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Überschwemmung durch Dreijährigen verursacht – Mutter soll zahlen: Regress des Gebäudeversicherung

Rechtstipp vom 04.10.2018
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Rechtstipp vom 04.10.2018
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Das OLG Düsseldorf (I – 4 U 15/18) hatte über einen Fall zu entscheiden, bei dem ein Dreijähriger einen großen Leitungswasserschaden verursacht hat (rund 15.000 €). Was war passiert?

Der Kleine wurde von seiner Mutter zur Schlafenszeit ins Bett gebracht. Er stand dann aber noch einmal unbemerkt von der Mutter auf, ging zur Toilette, warf viel zu viel Toilettenpapier in die Toilette und spülte dann. Allerdings hakt der Spülknopf hin und wieder und auch bei diesem Spülvorgang verhakte sich der Spülknopf mit der Folge, dass ständig Wasser lief. Aufgrund der Tatsache, dass das Wasser durch die Spülung aufgrund der Verstopfung nicht ablaufen konnte, kam es zur Überschwemmung im Badezimmer. Erst als das Wasser in die darunterliegende Wohnung tropfte, wurde der Schaden bemerkt.

Der Gebäudeversicherung regulierte zunächst den Schaden, wozu sie auch verpflichtet ist. Dann dachte sich die Gebäudeversicherung, man könne den Schadenverursacher in Anspruch nehmen. Dreijährige Kinder sind aber nicht deliktsfähig, sodass eine Haftung des Kindes selbst ausgeschlossen ist.

Eine Haftung der Eltern kommt nur dann in Betracht, wenn Eltern die Aufsichtspflicht über ihre Kinder verletzen.

Das OLG Düsseldorf stellte allerdings fest, dass Eltern eines dreijährigen Kindes nicht verpflichtet sind, diese in einer geschlossenen Wohnung ständig zu beobachten. Es sei ausreichend, wenn sich der Aufsichtspflichtige in Hörweite befinde. Auch der nächtliche Gang zur Toilette muss nicht unmittelbar beaufsichtigt werden. Eine absolute Sicherheit sei vom Gesetz nicht gefordert. Eine lückenlose Überwachung sei besonders auch dann nicht erforderlich, wenn durch die Überwachung eine vernünftige Entwicklung des Kindes, insbesondere der Lernprozess im Umgang mit Gefahren, gehemmt werden würde.

Hinweis für die Praxis 1:

Ein Regress eines Gebäudeversicherers gegenüber einem Mieter ist dann ausgeschlossen, wenn der Schaden nur fahrlässig verursacht wurde. Ein Regress ist nur dann möglich, wenn grob fahrlässig oder gar vorsätzlich ein Schaden durch einen Mieter verursacht wurde. Für diese Fälle sollten Mieter dringend eine Privathaftpflichtversicherung abschließen. Eine Privathaftpflichtversicherung zahlt verursachte Schäden auch dann, wenn sie grob fahrlässig verursacht wurden.

Hinweis für die Praxis 2:

Eltern haften nicht grundsätzlich für alle Schäden, die ihre Kinder anrichten. Eltern haften immer nur für eigenes Verschulden, nicht für das Verschulden ihrer Kinder. Ein eigenes Verschulden stellt es dar, wenn man die Aufsichtspflicht, die man gegenüber den kleinen Rackern hat, verletzt. Das bedeutet nicht, dass Eltern ständig ihre Kinder überwachen müssen. Sie dürfen ihren Kindern Freiheiten geben, damit diese lernen, mit ihrer Umwelt zurechtzukommen. Das wurde hier noch einmal durch das OLG Düsseldorf festgestellt. Ein schönes Urteil für junge Eltern.

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Wir hoffen, Ihnen konnte das Urteil weiterhelfen, ansonsten melden Sie sich bei uns.

Marc Mumm

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Versicherungsrecht


Rechtstipp aus der Themenwelt Private Versicherungen und dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht

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