosten für die An- und Abmeldekosten des verunfallten bzw. des erworbenen Ersatzfahrzeugs. (im Falle des sog. wirtschaftl. Totalschadens)

Kostenpauschale / Unkostenpauschale

Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz seiner ihm durch die Schadensregulierung entstandenen Portokosten, Fahrtkosten und Telefonkosten. Diese werden regelmäßig pauschal mit 25,00 € abgegolten.

Rechtsanwaltskosten

Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz seiner ihm durch die Schadensregulierung entstandenen Rechtsanwaltskosten. Diese werden von der Versicherung übernommen, weil der Geschädigte aus Gründen der sog. „Waffengleichheit“ das Recht hat, sich anwaltlicher Hilfe zur sachgerechten Durchsetzung seiner Interessen zu bedienen.

Dies stellt lediglich einen Überblick über die Schadenspositionen am und mit dem PKW dar. Im Einzelfall sind noch weitere Positionen zu berücksichtigen.

Nicht aufgeführt sind die Ersatzpositionen bei Körperverletzungen

Diese sind nochmals gesondert zu behandeln und sprengen leider den hier erlaubten Umfang. Insoweit verweise ich zumindest teilweise auf meine Ausführungen in einem anderen Artikel zum Schmerzensgeld.

Die Unfallregulierung ist, gerade auch im Hinblick auf Mitverschulden und verschuldensunabhängige Gefährdungshaftung, in vielen Fällen komplizierter als seitens der Versicherungen behauptet.

Der Gang zum Rechtsanwalt kann sich daher durchaus lohnen.


Rechtstipps aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

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